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Heute großer Tag im VRR: Showdown zwischen Abellio und DB Regio

06.02.12 (VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Heute ist in Gelsenkirchen der große Tag. Um 14 Uhr tagt der Vergabeausschuss des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) und wird eine endgültige Entscheidung über die Vergabe der Linien S 5 und S 8 treffen: An Abellio Rail NRW oder an DB Regio. Wichtig werden die Kreditkonditionen im Vormittagsbereich sein, denn davon hängt ab, welches Angebot günstiger ist und ob die Züge rot oder schwarz-silber sein werden.

Der Grund ist, dass bei der Ausschreibung erneut das Fahrzeugfinanzierungsmodell des VRR optional zur Anwendung kam. Abellio wollte es in Anspruch nehmen, die Deutsche Bahn nicht. Bei diesem Modell schafft das Eisenbahnverkehrsunternehmen die Züge selbst an und tritt der Waggonbauindustrie gegenüber als Auftragnehmer auf. Daraufhin werden sie an den VRR verkauft und von diesem wiederum gemietet.

Dadurch sollen Finanzierungskosten gespart werden, die Raten bedient das Eisenbahnverkehrsunternehmen, beim VRR werden sie zum durchlaufenden Posten. Es wurde erdacht, nachdem infolge der Finanzkrise 2008 im Frühjahr 2009 die Ausschreibung Dieselnetz Westmünsterland gescheitert ist – die Kreditklemme war mit dafür verantwortlich. Um Wettbewerb im SPNV nicht von den Launen der Finanzmärkte abhängig zu machen, bieten VRR und NWL ihren Bietern dieses Finanzierungskonzept an.

Am gestrigen Sonntag (5. Februar) lief die Einspruchsfrist ab. Am 24. Januar sah es so aus, als würde DB Regio die Ausschreibung knapp gewinnen, der Preisunterschied lag bei einem einstelligen Centbereich pro Zugkilometer. Das Auftragsvolumen beträgt etwa dreihundert Millionen Euro, dazu kommen rund hundert Millionen Euro für die neuen Züge. Sie werden achtzig Zentimeter Einstiegshöhe haben und über Toiletten verfügen.

Durch das Kopf-an-Kopf-Rennen wollte der VRR sich bislang nicht offiziell zur Ausschreibung äußern. Der dritte Bieter, die Rurtalbahn, war jedoch so weit abgeschlagen, dass sie aus dem Rennen ist. Wenn die Kreditkonditionen heute etwas geringer sind als im Januar, dann wird Abellio gewinnen, bleiben sie gleich oder steigen sie, geht der Auftrag an DB Regio.

Kritisiert wird dabei, dass Abellio das Angebot quasi „nachbessern“ darf, DB Regio jedoch nicht. Das ist allerdings nicht zutreffend. Die endgültigen Finanzierungskonditionen können erst heute festgelegt werden, denn es gibt in dieser Höhe keine Kreditangebote mit einer Bindefrist, die länger als ein paar Stunden ist.

Für den Fall, dass es dennoch – auch im Anschluss an die Widerspruchsfrist – zu zugelassenen Einsprüchen und Klagen kommt, gibt es im VRR bereits einen Plan B: Die Wettbewerbsvergabe würde ein bis zwei Jahre verschoben werden, DB Regio müsste die Linien S 5 und S 8 dann per Notvergabe oder Auferlegung weiterhin betreiben. Je nachdem, welche Konstellation heute Abend vorhanden ist, könnte es entweder eine verbindliche Entscheidung geben oder aber man betritt völliges juristisches Neuland. Die Spannung steigt.

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