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Prignitzer Eisenbahn übergibt den Staffelstab an DB Regio NRW

10.12.11 (NWL, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die letzte Klappe fällt heute Abend: Nach neun Jahren in Nordrhein-Westfalen beendet die Prignitzer Eisenbahn ihr Engagement an Rhein und Ruhr, mit der Linie RB 51 (Westmünsterlandbahn) gibt sie auch ihre letzten Leistungen an DB Regio NRW ab. Zwischen Dortmund, Lünen, Coesfeld und Enschede wird ab morgen wieder die Deutsche Bahn fahren – mit teilweise alt bekanntem Personal.

Joachim Künzel, Leiter der Verkehrsbetriebe Westfälische Regionalbahnen bei DB Regio NRW: „Die Prignitzer Eisenbahn hat auf der RB 51 ein hochwertiges und zuverlässiges Angebot erbracht. Dazu haben die qualifizierten Bordpersonale erheblich beigetragen. Deshalb freue ich mich, insgesamt zwölf Triebfahrzeugführer und Kundenbetreuer der PEG nun im Team von DB Regio NRW begrüßen zu dürfen.“

Doch ganz so einfach ist es nicht: Etwa die Hälfte der rund 25 Mitarbeiter sind vorerst arbeitslos. Bei einigen von ihnen, so die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), war die Übernahme durch die Deutsche Bahn nicht möglich, weil die Ausbildungs- und Qualifikationsstandards bei der Prignitzer Eisenbahn zum Teil nicht den Anforderungen der DB entsprechen. Derzeit sucht man hinter den Kulissen nach Lösungen, um auch hier möglichst nahtlose Weiterbeschäftigungen zu ermöglichen.

Frank Schmidt, Bezirksvorsitzender der nordrhein-westfälischen GDL: „Offensichtlich ist hier über viele Jahre hinweg am falschen Ende gespart worden – so geht es nicht. Dabei wird es in einem eingeschwungenen Markt gang und gäbe sein, dass immer wieder Anbieter verschwinden. Darauf muss man sich unternehmensübergreifend vorbereiten. Wer auch in Zukunft in Deutschland sicheren Eisenbahnverkehr haben will, darf nicht an der Ausbildung sparen.“

Derzeit gibt es in Nordrhein-Westfalen einen massiven Lokführermangel, viele Eisenbahnverkehrsunternehmen haben deshalb sogar mit Zugausfällen zu kämpfen. Allein bei DB Regio NRW braucht man in den kommenden Jahren mehrere hundert neue Mitarbeiter. Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht, der Run auf die Arbeitskräfte hat gerade erst begonnen.

Dabei wird DB Regio im Dieselnetz Westmünsterland für 15 Jahre sicher Arbeitsplätze zwischen Münster, Enschede, Dortmund und Coesfeld bieten. Nachdem eine EU-weite Ausschreibung zunächst an der Kreditklemme des Jahres 2009 gescheitert ist, erfolgte im Frühjahr 2010 nach einem Verhandlungsverfahren der Zuschlag an die Deutsche Bahn. Gefahren wird mit vorhandenen Fahrzeugen, die einer umfassenden Modernisierung unterzogen worden sind.

Infolge dessen haben NWL und VRR ein neues Fahrzeugfinanzierungskonzept erarbeitet, erstmals angewandt im VRR bei der Vergabe der Linie RB 47 an Abellio Rail NRW: Der Betreiber schafft die Züge zunächst auf eigene Rechnung an und tritt der Fahrzeugindustrie gegenüber als Auftraggeber auf. Er verkauft es dann allerdings an den Aufgabenträger und mietet es von diesem zurück. Dadurch soll die hohe Kreditwürdigkeit der öffentlichen Hand allen Marktspielern zugute kommen und Ausschreibungen nicht von den Launen der Finanzmärkte abhängen.

Bild: Stefan Hennigfeld

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