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BEG schreibt Dieselnetz im Oberland aus

19.01.12 (Bayern) Autor:Sven Steinke

Wie die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) im europäischen Amtsblatt bekannt gegeben hat, wird das Dieselnetz im Bayerischen Oberland neu vergeben. Das Ausschreibungsverfahren umfasst die Linien von München über Holzkirchen nach Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee, die zurzeit von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) einem Tochterunternehmen der Veolia Transdev betrieben werden. Der Gewinner der Ausschreibung soll die 2,1 bis 2,3 Millionen Zugkilometer pro Jahr für elf Jahre betreiben.

Fritz Czeschka, Geschäftsführer der BEG, möchte mit der Ausschreibung nicht nur das jetzige Fahrplanangebot sichern, sondern noch weiter ausbauen. Dazu sind in der Ausschreibung drei verschiedene Betriebsstufen enthalten, die abhängig von der verfügbaren Fahrzeugzahl und einzelnen Infrastrukturmaßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt verwirklicht werden sollen. Die Reisenden sollen von mehr Sitzplatzkapazitäten und dichteren Takten in der Hauptverkehrszeit profitieren.

Auch das erfolgreiche Flügelzugkonzept soll weiter angeboten werden, denn es ermöglicht von allen drei Außenästen mindestens stündliche Direktverbindungen in die Landeshauptstadt München. Nach langwierigen Fahrzeugproblemen an den Triebzügen vom Typ Integral in den ersten Jahren, haben sich bis heute die Fahrgastzahlen mehr als verdreifacht. Die Bayerische Oberlandbahn die im Jahr 1998 ihren Betrieb aufnahm war für die damals noch recht junge BEG eines der ersten Wettbewerbsprojekte.

Die Bayerische Oberlandbahn hatte in der Vergangenheit mehrfach versucht, ein Ausschreibungsverfahren zu verhindern. Mit Unterschriftenlisten, Flugblattaktionen und Hochglanzbroschüren wurde bei Verantwortlichen und Politikern für eine Direktvergabe geworben. Auch nach dem Abellio-Urteil vor dem BGH hielt das Unternehmen weiter an seiner Forderung fest. Selbst der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) unterstüzte diese Forderung und sagte mehrfach, dass er eine Direktvergabe rechtlich prüfen und klären lasse.

Letztendlich kommt die Ausschreibung nun aber doch, allerdings mit der Vorgabe, dass der neue Betreiber 17 Fahrzeuge vom Typ Integral und die Werkstatt in Lenggries übernehmen muss. Werkstatt und Fahrzeuge wurden teilweise vom Freistaat Bayern gefördert. Außerdem wolle man laut Czeschka, das nötige Fachwissen der Arbeitnehmer für den Betrieb des Integrals vor Ort sichern. Trotzdem wird es durch die Vorgaben für andere Bewerber schwerer im Netz Oberland Fuß zu fassen.

Die Deutsche Bahn kündigte bereits an, dass sie sich trotzdem an dem Wettbewerbsverfahren beteilige. So sagte Norbert Klimt, Vorsitzender der Regionalleitung von DB Regio Bayern: „Die Strecke ins Bayerische Oberland war die erste in Bayern, die in einer Ausschreibung an einen Wettbewerber vergeben wurde. Wir haben daher den Ansporn genau wie bei der kommenden Ausschreibung Kissinger Stern, Verkehre für unser Unternehmen zurück zu gewinnen. Wir gehen davon aus, dass wir eine faire Chance im Wettbewerb mit dem staatsnahen französischen Großkonzern Veolia Transdev erhalten, zu dem die Bayerische Oberlandbahn GmbH gehört.“

Bayerisches Oberland, Dez. 13 – Dez. 24, 2,1 – 2,3 Mio. Zkm. pro Jahr

  • München – Holzkirchen – Schliersee – Bayrischzell
  • München – Holzkirchen – Schaftlach – Tegernsee
  • München – Holzkirchen – Bad Tölz – Lenggries

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