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Und wieder steht der Müngstener

03.11.11 (VRR) Autor:Jürgen Eikelberg

Die Tage werden kürzer, die Luft wird kühler, es regnet. Die Blätter verfärben sich und fallen herab. Hausbesitzer klagen, weil sie das Laub von den Fußwegen entfernen müssen, damit kein Passant auf den nassen Blättern zu Fall kommt. Vor einigen Tagen hatten wir berichtet, dass sich auch die DB gut für Herbst und Winter gerüstet fühle.

Außerdem habe die DB ein neues Verfahren zur Schienenreinigung entwickelt, um besonders rutschige Streckenabschnitte schneller wieder passierbar zu machen. Dazu sollen in den Nachtstunden Spezialfahrzeuge im Einsatz sein, die mit Hochdruckreinigern die Schienenköpfe von Laub und Schmierfilm befreien. Auch auf diese Weise soll der Fahrplan stabiler werden. So schrieben wir.

Doch kaum nach dem ersten größeren Regen nach dem – noch immer nicht vollständigen – Laubfall ist die Bahnstrecke zwischen Solingen, Remscheid und Wuppertal wegen eines Schmierfilms gesperrt worden. Betroffen ist ausgerechnet der „Müngstener“, die RB 47. Eine Linie, die im vergangenen Jahr durch die Sperrung der Müngstener Brücke ohnehin stark betroffen war.

Einstellung Verkehr RB 47, Busnotverkehr zwischen Solingen und Wuppertal

Aufgrund extremer Schmierfilmbildung ist der Verkehr auf der Strecke der RB 47: Der Müngstener (Solingen – Remscheid – Wuppertal) bis auf Weiteres eingestellt. Ein Busnotverkehr ist zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Solingen eingerichtet. 

Wir bitten Sie herzlich um Verständnis und um Entschuldigung.


So heißt es in der Meldung der Deutschen Bahn auf 
http://www.bahn.de/blitz/view/nrw/uebersicht.shtml

Ist der Marschbefehl für die Spezialfahrzeuge schon fertig? Wir sind gespannt.

8 Responses

  1. Meine Güte! Und das Schärfste sind ja die Durchsagen am Bahnsteig! „Meine Damen und herren…..Fällt bis auf Weiteres aus….wir haben einen SEV eingerichtet es fahren Busse! “ Da fragte ich mich was für ein SEV??? Und von wo sollte der fahren? Keine Durchsage, dazu keine DB Deppen am BHF… Mannoman freu ich mich auf den Winter!


  2. Beobachter
    03.11.11 um 20:39

    @ a.j.

    Die üblichen „Verdächtigen“ sind da sicher die Haltestellen des SEV aus den vorangegangenen Sperren der Müngstener Brücke :)

    Aber Die Bahn kann ja nicht wissen, dass die Fahrgäste ein Kurzzeitgedächtnis haben.

  3. Dass Zugausfälle und Zugverspätungen wegen Herbst-Schmierfilm auf den Gleisen seit einigen Jahren viel gehäufter auftreten als früher, ist das erste Problem. (Leichtere Züge? Veränderte Witterungsverhältnisse? Technische und personelle Einsparungen?)

    Das zweite Problem ist, dass die Bahn auf Unregelmäßigkeiten in mancher Hinsicht generell schlechter reagieren kann als früher. Denn aufgrund des Kostendrucks („Geiz ist geil!“) sind für Betriebsstörungen erstmal nicht genügend Fahrzeuge und Personal vorhanden. Diesen Eindruck habe ich zumindest als Fahrgast. Mal gespannt, wie sich die Lage in den nächsten Tagen entwickelt! Vielleicht wird die Strecke des Müngsteners ja tatsächlich diese Nacht wieder befahrbar gemacht!

  4. Die Fahrzeuge des Müngsteners sind keine Leichtbauweise, sondern „grundsolide“ Dieseltriebwagen der Baureihe 628, die bereits in den 1970er Jahren entwickelt und bis in die 1980er Jahre gebaut wurden. Also ein Erbstück aus „goldenen“ Bundesbahnzeiten.

