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„Mobilfalt“ soll Individual- und öffentlichen Verkehr zusammen bringen

28.10.11 (Allgemein, Hessen) Autor:Jürgen Eikelberg

Ein sicher ungewöhnliches Projekt haben heute, 28. Oktober 2011, das Hessische Ministerium für Wirtschaft und Landesentwicklung, der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) und der Landkreis Werra-Meißner gemeinsam in Kassel vorgestellt. Der motorisierte Individualverkehr ist nicht mehr „Feind“ des öffentlichen Verkehrs, sondern wird ein Teil desselben.

„Den Bewohnern der ländlichen Räume müssen auch in Zukunft attraktive und bezahlbare Nahverkehrsangebote zur Verfügung stehen. Deshalb hat die Landesregierung im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie viele Initiativen angestoßen, aus denen auch das Projekt Mobilfalt hervorgegangen ist“, erklärte der hessische Verkehrsminister Dieter Posch am Freitag in Kassel bei der Vorstellung des Vorhabens. „Der bisherige ÖPNV mit seinen starren Fahrplänen muss angesichts des Bevölkerungswandels flexibler werden und finanzierbar bleiben. Deshalb unterstützt das Land Hessen nicht nur die Entwicklung intelligenter und zukunftsweisender Lösungen, sondern auch deren zeitnahe Erprobung in der Praxis. Bedarfsgerechte ÖPNV-Systeme sind eine Voraussetzung für die Attraktivität ländlicher Räume.“

Kern der Überlegungen des neuen Projektes „Mobilfalt“ ist die Verknüpfung des Individualverkehrs mit allem, was bisher in den Fahrplänen des NVV zu finden ist, egal ob Anrufsammeltaxi, Bürgerbus, Bus, Tram oder Zug. Die bisherigen fahrplangebundenen und bedarfsgesteuerten Systeme sollen im vorhandenen NVV-Tarifsystem um Fahrten im Auto oder Taxi ergänzt werden. Jeder, der möchte, kann seine regelmäßigen oder unregelmäßigen privaten Autofahrten im Rahmen des neuen Konzeptes anderen anbieten und erhält dafür eine festgelegte Kostenerstattung.

Dabei soll die die Erstattung für den Fahrtenanbieter bei 30 Cent pro Kilometer liegen. Der Preis pro Fahrt für den Fahrgast ist bisher in der Pilotphase mit einem Euro kalkuliert. Eine Internet-Plattform integriert angebotene und nachgefragte Fahrten in die Fahrpläne. Abgerechnet wird über den NVV, der die Einnahmen verteilt, gebucht wird über Internet, Telefon bzw. über Mobilitätszentralen.

„Moderne Informationstechnologie kann helfen, mehr Mobilität für das gleiche Geld zu schaffen. Für ein solches Vorhaben eignen sich die Landkreise in Nordhessen besonders, denn sie stellen sich mit großem Einsatz den Herausforderungen des demographischen Wandels und haben bereits beträchtliche Vorarbeit geleistet“, sagte Posch.

Das innovative Nahverkehrskonzept wird zunächst in drei Pilotregionen getestet: Sontra/ Nentershausen/Herleshausen (als Zweckverband Interkommunaler Zusammenarbeit) und Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis sowie Niedenstein im Schwalm-Eder-Kreis. Auf Grundlage der dort gesammelten Erfahrungen soll im Herbst 2012 ein Modellprojekt beginnen.

Schon die Vorarbeiten des Nordhessischen Verkehrsverbunds und seiner Partner aus den Nahverkehrsgesellschaften der Landkreise Werra-Meißner, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg hat das Land Hessen mit 180 000 Euro zur Hälfte finanziert. Dabei waren komplizierte rechtliche und versicherungstechnische Fragen zu klären. Die Umsetzung ist Teil des Modellversuchs „ÖPNV im ländlichen Raum“, den das Land bis 2014 mit einer Million Euro finanziert. „Es gibt viele gute Ansätze von der Mitfahrzentrale bis zum Anrufsammeltaxi. Es kommt nun darauf an, sie zu einem abgestimmten System innerhalb der bestehenden Tarifstrukturen zu verknüpfen“, sagte der Minister. „Mobilfalt ist eine Antwort auf viele Herausforderungen. Beispielsweise bietet es auch Kleinunternehmen neue Chancen. Mobilfalt kann zum Modell für unterschiedliche Regionen werden.“

Für den Geschäftsführer des NVV Wolfgang Dippel ist vielfältige Mobilität der richtige Weg:„Wir müssen Antworten auf die demografische Entwicklung geben ohne den ländlichen Raum von der Mobilität abzuhängen. Dabei wird uns das Projekt Mobilfalt helfen, denn es ist flexibel, verlässlich und bezahlbar. Alle Verkehrsträger miteinander zu vernetzen ist die richtige Antwort für die Zukunft!“

„In unserer Situation ist Mobilfalt eine echte Chance und leistet Pionierarbeit für die ganze Region. Wir wollen Nordhessen als Wohn- und Arbeitsregion weiter entwickeln und dafür brauchen wir flexible Mobilität in all ihren Facetten, um die Lebensqualität zu halten und zu verbessern“, so der Landrat des Werra-Meissner-Kreises und Aufsichtsratsvorsitzender des Regionalmanagements Nordhessen Stefan G. Reuß. „Das Regionalmanagement Nordhessen koordiniert das Projekt „Mobilität im ländlichen Raum“ im Rahmen der Hessischen Nachhaltigkeitsstrategie und hat die Mittel für die Anschubfinanzierung eingeworben. Mobilfalt ist aufgrund seines Modellcharakters für den ländlichen Raum bundesweit ein Referenzprojekt des nordhessischen Mobilitätsclusters.“

Langfristig verfolgt der NVV mit dem Projekt Mobilfalt das Ziel, ein flexibles Angebot für die Bürgerinnen und Bürger mit den neuen Vorteilen für die Mobilitätsanbieter zu verbinden. Durch eine registrierte Teilnahme, mit der eine Reihe von Leistungsmerkmalen verbunden ist, soll das gelingen und Mobilität in der ländlichen Region nachhaltig sichern.

Bild: NVV

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