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Verkehrsministerium und Aktionsbündnis halten neuen Stresstest für ungenügend bzw. nicht bestanden

12.10.11 (Stuttgart) Autor:Niklas Luerßen

Das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur zeigt sich in Anbetracht aktueller Pressemeldungen zur erneuten Computersimulation beim geplanten Bahnprojekt Stuttgart 21 verwundert darüber, dass die Deutsche Bahn AG (DB) ihre Projektpartner vorab nicht über die Ergebnisse informiert hat. Auch das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 kritisierte die Ergebnisse des sogenannten finalen Stresstests, da mutmaßlich lediglich Marginalien an den Bedingungen geändert wurden, während die grundlegenden Prämissen nach wie vor falsch seien. 

Dem Verkehrsministerium lag eigenen Angaben zufolge bis zum Abend der Pressemeldung kein offizieller Bericht vor. Auch sei man trotz ausdrücklichem Wunsches nicht an den Vorbereitungen des neuen Simulationslaufes beteiligt gewesen; die Prämissen der Simulation wurden wie letztes Mal von der DB im Alleingang festgelegt. Wirkliche Stresssituationen seien bereits beim ersten Stresstest außer Acht gelassen worden, so etwa liegengebliebene Züge oder ausgefallene Weichen oder Signale. Daher geht das Ministerium zur Zeit davon aus, dass solcherlei Situationen auch beim neuen Simulationslauf nicht berücksichtigt wurden. Sollte dies der Fall sein, ist auch der neue Stresstest mindestens ungenügend.

Auch das Aktionsbündnis lässt keine guten Worte an dem neuen sogenannten Stresstest. „Das vom Gutachterbüro erneut vergebene Testat ‚Bestanden‘ ändert nichts an unserer bereits im Juli vorgenommenen Bewertung, dass Stuttgart 21 den Stresstest nicht bestanden hat“, erklärt Dr. Brigitte Dahlbender, Sprecherin des Aktionsbündnisses und Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Baden-Württemberg, „es ist noch immer ein Stresstest ohne Stress“.

Dahlbender kritisierte auch, dass wichtige Prämissen des Aktionsbündnisses im Stresstest nach wie vor nicht berücksichtigt seien. Stör- und Notfälle wie Signal- und Weichenstörungen oder liegengebliebene Fahrzeuge im Tiefbahnhof seien im Stresstest weiterhin nicht berücksichtigt worden. Auch die Betriebsqualität bei der S-Bahn wurde im mittlerweile dritten Simulationslauf nicht geprüft. Den Aussagen der DB zum Verzicht auf die Große Wendlinger Kurve bezeichnete sie als „Taschenspielertrick“. „Nur ein drittes Zugpaar in die Simulation aufzunehmen reicht nicht aus, auch der Fahrplan muss stimmig sein. Einfach einen zusätzlichen Zug in 5 Minuten Abstand zum Taktzug fahren zu lassen, geht an den Bedürfnissen der Fahrgäste vorbei. Das ist Trickserei! Auf diese Weise wird versucht, zukünftig anfallende Kosten für einen notwendigen Ausbau auf das Land abzuwälzen.“

Auch Hannes Rockenbauch (SÖS), Stadtrat und Sprecher des Aktionsbündnisses, kritisierte die Nichtberücksichtigung aller Anforderungen der Landesregierung an einen kundengerechten Fahrplan. „Der Stresstest steht nach wie vor auf tönernen Füßen. Da die tatsächliche Kapazität des heutigen Kopfbahnhofs nicht untersucht wurde, kann die Simulation keine Aussage darüber treffen, ob der geplante Tunnelbahnhof mehr leistet als der heutige Kopfbahnhof.“

Aus diesen Gründen lehnt das Aktionsbündnis den Stresstest zumindest in seiner aktuellen Ausgestaltung ab und fordert unter realitätsnahen Bedingungen eine vollständige Neubearbeitung.

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