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S-Bahn Berlin: Neues Chaos

06.02.12 (Berlin) Autor:Stefan Hennigfeld

Bereits seit drei Jahren ist die zum DB-Konzern gehörende S-Bahn Berlin nicht mehr in der Lage, ihren Verkehrsvertrag mit den Ländern Berlin und Brandenburg zu erfüllen. Am vergangenen Wochenende waren es sowohl ein Schienenbruch im Verantwortungsbereich der DB Netz AG als auch – wie üblich – Personalmangel. Es standen nicht mehr ausreichend Triebfahrzeugführer zur Verfügung, Züge mussten ausfallen.

Die Linien S 3, S 5 und S 75 mussten etwa anderthalb Stunden unterbrochen werden, anschließend gab es noch Verspätungen. Zwischen den Bahnhöfen Lichtenberg und Ostkreuz kam der Verkehr am Samstag gänzlich zum Erliegen. Die Linien S 25 und S 75 wurden am ganzen Wochenende ausgedünnt, die Linie S 45 wurde komplett eingestellt. Die Linie S 2 fuhr nur unregelmäßig, die Linie S 8 nur zwischen Birkenwerder und Blankenburg.

Der derzeitige Verkehrsvertrag, der ohne Ausschreibung vergeben worden ist, endet im Dezember 2017. Vor den Wahlen im letzten Herbst wollte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eine neuerliche Direktvergabe an die Deutsche Bahn, obwohl diese nach dem Abellio-Urteil rechtswidrig ist und vor Vergabekammer und Gericht keinen Bestand hätte. Seit den Wahlen wird zumindest eine Teilausschreibung vorbereitet.

5 Responses

  1. Also der Vertrag wird nicht erfüllt? Sollte dann eine fristlose Kündigung nicht möglich sein?


  2. S-Bahn-Orakel
    07.02.12 um 21:49

    Hätte man der S-Bahn Berlin GmbH kündigen wollen, wäre der einzig mögliche Termin der Juni 2009 gewesen, der Zeitpunkt des ersten, großen Breakdown. Danach wäre dann eine Neuverhandlung der Bedingungen möglich gewesen. Statt dessen hat die damalige Senatorin für Verkehr noch den Vertrag für das Teilnetz Nord-Süd ohne Ausschreibung verlängert. Klar, dass man im Bahntower vor Freude über so viel Dummheit mit dem Öffnen der Champagnerflaschen gar nicht mehr nachkam.

    Auch danach hat die Berliner Stadtregierung sich nicht mit Ruhm bekleckert. Oder anders geschrieben: Sie hat in Sachen S-Bahn gar nichts getan. Und wenn doch einmal, dann mit Sicherheit das Falsche.

    Trotzdem hat sie gegenüber der Bevölkerung bis zu den Wahlen im September 2011 stets den Eindruck geschäftigen Treibens erweckt. Der heutige Senator Müller besitzt mehr Sachverstand als Junge-Reyer (Kunststück bei 0+x), hat aber einen nun bereits verfahrenen Karren übernommen. Wie es aussieht, will er den jetzt auch nicht aus dem Dreck holen.

    Die Berliner Fahrgäste werden bis 2017 mit bestenfalls dem Status Qou weiter leiden müssen und können nur beten, dass dann die S-Bahn einige neue Züge anschafft. Die kämen dann ca. 2020-22 zum Einsatz.

    Bis dahin ist Wowereit längst Bundeskanzler.


  3. Beobachter
    07.02.12 um 22:40

    @ S-Bahn-Orakel

    Bis dahin ist Wowereit längst Bundeskanzler.

    Bevor es „Pflicht“ wird, wandere ich aus :)


  4. bahnfahrer
    08.02.12 um 12:34

    Glaub ich kaum, daß sich mit der Ausschreibung wesentliches ändern wird. Gibt es überhaupt ernsthafte Mitbieter außer der S-Bahn Berlin GmbH? Keiner sonst verfügt über Fahrzeuge und Werkstattkapazitäten, alle anderen müßten das also einkaufen, und zwar zu den Bedingungen der DBAG. Schön, daß Herr Müller 194 Züge ordern will, obwohl noch nicht klar ist wer sie denn bezahlen soll. Ein EVU wird wohl kaum eine Milliarde von der Bank leihen können. Und hat der Senat dafür mal ne Milliarde übrig? Sollte Herr Müller vielleicht zuerst mal klären..
    Wenn DB Netz wieder mal nicht die Fahrsperren wartet, dann ruht auch bei den privaten Betreibern der Betrieb.
    Verspreche mir daher wenig von der Ausschreibung.

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