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München: Ude bleibt hart

02.01.12 (München) Autor:Jürgen Eikelberg

S-Bahn tief unter MünchenUrsprüngliche Pläne für ein Stadtschnellbahnnetz in München gehen auf das Jahr 1900 zurück. In den 1930er Jahren gab es auch schon Bauvorleistungen, die allerdings kriegsbedingt eingestellt wurden. Doch 1965 schlossen die Bundesrepublik Deutschland, die Stadt München und der Freistaat Bayern einen Vertrag zum Bau der Münchner S-Bahn. Durch die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees ein Jahr später, die Olympischen Sommerspiele 1972 in München austragen zu lassen, wurden die Planungen beschleunigt und die S-Bahn konnte pünktlich zum Beginn der Spiele eröffnet werden.

Heute verkehren auf der zweigleisigen Stammstrecke sieben Linien im teilweise Zwei-Minuten-Takt und somit an der Kapazitätsgrenze. Somit kamen Bestrebungen auf, in München eine zweite S-Bahn Stammstrecke zu bauen. Beflügelt wurde sie durch Münchens Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018. Sie hätte eine großzügige Unterstützung durch den Bund in Aussicht gestellt. Doch der Olympiatraum ist geplatzt und Beteiligung des Bundes wurde auf ein Normalmaß herunter gefahren. Die zweite Stammstrecke hat nun nicht mehr die hohe Priorität, wie bei einer erfolgreichen Olympiabewerbung.

Bund und Freistaat haben nicht mehr die Spenderhosen an und es gibt sicherlich noch andere wichtige Verkehrsprojekte.

Der Forderung, die Stadt München könne ja eine Beteiligung an der Vorfinanzierung an dem milliardenschweren Projekt übernehmen, lehnt der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa kategorisch ab, so berichtet die Augsburger Allgemeine.

„Jahrzehntelang waren der Freistaat und der Bund in der Lage, nach der gesetzlichen Aufgabenverteilung die Finanzierung sicherzustellen“, sagte Ude. „Es ist eine unglaubliche Sensation, dass zwei schwarz-gelbe Regierungen heute sagen: Wir sind finanziell so ruiniert, dass wir ohne einen kommunalen Schutzschirm die notwendigste Infrastruktur nicht mehr sicherstellen können und Staatsaufgaben nicht mehr erfüllen können.“ Wenn die Staatsregierung nun einen finanziellen Beitrag der Stadt einfordere, dann sei dies „wirklich der lächerlichste Versuch, von einem eigenen totalen Scheitern abzulenken“. „Die S-Bahn wird 2012 40 Jahre alt – und noch nie hat sie einen Finanzbeitrag von kommunaler Seite erhalten.“

Dies sei nicht nur seine Meinung, sondern auch die der anderen beteiligten Kommunen im Münchner S-Bahn Bereich.

Wenn dies für die Münchner S-Bahn zutrifft, hat die reiche bairische Landeshauptstadt besonderes Glück gehabt. In anderen Regionen Deutschlands müssen die Kommunen jedenfalls Geld in die Hand nehmen, wenn sie die Verkehrssituation bei ihren S-Bahnen verbessern wollen.

Bild: DB AG

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