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Bogestra Vorreiter in innovativer Technik

07.02.12 (Nordrhein-Westfalen) Autor:Jürgen Eikelberg

In Jahr 2008 setzte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA) als damals einziger Verkehrsbetrieb in Nordrhein-Westfalen einen Hybridbus ein. Auf Grund der positiven Ergebnisse folgten bereits 2010 drei weitere Fahrzeuge mit dem klimaschonenden Antriebssystem. Anfang März 2011 kam der fünfte Hybridbus ins Haus, im Juni 2011 folgten weitere zehn Fahrzeuge. Inzwischen sind mehr als 700.000 Kilometer zurückgelegt und über eine Million Kunden befördert.

Sich als ÖPNV-Unternehmen der Verantwortung für die Natur zu stellen und ein Blick über den Tellerrand zu wagen, waren für die BOGESTRA  2008 die ersten Schritte auf dem Weg zum Einsatz des ersten serienreifen Hybridbusses Nordrhein-Westfalens. Vorangegangen waren dem Kauf knapp zwei Jahre Planung. Finanziert wurde der erste „serienreife“ Hybridbus NRWs aus Eigenmitteln des Verkehrsunternehmens – im Rahmen eines Projektes der Kooperation östliches Ruhrgebiet.

Die BOGESTRA erhielt Mitte 2009 den  internationale Umweltpreis „ÖkoGlobe“ für den ersten Hybridbus die Auszeichnung für ihre herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes – in der Kategorie „Ökologischer Fuhrpark“.

Natürlich lässt sich eine neue Technik nicht ohne entsprechende Schulungen und einer geeigneten Infrastruktur aufbauen, und so werden bis heute alle Fahrerinnen und Fahrer des Unternehmens auf den Hybridbussen geschult, um einen optimalen Verbrauch zu erreichen. Aber auch die Werkstattmitarbeiten wurden gezielt mit der neuen Technik und dem Thema „Strom auf dem Dach“ vertraut gemacht, in der Schwerpunktwerkstatt in Gelsenkirchen entstand zusätzlich ein Dacharbeitsstand.

Das Vorserienfahrzeug sowie weitere Hybridbusse der BOGESTRA AG Busse wurde im Rahmen der Modellregion Elektromobilität Rhein-Ruhr gefördert und erprobt. Insgesamt nahmen 50 Projektpartner an der Modellregion teil und setzten rund 300 Elektrofahrzeuge sowie rund 400 Ladepunkte im Praxistest ein. Eine intensive Begleitforschung hat Messdaten und Know-how für die Fortentwicklung von Fahrzeugen und Infrastruktur geliefert. Dabei wurden nicht nur Emissionswerte erfasst, sondern etwa auch das Nutzerverhalten und Akzeptanzwerte.

Als eines von bundesweit acht Projekten wurde die Modellregion Elektromobilität Rhein-Ruhr über das Bundesverkehrsministerium gefördert, die Nationale Organisation für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) koordinierte das Programm. Die Projektphase endete im Juni 2011. Weitere Fördermittel erhielt die BOGESTRA aus einem Förderprogramm des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr.

Alle Hybridbusse sind durchschnittlich fünf Tage die Woche im Einsatz und im gesamten Betriebsgebiet der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG unterwegs. Das Verkehrsunternehmen im mittleren Ruhrgebiet nahm zum 8. August 2011 die erste reine Hybridbuslinie des Landes in Betrieb. Für vier Wochen wurden alle acht Kurse der Linie 390 zwischen Bochum Dahlhausen über Wattenscheid an Gelsenkirchen vorbei nach Herne Bf. komplett mit Hybridbussen besetzt.

Die Wahl fiel auf die Buslinie 390, da der Fahrweg unterschiedliche Topografien bot und mit mehr als 50 Haltestellen zahlreiche Brems- und Startvorgänge ermöglichte. Genau die Bedingungen, unter denen die BOGESTRA die Hybridbusflotte genausten begutachten konnte. Das Ergebnis nach vier Wochen war eindeutig: die Fahrzeuge mussten aufgerüstet werden. Und so begann bereits im Oktober 2011 eine Optimierungsphase für alle Fahrzeuge ab Nummer 1064. Mit Hilfe einer neuen Software konnte eine Leistungserhöhung um 50 PS von 250PS auf 300PS erreicht werden.

Bei allen eingesetzten Bussen werden also die Vorteile des Dieselaggregats mit denen des Elektromotors kombiniert und optimal genutzt, gleichzeitig reduziert sich der Verschleiß. Während der moderne Dieselmotor zum Einsatz kommt, wenn sein optimaler Drehzahlbereich bzw. eine gewisse Geschwindigkeit erreicht wird, sorgen die Elektromotoren hauptsächlich beim Anfahren für umweltfreundliche Energie – also dann, wenn die meiste Kraft benötigt wird. Durch den besonderen Antrieb wird die Umwelt bei der Feinstaubbelastung um bis zu 90 Prozent, bei der CO2-Belastung um bis zu 30 Prozent und bei den Stickoxiden um bis zu 39 Prozent entlastet.

2 Responses

  1. Aber Kundenunfreundlich sind sie. Plastiksitze. Steinhart. Da ist die Vestische viel besser!

  2. Ja, diese Plastiksitze sind ein Unding. Muss ich leider bei der KVB in Köln erleben… Sollten mindestens das Niveau von der S-Bahn haben. Vor allem weil Komfort beim zahlenden Fahrgast nicht unterschätzt werden darf.

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