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Mit Zivilcourage gegen Gewalt in Bus und Bahn

08.12.11 (Nordrhein-Westfalen) Autor:Stefan Hennigfeld

Hinschauen, Handeln und 110 wählen! Damit kann jedermann den Opfern von Gewaltübergriffen in öffentlichen Verkehrsmittel helfen. Zivilcourage ist schon seit langer Zeit ein zentrales Anliegen der Gemeinschaftskampagne Busse und Bahnen NRW. Zu diesem Zweck hat man sich mit dem Musikwettbewerb Rap´n´Rec explizit an Jugendliche und junge Erwachsene gewandt. Gewonnen hat Kevin Meyer alias MÄCK aus Düsseldorf.

Fünf Tage bevor der zwanzigjährige Bundeswehrsoldat zu einem mehrmonatigen Einsatz in den Kosovo aufbricht, wird er am kommenden Samstag vor dem Heimspiel des 1. FC Köln gegen den SC Freiburg seinen Titel Zivilcourage präsentieren. Sein Titel wurde professionell in einem Berliner Musikstudion aufgenommen – und der Produzent bot ihm prompt einen Plattenvertrag an. Der dazugehörige Kinospot ist ab Mitte Dezember in allen großen nordrhein-westfälischen Kinos sowie bei Heimspielen des 1. FC Köln im Rheinenergiestadion zu sehen.

Wilhelm Schmidt-Freitag, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg: „Der ÖPNV ist für die Fahrgäste nur dann attraktiv, wenn sie sich in Bussen und Bahnen auch sicher fühlen. Daher sind Sicherheit und Zivilcourage zentrale Themen für die Verkehrsverbünde und -unternehmen in NRW, die wir mit allen Beteiligten engagiert vorantreiben. Es hat sich wahrscheinlich jeder schon mal Gedanken darüber gemacht, wie er anderen bei einem Zwischenfall helfen kann oder wie es um die eigene Sicherheit bestellt ist. Genau diese Überlegungen sollen bei unseren gemeinsamen Aktionen zum Ausdruck kommen.“

Darüber hinaus fährt ab sofort auch eine besondere Straßenbahn im normalen Kölner Trambetrieb: Eine mit MÄCKS Konterfei versehene Bahn ist im Linienbetrieb unterwegs und wirbt für mehr Zivilcourage. „Die Sicherheit der Kunden steht für die öffentlichen Verkehrsunternehmen ganz oben auf der Prioritätenliste“ sagt Jürgen Fenske, Geschäftsführer der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) und Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Als Verbandspräsident kennt er zudem die finanziellen Probleme, denn Sicherheit kostet Geld. Fenske: „Hier machen uns die Kürzungspläne des Bundes Sorgen. Wenn nämlich die Mittel für die Infrastruktur nicht reichen, können wir auch sicherheitsrelevante Projekte nicht umsetzen. Dabei sind wir in Köln in Sachen Sicherheit auf einem vergleichsweise mehr als hohen Niveau. Eine flächendeckende Videoüberwachung auf Bahnhöfen und in den Fahrzeugen und über 100 Sicherheits- und Servicekräfte im KVB-Netz sorgen für ein positives Sicherheitsgeführ bei den Kunden und schnelle Hilfe im Bedarfsfall.“

Dabei hat sich die Sicherheit objektiv erhöht, seit Jahren ist die Anzahl der Straftaten in öffentlichen Verkehrsmitteln rückläufig – und das trotz steigender Kundenzahlen. Doch viel wichtiger ist die subjektive Sicherheit. Zudem gibt es nicht nur Gewalt gegen Personen, sondern auch Gewalt gegen Sachwerte. Im letzten Jahr hatten die KVB Vandalismusschäden in Höhe von etwa einer Million Euro. Geld, das dann woanders fehlt.

Etwa drei von zehn Straftaten in Deutschland geschehen unter Alkoholeinfluss. Die Debatte um ein generelles Alkoholverbot im ÖPNV ist daher schon lange im Gange. In den KVB-Verkehrsmittel ist der Verkehr von Speisen und Getränken schon seit längerem verboten, ob mit oder ohne Alkohol. Jürgen Fenske war bis vor drei Jahren Chef der Hamburger S-Bahn und hat dort Vorarbeit für das Alkoholverbot geleistet, das seit diesem Jahr im gesamten Hamburger Verkehrsverbund (HVV) gilt. Verbundweite Lösungen sind in Nordrhein-Westfalen wegen der vielen mächtigen Verkehrsunternehmen jedoch nicht in Sicht, sondern es kommt auf Einzellösungen an. Hier wird noch viel Bewegung zu erwarten sein.

Bild: Stefan Hennigfeld

3 Responses

  1. Ich finde es nicht in Ordnung was alles in der Öffentlichkeit passiert das ist arm von den Leuten die jeden tag mit Gewalt auf die Straße gehen wer sich einmischt den anderen hilft ist ein zivil!!

  2. Naja, geht mal wieder ums „Sicherheitsgefühl“, wo kämen wir hin, wenn man die Leute mal ordentlich aufklären würde und ihnen Mathe beibringen würde, damit diese die Wahrscheinlichkeiten für solche Ereignisse berechnen und vergleichen würden… und die Sicherheitskameras bzw. deren Bilder erzeugen beim Boulevardblattleser sowieso kein gutes „Sicherheitsgefühl“… von daher kann man darauf getrost verzichten, kostet nämlich auch nur unnötig Geld.

  3. Naja, geht mal wieder ums “Sicherheitsgefühl”, wo kämen wir hin, wenn man die Leute mal ordentlich aufklären würde und ihnen Mathe beibringen würde, damit diese die Wahrscheinlichkeiten für solche Ereignisse berechnen und vergleichen würden…

    Zehn Prozent der Unfälle im Straßenverkehr werden durch betrunkene Verkehrsteilnehmer verursacht. Daraus folgt, das neunzig Prozent der Verkehrsunfälle von nüchternen Verkehrsteilnehmern verursacht werden. Warum holt man nicht die neunzig Prozent nüchternen Idioten von der Straße, um die Verkehrssicherheit um Einhundert Prozent zu erhöhen? :)

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