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Deutsche sparen an der Mobilität

24.03.12 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Im Auftrag der Allianz pro Schiene befragte das Sozialforschungsinstitut Forsa mehr als 3.000 Bundesbürger nach ihrem Mobilitätsverhalten. Demnach sparten im vergangenen Jahr rund 24 Prozent aus Kostengründen an der Mobilität.

Rund ein Viertel der Befragten gab an, von Urlaubsreisen abgesehen, bestimmte Fahrten mit dem Auto, mit der Bahn, mit dem Flugzeug oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus finanziellen Erwägungen eingespart zu haben. Deutliche Unterschiede zeigten sich in der Altersstruktur der Befragten, die zuvor eine Einschränkung ihrer Mobilität bejaht hatten. „Unsere Umfrage hat ergeben, dass bei den 18- bis 29-Jährigen 62 Prozent auf Fahrten oder Wege zu Verwandten verzichtet haben“, sagte Forsa-Geschäftsführer Joachim Koschnicke am Donnerstag in Berlin. „Menschen, die 60 oder älter sind, verzichteten hingegen zu 48 Prozent auf die Familienreise und sparten zu 23 Prozent bei ihren Arztbesuchen.“

„Mit den steigenden Mobilitätskosten kommt ein soziales Problem auf uns zu, das wir schleunigst angehen sollten“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege. Forderungen nach einer Anhebung der Pendlerpauschale erteilte Flege jedoch eine Absage. „Da die Pendlerpauschale vor allem denen zu Gute kommt, die viel und weit fahren, setzt sie falsche Anreize“, sagte Flege. Stattdessen sei ein attraktiver öffentlicher Verkehr ein guter Stellhebel, um die Menschen in ihren Mobilitätsbedürfnissen vom Ölpreis unabhängiger zu machen. „Der Öffentliche Verkehr wird ein zentraler Baustein sein, wenn wir aus der Kostenfalle herauskommen wollen.“

Die Allianz pro Schiene wies zugleich darauf hin, dass steigende Energiepreise künftig zwangsläufig zu höheren Kosten für die Mobilität führen würden. So haben aktuelle Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ergeben, dass die Kosten für Verkehr in den vergangenen Jahren überproportional stark gestiegen sind: Während die Lebenshaltungskosten der Deutschen 2011 bezogen auf 2005 nur um 11,1 Prozent wuchsen, mussten die Verbraucher für Flugtickets (plus 34,9 Prozent), Pkw-Kraftstoff (plus 28,0 Prozent) und Bahntickets (plus 22,2 Prozent) deutlich tiefer in die Tasche greifen. „Auch wenn die Ticketpreise der Bahn langsamer gewachsen sind als Sprit- oder Flugticketpreise, gibt es keinen absoluten Schutz vor steigenden Preisen für Mobilität“, sagte der Allianz pro Schiene Geschäftsführer. Damit künftig nicht ganze Bevölkerungsgruppen aus Kostengründen auf wichtige Fahrten verzichten müssten, solle die Bundesregierung einen strukturierten Dialog, aufsetzen. „Das Problem ist zu komplex, um es Populisten zu überlassen. Die Reduzierung auf die Parole ‚Autofahren muss bezahlbar bleiben‘ greift zu kurz. Mobilität ist mehr als Autofahren. Die Politik muss den Menschen jetzt eine klare, langfristige Perspektive geben, wie Mobilität bezahlbar bleibt und umweltfreundlicher wird. Nötig ist ein politischer Masterplan für den Personenverkehr in Deutschland, dessen Erstellung von der Bundesregierung koordiniert werden muss“, sagte Flege.

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