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Provinzposse mit der Variobahn

10.12.11 (München) Autor:Jürgen Eikelberg

Seit zwei Jahren wartet die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) auf die Zulassung ihrer Variobahn durch die Bezirksregierung Oberbayern. Eigentlich sollte sie schon längst im Einsatz sein und eine Weltrekordfahrt hat sie auch schon absolviert. Mit einer neu entwickelten Lithium-Ionen-Battarie schaffte sie ohne Aufzuladen 16 Kilometer. Doch die technische Aufsichtsbehörde stellte sich quer. Diese Nachweise noch, dann jene. Zum Schluss ging es auch noch um die Brücken, welche die Variobahn überfahren überfahren müsste.

Für den Fahrplanwechsel am morgigen Sonntag (11. Dezember 2011) hatte die MVG die Variobahn fest eingeplant, den da soll die neue Trasse nach St. Emeream in Betrieb gehen und es wurden die Trambahnen gebraucht. Man hatte aber vorgesorgt und ein Bus-Ersatzkonzept erarbeitet.

Nun überraschte die Bezirksregierung Oberbayern am Freitagmittag (09. Dezember 2011) die MVG mit der Mitteilung, man habe die vorläufige Zulassung erteilt. Diese Mitteilung habe die MVG aber mehr oder weniger aus der Presse erfahren. Der Münchner Verkehrsgesellschaft lagen aber bis zum Mittag die Betriebsgenehmiungen noch gar nicht vor.

„Aus einer mündlichen Information auf Sachbearbeiterebene wissen wir außerdem, dass eine vorläufige Genehmigung für 7 Züge und für die Linien 19, 20 und 21 erteilt werden soll.“, so MVG-Sprecherin Bettina Hess. MVG-Chef Herbert König reagiert säuerlich: „Wir freuen uns natürlich über die frohe Botschaft, wenn sie sich denn bestätigt. Es ist allerdings – wie so vieles in diesem Zulassungsverfahren – mehr als ungewöhnlich, dass wir über die Medien davon erfahren.“

Sollte der Bescheid noch am Freitag bei der MVG eintreffen, werde sie versuchen, kurzfristig die Dienstpläne noch umzustellen, damit die Variobahnen ab Montag dann im Münchner Stadtbild zu sehen sein wird, berichtet der Online-Dienst München 24.

Dennoch werden nicht alle sieben Züge auf den Gleisen zu sehen sein. Es sind nicht alle Fahrer auf den Variobahnen geschult und die Dienste dieser Fahrer sind schon eingeteilt. Deshalb wäre ein kurzfristiger Einsatz von Variobahnen ab Montag nur auf solchen Kursen der Linien 19, 20 und 21 möglich, auf denen Fahrer mit Fahrtberechtigung für die Variobahn eingeteilt sind.

Von der Regierung Oberbayern versucht man die Verantwortung auf die MVG abzuwälzen. Dazu MVG-Chef König: „Der angesprochene übermäßig intensive Bedarf an Beratung und Begleitung sowie die – so bisher noch nie erforderliche enge Abstimmung – war jedoch nicht, wie die Mitteilung der Regierung unterstellt, von der MVG verschuldet, sondern wurde seitens der Zulassungsbehörde verursacht. Die zitierten Rechtsgrundlagen einer Zulassung haben sich in den letzten Jahren nicht geändert. Frühere Zulassungsverfahren – seit 1992 allein 6 Fahrzeugserien! – konnten zwischen der für uns zuständigen Regierung von Oberbayern und der MVG so abgewickelt werden wie auch nach wie vor in der übrigen Bundesrepublik üblich, nämlich mit einem Zeitbedarf von wenigen Wochen nach Auslieferung.“

Rund eine Million Euro hat die MVG in da Zulassungsverfahren gesteckt. Die Variobahn sei in München auch schon einige Monate gefahren und läuft in anderen Städten (u.a. Postdam, Mainz, Bochum), wo die Zulassung problemlos erfolgt sei. Dabei seien die Bahnen seit fünf Jahren, davon zweieinhalb nach Auslieferung dauernden Prüfungen durch die Zulassungsbehörde unterzogen worden und mussten in keinem Punkt verändert werden.

Bild: Daniel Schumann. Lizenz: CC-by-SA 3.0

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