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VDV freut sich über Rekordergebnis für Busse und Bahnen

02.02.12 (Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Der ÖPNV in Deutschland wird immer beliebter – sagt zumindest der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). 2011 konnten mehr als 9,7 Milliarden Fahrgastfahrten gezählt werden, das entspricht einer Steigerung von 0,7 Prozent im Vergleich zu 2010. Seit 2002 hat sich das Fahrgastaufkommen um etwa acht Prozent, bzw. 700 Millionen Fahrgastfahrten gesteigert. Keine Angaben macht der VDV über den Anteil des ÖPNV am Modal Split und dessen Entwicklung in den letzten Jahren.

VDV-Präsident Jürgen Fenske freut sich: „Die Nachfrage nach ÖPNV in Deutschland steigt seit Jahren. Das ist erfreulich und ein deutliches Zeichen dafür, dass die Nahverkehrsunternehmen landesweit erfolgreich arbeiten.“ Doch nicht nur das Kundenaufkommen, auch die Verkehrsleistung steigt immer weiter. 2011 waren es über 91 Milliarden Personenkilometer, 874 Millionen mehr als 2010. Fenske: „Erstmals fuhren die ÖPNV-Unternehmen im Jahr 2011 täglich über 250 Millionen Personenkilometer. Damit haben sie ihre Verkehrsleistung nochmal um fast ein Prozent gesteigert.“

Durch den Kundenzuwachs steigen auch die Erträge aus dem Beförderungsentgelten. Schon 2010 wurde die Grenze von zehn Milliarden Euro erstmals knapp überschritten, 2011 waren es rund 10,3 Milliarden Euro. Auch damit ist Jürgen Fenske zufrieden: „Der deutsche ÖPNV wird immer effizienter und ist auch ökonomisch betrachtet auf einem richtig guten Weg.“ Die Steigerung der Fahrgeldeinnahmen lag bei etwa drei Prozent, angesichts der jährlichen Preissteigerung – die im Regelfall deutlich über der Inflation liegt – sind diese Mehreinnahmen nur logisch. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass zumindest die Energiekosten ebenfalls überdurchschnittlich steigen.

Anders sieht es bei den Personalkosten aus, gerade die großen kommunalen Eigenbetriebe haben sich in den letzten Jahren vielfach auch auf Kosten ihrer Mitarbeiter saniert. Sei es, dass einfach die Fremdvergabequoten erhöht wurden oder dass man Tochtergesellschaften gegründet hat, um neue Mitarbeiter zu schlechteren Konditionen einzustellen. Auch der Anteil der Leiharbeiter stieg. Dennoch, der ökonomische Erfolg ist da. Fenske: „Busse und Bahnen galten lange Zeit als hochgradig defizitär, aber die steigenden Einnahmen und ein Kostendeckungsgrad von durchschnittlich 77 Prozent beweisen das Gegenteil. ÖPNV ist in Deutschland mittlerweile deutlich wirtschaftlicher als in anderen großen europäischen Industrienationen.“

Die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts wird es, den Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum zu verkraften. Das weiß auch Jürgen Fenske: „Wir haben zwar insgesamt bundesweit einen Fahrgastzuwachs, aber gerade in ländlichen Regionen und Kleinstädten haben die Unternehmen angesichts sinkender Bevölkerungszahlen und vor allem weniger Schülern eher mit Fahrgastrückgängen zu kämpfen.“

Die zunehmende Urbanisierung und Suburbanisierung, die Alterung der Bevölkerung, aber auch immer mehr mobile Senioren, das alles werden im ÖPNV die Themen der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein. Die siebzigjährige Witwe hat heute längst Auto und Führerschein – und die heute fünfzigjährigen Senioren von morgen sind mobiler als je zuvor. Bus und Bahn werden hier neue Lösungen finden müssen.

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