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Weichen für Kombi-Lösung in Lindau sind gestellt

27.09.11 (Bayern, Verkehrspolitik) Autor:Niklas Luerßen

Eine Lösung in der Streitfrage über den Standort des Bahnhofs in Lindau scheint zum Greifen nahe. Nach einem Spitzengespräch zwischen dem Freistaat Bayern und der Stadt Lindau wurde beschlossen, auf den Kompromissvorschlag des Landesverkehrsministeriums zu setzen, den Inselbahnhof für den Nahverkehr zu erhalten und zusätzlich im Stadtteil Reutin einen kleinen Bahnhof für den Fernverkehr der zukünftigen zweistündigen EC-Linie München – Zürich zu errichten. Die doppelte Bahnhofslösung scheint gemäß aktuellen Untersuchungen fahrplantechnisch möglich und grundsätzlich finanzierbar zu sein. Die zusätzlichen Bahnhofskosten werden derzeit auf 6,2 Millionen Euro veranschlagt.

Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) kommentierte das so: „Wir sind auf unserem konstruktiven Weg einen Riesenschritt weiter. Die Weichen für die Schienenzukunft in Lindau sind neu und auf ein klares Ziel gestellt. Ich hoffe, dass in Lindau die Signale in den nächsten Wochen endgültig auf Grün geschaltet werden und bis zum Jahreswechsel eine Lösung in trockenen Tüchern ist“. Er sicherte eine Beteiligung des Verkehrsministeriums in Höhe von 3,5 Millionen Euro zu, somit würde die Stadt Lindau einen Kostenanteil von 2,7 Millionen Euro bezahlen, dessen Anteil übrigens im Falle von Kostensteigerungen oder anderweitigen Risiken auf 3 Millionen Euro gedeckelt ist. Lindaus Oberbürgermeisterin Petra Seidl setzt ebenfalls auf diese Kombi-Lösung, da man damit sowohl die Insel als auch das Festland optimal an den Zugverkehr anbinden könnte. Deshalb werde bald ein Stadtratsbeschluss herbeigeführt und anschließend den Lindauer Bürgern noch dieses Jahr zur Entscheidung vorgelegt.

In Reutin sollen bei dieser Lösung drei 55cm hohe und bis zu 320m lange Bahnsteige errichtet werden, die barrierefrei zugänglich sind. Die DB bevorzugt nach wie vor die komplette Verlegung des Lindauer Hauptbahnhofs von der Insel nach Reutin; sollte sich die Stadt allerdings für die Kombi-Lösung entscheiden, wäre man wegen der Machbarkeit und des Finanzierungsangebots bereit, diese mitzutragen, so der Leiter der Produktion Süd DB Netz AG, Volker Hentschel. Dies erfordert dann anschließend noch die Zustimmung der Gremien bei der DB AG.

Fahrplanseitig könnte man mit einer Umsteigezeit von etwa 8 Minuten Anschlussverbindungen von den Fernverkehrszügen aus München und Zürich an den Inselbahnhof herstellen, auch direkte Anschlüsse aus dem Allgäu Richtung Zürich und umgekehrt seien möglich. Frank Czeschka, Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), zu den Ergebnissen der Fahrplanuntersuchungen des Schweizer Gutachterbüros SMA und Partner AG: „Insgesamt wären die Anschlüsse in Lindau im Zielzustand bei der Kompromisslösung wesentlich besser als heute“.

Ursprünglich hatte die Bahn vorgehabt, zur Einsparung der Pflege und des Erhalts der Dammstrecken zum Inselbahnhof sowie zwecks Flächenverkauf der dann ehemaligen Gleisanlagen den Verkehr insgesamt zum neuen Bahnhof Lindau-Reutin zu leiten. Ein Festhalten am Lindauer Inselbahnhof ohne neuen Bahnhof in Reutin hätte zum kompletten Verlust des Fernverkehrs geführt, da nur beim Umfahren über den sogenannten Abzweig Aeschach die mit der Schweiz vertraglich zugesicherte Fahrzeit zwischen München und Zürich eingehalten werden könnte, auch seien nur bei dieser Lösung die Einhaltung der Taktknoten in Memmingen, Bregenz und Winterthur möglich. Die Bauarbeiten zwischen Bregenz und St. Gallen, um die Fahrzeit für die Fernverkehrszüge zwischen Bregenz und Winterthur auf knapp eine Stunde zu drücken, laufen aktuell auf Hochtouren. Die Schweiz beteiligt sich an der Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Geltendorf und Lindau-Reutin. Bei einem Fachgespräch des Landesverkehrsministeriums Anfang August wurde diese Kombilösung präsentiert und erfuhr viel positive Resonanz.

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