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Franken-Sachsen-Express steht auf der Kippe

02.12.11 (Bayern, Fernverkehr, Sachsen) Autor:Stefan Hennigfeld

Noch bis Dezember 2013 wird die Deutsche Bahn den Franken-Sachsen-Express zwischen Nürnberg und Dresden im Zweistundentakt eigenwirtschaftlich fahren – parallel dazu verkehrt ein bestellter Regionalexpress ebenfalls alle zwei Stunden, so dass sich insgesamt ein Stundentakt ergibt. Doch bald schon könnte damit Schluss sein: Das Angebot soll „neu verhandelt“ werden, wie es heißt. Die Bahn will Geld sehen.

Politiker aller Parteien – ganz gleich, wie sonst ihre Ansicht zur Eisenbahnpolitik ist – treten nun vor die Presse und fordern den Erhalt der Verbindung. „Wenn die DB alle Kosten für die Fernverbindung Nürnberg – Dresden den Ländern aufbürden will, werden wir das nicht akzeptieren“ kündigte die bayerische Verkehrsstaatssekretärin Katja Hessel (FDP) an und auch für Eva Jähnigen, Verkehrsexpertin der Grünen im sächsischen Landtag ist eine Halbierung des Zugangebotes „inakzeptabel.“

Das weiß auch die Deutsche Bahn und sie wird künftig Geld verlangen. Das Konzept, das bereits ab Dezember 2013 von Bremen an die Nordsee zum Einsatz kommt, strebt die Bahn auch hier an: Dabei finanzieren die Aufgabenträger Fernverkehrszüge, welche im Gegensatz zum Nahverkehrstarif genutzt werden können. Oft sind es nur Teile der Zugläufe, Außenäste tragender Linien, auf denen ansonsten Regionalverkehr hätte bestellt werden müssen.

Es gibt zwei zentrale Kritikpunkte: Einerseits ist der Fernverkehr Bundessache. Die Bundesregierungen unter Schröder und Merkel stellen sich jedoch auf den Standpunkt, dass per definitionem überall da kein Verkehrsbedürfnis vorhanden sei, wo die Deutsche Bahn (oder ein anderer) nicht auf eigene Rechnung fahren will. Eine Auffassung, die spätestens mit dem InterCity-Konzept von Bremen an die Nordsee widerlegt ist.

Zweiter Kritikpunkt ist die ordnungs- und wettbewerbspolitische Fragwürdigkeit des ganzen: Es handelt sich de facto um eine Direktvergabe, um bestellten Regionalverkehr, der umlauftechnisch mit dem eigenwirtschaftlichen Fernverkehr durchgebunden ist. Direktvergaben sind jedoch nach dem Abellio-Urteil in Deutschland nicht mehr möglich.

Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die zuständigen Politiker auch diesmal dazu hinreißen lassen, eine Vereinbarung mit der Deutschen Bahn zu treffen. Als der InterCity im Dezember 2006 von der Franken-Sachsen-Magistrale verschwand, wurde er durch den heute noch fahrenden InterRegioExpress ersetzt. Wenn die DB AG hier nicht mehr eigenwirtschaftlich fahren wird, bleibt es spannend, wie die Ersatzkonzepte aussehen.

2 Responses

  1. Wenn man mal vom absolutesten Worst-Case-Szenario ausgeht, daß also DB Fernverkehr wie beabsichtigt ab Ende 2013 den eigenwirtschaftlichen IRE 1 abzieht und außerdem die Ausschreibung der sächsischen Aufgabenträger für den RE 3 im Abschnitt Dresden – Hof (bis dahin Reichenbach – Hof elektrifiziert) so läuft, daß hier elektrische Züge eingesetzt werden und diese Linie damit zwangsweise in Hof gebrochen wird, bedeutet das, daß man auf einen Schlag de facto 0 Direktverbindungen zwischen Dresden und Nürnberg haben würde.

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