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ÖPNV-Branche will mehr Frauen in Führungspositionen

14.10.11 (Allgemein) Autor:Stefan Hennigfeld

Mehr Frauen für den ÖPNVAlle reden vom demographischen Wandel – das ist längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität in der deutschen Wirtschaft, auch in der ÖPNV-Branche. Frauen im Beruf sind daher nicht nur aus emanzipatorischen Gründen wichtig, sondern im Zeitalter des Fachkräftemangels führt kein Weg mehr an ihnen vorbei. Die deutschen Nahverkehrsunternehmen planen bis zum Jahr 2015 zwischen 32.000 und 35.000 Neueinstellungen – in vielen Fällen auch in leitenden Positionen. Heute bereits sind etwa 15 Prozent der Führungskräfte Frauen – Tendenz steigend.

Im Rahmen des fünften VDV-Personalkongresses, der diese Woche in Nürnberg stattfand, wird der Fokus speziell auf dieses Themenfeld gelegt. Bogestra-Vorstand Gisberg Schlotzhauer: „Männlich geprägte Unternehmenskulturen, techniklastige Berufsbilder und familienunfreundliche Arbeitszeiten sind nach wie vor Barrieren, die Frauen zögern lassen, sich in ÖPNV-Unternehmen zu bewerben. Die VDV-Akademie hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, mehr Frauen die Beschäftigung und Karriere in der ÖPNV-Branche zu ermöglichen.“

Zu diesem Zweck engagiert sich die VDV-Akademie beim europäischen Projekt „WISE – Women Employment in Urban Public Transport Sector“. Das Projekt untersucht die Arbeitsbedingungen von Frauen in Verkehrsunternehmen europaweit und erarbeitet Maßnahmen, mit denen sich beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern lassen. Die Verkehrsunternehmen wissen, dass sie auf mehr Frauen im Beruf angewiesen sind, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten.

Karl-Heinz Pöverlein, Personalvorstand der VAG Nürnberg: „Frauen sind noch immer wesentlich öfter als Männer in der Situation, Beruf und Familie gleichzeitig koordinieren zu müssen. Wir bieten unseren Mitarbeiterinnen, aber auch den Männern, deshalb im Rahmen unserer Möglichkeiten individuell auf die jeweiligen Funktionen zugeschnittene Arbeitszeitmodelle. In einigen, wenigen Bereich ist auch Telearbeit möglich. Typisch ist das aber für Verkehrsunternehmen nicht. Hier ist in der Regel Präsenz vor Ort gefragt.“

Doch bereits heute hat die Schichtarbeit – für Frauen, wie auch für Männer – nicht nur Nachteile. Pöverlein: „Unsere weiblichen Beschäftigten belegen, dass es im ÖPNV gute Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Dies gilt für den Fahrdienst wie die Werkstätten oder die Verwaltung.“

Aber man will nicht nur mehr Bewerberinnen für Führungspositionen gewinnen, man verfolgt auch das Ziel, unternehmensinterne Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen zu verbessern. Die VDV-Akademie unterstützt daher das Projekt „Frauen gehen in Führung“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Mit fünf Nahverkehrsunternehmen werden Qualifizierungsmaßnahmen, Workshops, Coachings und Netzwerkmaßnahmen für Frauen entwickelt.

Martina Hahn, Leiterin für Personalentwicklung, Arbeits- und Tarifrecht der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB): „ Die KVB hat einen Frauenanteil von 17,2 Prozent. Das ist zwar im Vergleich zu anderen Unternehmen nicht schlecht, aber insgesamt noch deutlich ausbaufähig. In der ersten und zweiten Führungsebene der KVB findet sich beispielsweise aktuell keine Frau. Selbstverständlich liegt es auch teilweise an den Frauen selbst, auf sich und ihre Fähigkeiten aufmerksam zu machen. Sie müssen lernen, ihren Karrierewillen zu artikulieren, Karriere zu planen und auch Netzwerke zu bilden. Kurz gesagt, sie müssen mutiger werden.“

Bild: Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

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