    Ironie: So durchgesessen, wie die Sitze eines 628er oft sind, können die Sitze moderner Triebwagen gar nicht sein ;)

  5. Kurz vorher hat die Bahn noch berichtet, dass diese mit viel Sand auf den Ernstfall des Laubfalls vorbereitet sei. Anscheinend ist der Sand zu früh aufgebraucht und an der ganzen Strecke keine Nachfüllstation. Das BW Remscheid Lennep gibt es ja nicht mehr.

    Heute, am Donnerstag den 3.11.11 standen die 3 Dieseltriebwagen der Reihe 628 um 22.46 Uhr auf einem Gütergleis an der Haltestelle Remscheid Hauptbahnhof. Man fragt sich sich schon. ob das sein muss oder ob die Züge nicht wenigstens einen Schleichfahrplan fahren können. Mir wäre schon geholfen, wenn wenigstens zwischen Lennep und Remscheid ein Triebwagen pendeln würde, um den Bus nach Radevormwald noch zu erwischen. Andere wollten zum Bus nach Gummersbach. Aber der Fahrer sagte, er dürfe nicht vom Weg abweichen.
    Die Leuchtanzeigen am Hauptbahnhof, die es an allen Bahnsteigen gibt, um die Fahrgäste zu informieren, zeigten nur die Uhrzeit an. Zur Zeit, als der Zug hätte abfahren müssen, gab es keine Durchsage. Einzig die roten Signale und dort abgestellten Triebwagen zeigten, dass hier wohl nichts mehr fährt. Irgendwann kam ein Großraumtaxi in den Fußgängerbereich gefahren, dass aber nur bis Lennep fuhr. Der Fahrer stieg aus und rief zum Bahnsteig runter, dass er Plätze nach Lennep frei habe. Wer nach Wuppertal wollte, musste dort wieder aussteigen. Nach längerer Zeit kam in Lennep ein Taxi Richtung Wuppertal, dass aber nur noch 2 der dort wartenden Leute aufnehmen konnte. Während der Fahrt nach Lennep sagte der Fahrer, er dürfe nicht über die Ringstraße zum Stadion fahren. Dort hätte ich den Nachtexpress nach Radevormwald noch bekommen. So musste ich eine knappe Stunde nach der Spätschicht am Bahnhof Lennep verbringen. zum Glück war es noch sehr mild. Die Flüche der Fahrgäste kann ich hier nicht wiedergeben. Harmlos war noch: „Vorsicht beim Aussteigen – die Bürgersteige könnten hochgeklappt sein!“

    Auf dem Weg zur Arbeit für der Zug von Lennep um 13.20 Uhr bis Remscheid Hauptbahnhof. Dort kam er leicht verspätet an. Die Durchsage dort war: Bitte alle Aussteigen, aus technischen Gründen endet der Zug heute hier. Der Gegenzug war schon ganz ausgefallen. Gestern am Mittwoch den 2.11.11 war der Zug um 13.20 Uhr von Lennep nach Remscheid ausgefallen! Wenigstens gab es eine Durchsage, so dass ich noch schnell auf den zeitgleich abfahrenden Linienbus wechseln konnte und nur 10 Minuten zur spät zur Arbeit kam.

    Vielleicht sollte die Bahn statt Streusand einen Flammenwerfer einsetzen um die Schmiere von den Schienen zu beseitigen. Das gäbe bestimmt tolle Nachtaufnahmen, wenn unter den Triebwagen zwei Bunsenbrenner die Schienenköpfe trocknen.

