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Chinas Eisenbahn will Anleihen mit Steuerreduktion attraktiv machen

16.10.11 (Übrige Welt) Autor:Jürgen Eikelberg

Chinas Eisenbahnnetz wächst immer weiter. Schon heute ist das chinesische Eisenbahnnetz des drittgrößte der Welt. Aber bei der riesigen Fläche des Landes noch sehr weitmaschig. Bis 2012 will China ein über 13.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrassen erweitertes Netz betreiben. Bis 2020, wenn 60 Prozent aller Chinesen in Städten wohnen, will China sein Hochgeschwindigkeitsnetz auf mehr als 16.000 Kilometer Strecke ausdehnen, die dann wie ein Gitter mit vier Nord-Süd- und vier Ost-West-Korridoren 90 Prozent aller Städte verbindet. Die alles kostet viele Milliarden Yuan.

Die Chinesische Eisenbahn (China Railways, ???? (Zh?ngguó Ti?lù) ist eine klassische Staatsbahn und komplett dem chinesischen Eisenbahnministerium unterstellt. Zur weiteren Finanzierung der Investitionen hat das Ministerium am 12. Oktober 2011 Anleihen im Wert von 20 Milliarden Yuan (2,3 Milliarden Euro) am Markt platziert. Für die Zinserträge bietet das Ministerium eine Steuerermäßigung von 50 Prozent des regulären Steuersatzes an. Die Anleihen haben eine sieben- oder 20-jährige Laufzeit.

Insgesamt will das chinesische Eisenbahn-Ministerium Anleihen in Höhe von 100 Milliarden Yuan (11,4 Milliarden Euro) in den nächsten Jahren emittieren. Am Montag hatte das Finanzministerium erklärt, dass Unternehmen, die zwischen 2011 und 2013 in Bahnanleihen investieren, eine 50-prozentige Steuerreduktion auf Zinserträge bekommen.

Lu Zhengwei, Chefökonom der Industrial Bank Co, sagte, der Schritt sei ein Zeichen für den quasi souveränen Status des Eisenbahnministeriums. Abgesehen von Regierungsanleihen auf nationaler und lokaler Ebene handle es sich hierbei um die einzigen, die eine Steuerermäßigung bieten. „Das wird der Bahnbehörde die künftige Ausgabe von Anleihen erleichtern und helfen, ihren Preis neu zu bewerten“, sagte Lu. Die Kosten für eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren sind seit dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge am 23. Juli in der östlichen Stadt Wenzhou, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen, um 51 Basispunkte auf 6,1386 Prozent gestiegen. Sealand Securities Co Ltd. schätzt, dass die Steuerpolitik den Anlegern hilft, zwei Milliarden Yuan (227 Millionen Euro) zu sparen. Wenn man allerdings bedenkt, dass die großen Banken ihre Kreditlinien für das Eisenbahn-Ministerium verschärft haben und dass institutionelle Investoren Bahnanleihen noch immer kritisch gegenüberstehen, könnte die Wirkung der Steuerpolitik auf die Finanzierungsschwierigkeiten des Ministeriums „begrenzt“ ausfallen, so Lu.

Chinas Chengxin International Credit Rating bewertete die Anleihen auf höchstem Niveau: AAA. Dabei bezeichnete sie die Unterstützung durch die Politik als wichtigsten Wettbewerbsvorteil. Allerdings warnte die Agentur auch vor den Auswirkungen der wachsenden Finanzierungsgröße.

Die Bankkredite des chinesischen Eisenbahn-Ministeriums beliefen sich 2008 auf 120 Milliarden Yuan (13,6 Milliarden Euro). Bis 2010 sind sie auf 700 Milliarden Yuan (79,5 Millarden Euro) angestiegen. Gleichzeitig wuchsen die anstehenden Schulden von 383 Milliarden Yuan (43,5 Milliarden Euro) im Jahr 2009 auf 570 Milliarden Yuan (64,7 Milliarden Euro) ein Jahr später. „2012 ist das Schlüsseljahr für das Ministerium, um seine Schulden zurückzuzahlen. Dann nämlich betragen die fälligen Zinsen mehr als 100 Milliarden Yuan (11,4 Milliarden Euro)“, so der Bericht von China Merchants Securties Co Ltd.

Anleihen haben eine wichtige Rolle bei der Finanzierung für das Ministerium gespielt. Doch angesichts eines wachsenden Kostendrucks wird es für das Ministerium zunehmend wichtig, neue Finanzierungs-Kanäle wie die Börse zu erkunden, hieß es weiter.

Bild: ulfthoma. Lizenz: CC-by 2.0

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