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Deutsch – Belgischer Nahverkehrstarif gilt in Aachen und der Région wallonne

29.09.11 (Europa, NVR) Autor:Jürgen Eikelberg

Die an Aachen angrenzende belgische Region Wallonie hat seit je her zu der alten Kaiserstadt eine enge Beziehung. Nicht zuletzt auch durch die deutsche Kulturgemeinschaft im Osten der Wallonie. Die Region um Eupen und Malmedy gehörten bis zum Ende der ersten Weltkrieges zu Deutschland. Aber auch zu den wallonischsprachigen Bürgern besteht ein enger Kontakt. Schon recht kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges richtete man daher wieder eine Buslinie von Aachen nach Eupen ein. Diese war aber an der Grenze „gebrochen“. Man musste aus dem Bus aussteigen, zu Fuß durch die Zollkontrollen gehen und anschließend wieder in einen belgischen Bus einsteigen. Das ist zwar schon lange Vergangenheit und man fährt ohne Umsteigen von Aachen nach Eupen und zurück. Doch es gab bislang keinen einheitlichen Fahrschein.

Auf beiden Seiten der nunmehr kaum noch existierenden Grenze leben Menschen, die im Nachbarland arbeiten. Belgier in Aachen, Deutsche in Eupen und anderen Städten der Region. Auf der Linie 14 fahren und fuhren Busse der Aachener Straßenbahn- und Energie AG (ASEAG) und des belgischen Busunternehmens TEC. Der öffentliche Nahverkehr in Belgien wird nicht – wie in Deutschland – von Verkehrsverbünden bestellt und organisiert, sondern von den Regionen. Nach den Bestimmungen der EU-Verordnung 1370/2007 haben die Regionen auch die Möglichkeit der Direktvergabe. Die Région Wallonie entschied sich für das Unternehmen TEC, das den Busverkehr in der ganzen Region betreibt.

Die Zusammenarbeit zwischen der ASEAG und TEC ist ausgesprochen gut. Und so hat man seit nunmehr acht Jahren an einem region3Tarif gefeilt.

Ab dem 1. Oktober 2011 vereinfacht sich für die Fahrgäste im grenzüberschreitenden Busverkehr zwischen Aachen und Belgien vieles. Dank einer neuen Vereinbarung zwischen dem belgischen Busunternehmen TEC und dem Aachener Verkehrsverbund (AVV) ist es jetzt möglich, zwischen dem Stadtgebiet Aachen und den grenznahen Regionen Belgiens mit nur einem Ticket zu fahren.

Der neue region3tarif umfasst grenzüberschreitende Einzel-, Tages- und Minigruppen-Tickets sowie Monatskarten (auch im Abonnement) mehrerer Preisstufen. AVV-Job-Ticket-Inhaber können ebenfalls eine Anschlusszeitkarte für den gesamten belgischen Geltungsbereich des region3tarifes erwerben. Hans-Peter Geulen, Center-Leiter Verkehrswirtschaft der ASEAG begrüßt den Mehrwert des Tarifs: „Besonders reizvoll für Monatskartenbesitzer sind Mitnahmemöglichkeiten in den Abendstunden und an Wochenenden. Denn die von den AVV-Monatskarten bekannte Regelung gilt auch in den entsprechenden Regionen in Belgien.“

Auch der Ticketkauf wird vereinfacht und unkomplizierter, da der region3tarif in den Kundenzentren der TEC und der ASEAG sowie in den Bussen der Verkehrsunternehmen erworben werden kann.

Die Einführung dieses grenzüberschreitenden Tarifs in der Region wurde im Rahmen des vom AVV geführten INTERREG-Projekts „M3 – Mobilität ohne Grenzen in der Euregio Maas-Rhein“ möglich. Ziel des M3-Projekts ist es, das Zusammenwachsen der Regionen zu unterstützen sowie Grenzhindernisse abzubauen, um so die Qualität der grenzüberschreitenden Mobilität im Dreiländereck zu verbessern.

„Mit den Verkehrsunternehmen TEC und ASEAG stehen dem AVV Partner zur Seite, die schon jahrelang vertrauensvoll zusammenarbeiten und einen wesentlichen Beitrag zum Zustandekommen des region3tarifs geleistet haben.“, erläutert Daniel Dewaay, Beigeordneter Generaldirektor des TEC Liège-Verviers.

„Jahrelange Arbeit wirft endlich Früchte ab. Mit der Realisierung wird ein großer Schritt des weiteren Zusammenwachsens in der Euregio Maas-Rhein gemacht. Der region3tarif ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einem euregionalen Tarif.“, ergänzt Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbunds.

Weiter Informationen auch unter http://www.avv.de/uploads/media/region3tarif.pdf

 

Bild: Jürgen Eikelberg

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