    Anbei etwas zur Bergischen Eisenbahngeschichte:
    Gedanken zur Zukunft des Schienenpersonennahverkehrs in der oberbergischen Fläche Anno 1968!
    http://viertuerme.blogspot.com/2011/10/eisenbahn-wuppertaler-einsichten-von.html

  6. Das eigentliche Problem der VT 628 ist die mangelhafte Gleitschutzelektronik. Sobald die Sensorik meint das Durchdrehen eines Rades festzustellen, wird sofort für alle angetriebenen Räder die Kraftübertragung ausgekuppelt und die Antriebsanlage auf Leerlauf herrunter gefahren. Nach Wiedereinkopplung der hydraulischen Kraftübertragung müssen die Motoren wieder auf Lastmoment hochfahren werden, was beim VT 628 etwas länger dauert. Bei Steigungen kommt man während der ganzen Prozedur sehr schnell zum stehen. Wenn man erstmal steht und die anfällige Sensorik nur noch ein Gleiten erfasst, bleibt meist nur die Option zurückrollen lassen. Die starke Steigung bei Wuppertal-Ronsdorf macht hier jedes Jahr aufs neue Probleme, das eigesetzte Fahrzeugmaterial ist für diese Strecke einfach ungeeignet. Zu Bundesbahnzeiten wurde auch viel Mist entwickelt und gebaut. Perfekt waren die Fahrzeuge damals auch nicht.

  7. Und heute Abend und 22.45 Uhr wieder Unwetterswarnung: Wegen extrem milden Herbstes mit Laubfall und Taubildung fielen in Remscheid Hauptbahnhof die Züge in beide Richtungen aus. es standen allerdings keine 628 am Hauptbahnhof abgestellt, wie gestern.

    Fahrgäste berichten von Reisenzeiten von bis zu 2 Stunden zwischen Remscheid und Solingen. Kann man nicht den 628 eine Diesellok vorspannen?

    Die Probleme sind doch nicht neu! Da muss es doch Notfallpläne geben. Und wenn eine Strecke so anfällig ist, wie der Müngstener, muss die ihren eigenen Reinigungszug bekommen, so wie im Gebirge ein Schneeflug vorgehalten werden muss, auch wenn der nur 2 Wochen im Jahr wirklich im Einsatz ist.

    wenn es nur die Steigung bei Ronsdorf ist, könnte man doch den Betrieb teilen und von Solingen die 628 einsetzen, von Wuppertal aus eine Güterzuglok mit einigen Personenwagen oder einen Linienbus.

    Denkbar sollte auch ein Inselverkehr sein. Ein Triebwagen, der abends zwischen Remscheid Hauptbahnhof und Lüttringhausen pendelt könnte zumindest hier fast den Fahrplan einhalten.

    Gibt es denn die Möglichkeit, die Sensorik beim 628 nachzubessern?
    Und wo sind die Lokführer, wenn deren Züge nicht fahren? Könnten die nicht Service an den Haltestellen bieten, könnte nicht ein abgestellter Triebwagen als Warteraum am Bahnsteig stehen, von wo aus der Lokführer über Funk Kontakt zum Ersatzverkehr hat.

    Ob nun die Verkehrspolitiker der CDU – NRW zum Müngstener kommen, um Rot- Grün das Chaos in die Schuhe zu schieben? Kürzlich waren die ja schon mal vor Ort und forderten eine Umgehungsstraße für Bergisch Born:
    http://www.waterboelles.de/archives/10728-CDU-Plaedoyer-fuer-die-Ortsumgehung-von-Bergisch-Born.html
    Meine Reaktion:
    http://oedpbergischland.blogspot.com/2011/11/politikchaot-der-cdu-nrw-gibt-wieder.html


  8. 628-kundig
    05.11.11 um 17:29

    Kleine Info zum 628: die in NRW eingesetzte Serie des 628, namentlich der 628.4 ist von 1993 bis 1997 gebaut worden. Also keinesfalls ein altes Schätzchen. Warum die Fahrzeuge sich dort so schwer tun, kann wohl kaum einer nachvollziehen. Die gleichen Fahrzeuge fahren auch in anderen Regionen Deutschlands durch waldreiches Gebiet auf steigungsreichen Strecken. Von Betriebseinstellungen hört man dort nichts.

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