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GDL: Mehr Zugbegleiter notwendig

04.01.12 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Auf Grund der zunehmenden Übergriffe auf Zugbegleiter fordert die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) die Einstellung weiterer Zugbegleiter in den Regionalzügen. Allein die Deutsche Bahn hat 2010 457 Zwischenfälle registriert. 2011 rechnet sie mit zwei bis drei Prozent mehr. Rund 80 Prozent der Übergriffe geschehen bei Fahrkartenkontrollen. Gleichzeitig entgehen den Deutschen Verkehrsunternehmen bis zu 250 Millionen Euro pro Jahr durch Schwarzfahrer, sie geben aber nur 100 Millionen für Kontrollen und Zugbegleiter aus.

Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky: „Die Antwort darauf kann nur heißen, alle Züge mit ausreichend Zugbegleitern besetzen. Derzeitige Quoten mit einer Besetzung von teilweise nur 20 Prozent, die die Verkehrsverbünde/Länder bestellen, reichen in keinem Fall aus. Wenn potenzielle Schwarzfahrer merken, dass selten kontrolliert wird, gehen sie auf Risiko und sparen sich die Fahrkarte. Verlangt dann ein Zugbegleiter das Ticket, ist ein Konflikt fast vorprogrammiert. Leider läuft Schwarzfahren bei vielen unter Kavaliersdelikt. Es ist aber de facto eine Straftat.“ Die GDL hat den Dachverband der Bestellerorganisationen des Schienenpersonennahverkehrs in Deutschland, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs, aufgefordert, mehr Zugbegleit- und Sicherheitspersonal einzustellen. Zwar sind mittlerweile die Nahverkehrszüge in den zeitlichen Randlagen und andere gefährdete Züge verstärkt mit Sicherheitspersonal besetzt worden. „Das reicht aber bei Weitem noch nicht aus“, so der GDL-Bundesvorsitzende.

„Die Konsequenz kann auch nicht heißen, dass nur noch Zugbegleiter mit riesigen Muskelpaketen arbeiten dürfen. Auch Selbstverteidigungskurse sind da keine Lösung. Denn: Gewalt produziert Gewalt“, so Weselsky und weiter: „Vielmehr muss Wert auf ständige Präsenz im Zug, überlegtes Handeln und auf die Fähigkeit, Aggressionen bei den Gewalttätigen zu reduzieren, gelegt werden.“ Dazu müssen die Zugbegleiter eine vernünftige Ausbildung in Deeskalation gemäß ihrer tariflichen Ansprüche bekommen. „Gelingt es nicht, die Gewaltspirale herunterzudrehen, werden Busse und Bahnen Kunden verlieren und der Individualverkehr nimmt zu. Das kann keiner wollen“, so Weselsky.

Ein Kommentar

  1. Herr Mackingert von der Salzburger Lokalbahn 1988 auf dem Nahverkehrstag in Bielefeld:
    „Schaffnerlosen Betrieb können wir uns nicht leisten!“
    Er setzte statt auf Automaten auf den Bahnsteigen lieber auf Menschen in den Zügen, weil die mehr können, als jeder Automat. Ursprünglich war der schaffnerlose Betrieb für ländliche Strecken mit geringen Fahrgastaufkommen gedacht, wo der Lokführer den Service mit übernehmen kann.

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