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Streiks bei der HLB und cantus vorerst beendet

28.09.11 (Hessen) Autor:Jürgen Eikelberg

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beendete heute, am 28. September 2011 die Streikmaßnahmen bei der Hessischen Landesbahn (HLB) und vectus Verkehrsgesellschaft mbH. Die HLB hat es allerdings nicht, wie unter Vertragspartnern üblich, auf direktem Wege erfahren, sondern am gestrigen Dienstag um ca. 19 Uhr von dem Internetauftritt der GDL. Wie die HLB mitteilt, benötigt das Unternehmen noch einige Zeit, um alle Fahrzeuge an den entsprechenden Orten bereitzustellen und die Verkehre wieder im vollem Umfang anzubieten, werden am Mittwoch von Betriebsstart bis Betriebsende die im Internet veröffentlichten Notfahrpläne weiter beibehalten. Ab Donnerstag, dem 29.09.2011, werden dann alle Linien regulär nach Plan durchgeführt.

Das Unternehmen zeigt sich erleichtert, das der Streik beendet wurde und möchte sich für das Verständnis der Kunden ausdrücklich bedanken, so die Pressesprecherin Susanne von Weyhe.

Derweil schreibt die GDL in diesem Internetauftritt:

„Mit der Beendigung der Arbeitskampfmaßnahmen räumen wir der HLB-Geschäftsführung die Chance ein, ihre bisherige Position zu überdenken“, so der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Claus Weselsky. „Die HLB sollte sich jetzt genau überlegen, ob sie weiterhin die chaotische Verkehrssituation, die drastischen Folgen für die Fahrgäste und die Beschädigung ihres einst guten Rufes in Kauf nehmen, oder ob sie doch lieber mit uns verhandeln will.“

Das Unternehmen solle bei seiner Entscheidung auch die immer wieder öffentlich kolportierten wirtschaftlichen Schäden in Betracht ziehen. „Diese Schäden haben sich die Arbeitgeber selbst zuzuschreiben“, so Weselsky. „Die Aufwendungen zur Abwehr der Arbeitskampfmaßnahmen übersteigen bei Weitem die für unseren Tarifabschluss erforderlichen finanziellen Mittel.“

Das von der Arbeitgeberseite mehrfach in den Medien beschworene „Bröckeln der Streikfront“ bezeichnete Weselsky als reines Wunschdenken, auf das der Arbeitgeber lieber nicht bauen solle. Solange die HLB kein neues, deutlich verbessertes Angebot vorlege und man sich nicht gemeinsam auf die Fortsetzung der Verhandlungen verständigt habe, bleibe die Konfliktsituation bestehen. „Weitere Streiks sind jederzeit möglich“, so Weselsky, „die Kollegen sind hoch motiviert.“

Die GDL fordert die HLB im Namen der Beschäftigten und der Fahrgäste erneut auf, eine weitere Eskalation zu verhindern und durch Vorlage eines verhandlungsfähigen Angebotes an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Fahrgäste und Belegschaft erwarten einen verantwortungsbewussten Wiedereinstieg in die Verhandlungen und die damit einhergehende Beendigung des Tarifkonflikts“, so Weselsky.

Bei zahlreichen anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen laufen jedoch Schlichtungsverfahren oder sind in Vorbereitung. So z.B. bei der Metronom Eisenbahngesellschaft in Niedersachsen oder der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG). Ziel ist die Einführung eines bundesweit gültigen Rahmentarifvertrages für Lokomotivführer (BuRa-LfTV) und eines Betreiberwechseltarifvertrages (BtWTV).

Darin soll das Lohnniveau des Marktführers DB Regio 1:1 für alle Privatbahnen übernommen werden. Außerdem soll es innerbetriebliche Auffangregelungen unter voller Besitzstandswahrung bei Fahrdienstuntauglichkeit geben. Im Falle von Betreiberwechseln im Nahverkehr werden verbindliche Regelungen zur Personalübernahme angestrebt.

Zunächst wollte die GDL auch ein Berufseinstiegsverbot für Hauptschulabsolventen. Die gültige Triebfahrzeugführerverordnung sieht „nur“ einen Sekundarabschluss vor, die GDL wollte mindestens einen Realschulabschluss. Von dieser Forderung ist man bei der Einigung mit Keolis jedoch abgerückt.

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