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NASA bestellt ab Dezember zwei Linien ab

19.09.11 (Sachsen-Anhalt) Autor:Sven Steinke

Wie die Nahverkehrsservicegesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA) mitteilt, werden mit dem Fahrplanwechsel im Dezember zwei Nahverkehrslinien in Sachsen-Anhalt eingestellt und durch Busverkehre ersetzt. Betroffen sind neben der Linie Magdeburg – Loburg auch die verbliebenen Wochenendzüge zwischen Berga-Kelbra und Stolberg. Begründet werden die Abbestellungen mit hohen Investitionskosten in den nächsten Jahren, die einer zu geringen Fahrgastnachfrage gegenüberstehen.

Bereits im Dezember letzten Jahres musste das Angebot zwischen Magdeburg und Loburg über Möckern, aufgrund des schlechten Infrastrukturzustandes, eingeschränkt werden. Durch Langsamfahrstellen hat sich die Fahrzeit der Linie um 13 Minuten verlängert. Die Auswirkungen reichen soweit, dass im Bahnhof Büden fahrplantechnisch keine Kreuzungen mehr durchgeführt werden können, dadurch musste montags bis freitags der Stundentakt in den Hauptverkehrszeiten entfallen. Die Zwischentaktzüge wurden entsprechend durch Busse ersetzt.

Für das nächste Fahrplanjahr hat der Infrastrukturbetreiber DB Netz bereits eine weitere Fahrzeitverlängerung von fünf Minuten angekündigt. Der Aufgabenträger sieht unter den Umständen keine Möglichkeit ein attraktives Angebot im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) anzubieten und wird jetzt gemeinsam mit dem Landkries Jerichower Land das Gespräch suchen, um gemeinsam ein attraktives Busangebot auf die Beine zu stellen.

Bereits seit Jahren stand die Linie im Nahverkehrsplan des Landes Sachsen-Anhalt unter Prüfbedarf. Dementsprechend hat die Deutsche Bahn notwendige Sanierungsmaßnahmen zum langfristigen Erhalt der Strecke unterlassen und eine langfristige Bestellergarantie als Voraussetzung für eigene Investitionen gefordert. Rund 12 Millionen Euro werden für eine umfassende Sanierung und Modernisierung der Strecke veranschlagt. Selbst nach dem Ausbau wird nur ein Fahrgastpotential von unter 500 Fahrgästen erwartet, womit die langfristige Perspektive der Linie weiter als kritisch angesehen wird.

Die NASA ist allerdings der Meinung, dass sich die Deutsche Bahn zu Unrecht auf eine Bestellergarantie berufe, weil sie als Infrastrukturbetreiberin rechtlich in der Pflicht sei, die Infrastruktur auf eigene Kosten für die Eisenbahnverkehrsunternehmen in einem ordnungsgemäßen Zustand anzubieten. Der Gesetzgeber setze voraus, dass defizitäre Strecken durch gewinnbringende gestützt werden. Das positive Jahresergebnis der DB Netz zeige dass genügend Mittel vorhanden seien.

Auch der Wochenendverkehr zwischen Berga-Kalbra und Stolberg wird ab dem 11.Dezember 2011 eingestellt. Bereits im Jahr 2007, nach der Kürzung der Regionalisierungsmittel,ist auf dieser Strecke das Nahverkehrsangebot bis auf den Wochenendverkehr eingestellt worden. Da das touristisch orientierte Angebot zu wenig nachgefragt wird, sollen das Busangebot nun auch am Wochenende ausgeweitet werden und die Züge ersetzen. Für den nicht im Güterverkehr betriebenen Abschnitt Rottleberode – Stolberg hatte DB Netz bereits eine Verkaufsausschreibung eröffnet, da hier in Kürze Investitionen in Höhe von zwei Millionen Euro nötig sind.

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