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DB Systemtechnik – Nachfolger der Bundesbahn-Zentralämter

18.09.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Sie sind schon fast in Vergessenheit geraten, die Reichsbahnzentralämter in Berlin und München, die von 1907 bis 1945 für die zentralen Aufgaben der technischen Entwicklung der Fahrzeuge und des Oberbaus sowie der Beschaffung zuständig waren. Darüber hinaus oblag ihnen die Fortschreibung von allgemeinen Vorschriften der Technik, des Rechnungswesens und statistischer Dienste.

Nach Kriegsende wurde das RZA Berlin zunächst nach Göttingen verlegt, nach 1949 übernahmen dann die Bundesbahnzentralämter in Minden (Westf.) (wiederum verlegt aus Göttingen) und München diese Aufgaben. In der DDR wurden die Aufgaben vom Zentralen Forschungsinstitut des Verkehrswesen in Berlin und der Versuchs- und Entwicklungstelle Maschinenwirtschaft (VES-M) in Halle (Saale) wahrgenommen.

Die von den Zentralämtern entwickelten Lokomotiven und Waggons wurden dann von der Industrie gebaut. So entstanden die so genannten Einheitslokomotiven, die nach Bauplänen der Zentralämter von verschiedenen Firmen gebaut wurden.

Mit der Bahnreform kam auch das Ende der Eisenbahnzentralämter. Die Konstruktion erfolgte nunmehr bei der Bahnindustrie selbst. Die Zentralämter wurden in die DB Systemtechnik GmbH umgewandelt, die heute vielfältige Aufgaben im Eisenbahnsektor nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wahrnimmt. Standorte sind Minden (Westf.), München und Kirchmöser.

Eine dieser Aufgaben sind die „Quality Gates“. Hier begleitet die DB Systemtechnik GmbH Hersteller sowie Abnehmer von Zügen von der Vorvertragsphase über die Produktion bis zum Betrieb und Gewährleistung.

Am Beispiel des Icx erläutert Birgit Röder den Ablauf. Von der Konzeption über die Machbarkeitsstudie , das Lastenheft und der Ausschreibung ist es die Stufe Null der QG, doch schon bei der Auftragsvergabe beginnt die Stufe 1. Dort wird ein Pflichtenheft erstellt. Nun beginnt der Prozess der Entwicklung, der sich nach Abschluss die Stufe 2 anschließt. Es wird ein Prototyp gebaut und eine Erstmusterprüfung von Gewerken vorgenommen und eine Vorserienzulassung vorgenommen. Anschließend erfolgt die Abnahme durch das Eisenbahnbundesamt. Nach der Erprobung und Freigabe erfolgt der Vorlaufbetrieb. Damit ist die Stufe 3 abgeschlossen. Erst danach wird die Serienfertigung aufgenommen. Aber erst nach Betriebseinführung und Gewährleistungsphase wird das Projekt abgeschlossen. Die Quality Gates stehen allen Herstellern und Eisenbahnunternehmen zur Verfügung.

Ein weiteres Geschäftsfeld ist die Erprobung von Werkstoffen, wie z.B. der „Verbundsohle“ anstatt der Grausgusssohle bei den Bremsen eines Zuges. Graugusssohlen erzeugen erzeugen auf dem Stahlrad eines Eisenbahnwaggons Riefen und Einkerbungen, wie Dr. Stefan Dörsch erläutert, die das Rollgeräusch beim Vorbeifahren verstärken. Bei eine Verbundsohle bleibt das Rad glatt und senkt somit das Rollgeräusch um 10 dB(A), was einer Halbierung der Lärmwahrnehmung gleichkommt. In Zusammenarbeit mit den europäischen Eisenbahnen hat man einen Testzug zusammengestellt, der kreuz und quer durch Europa fährt. In gewissen Intervallen wird dabei in Minden gemessen und und geforscht, welche Auswirkungen die unterschiedlichen Verbundstoffe und die Graugusssohle auf die Räder haben.

Ein Kernstück der DB Systemtechnik ist die Prüfstelle. Sie gilt als führender Ingenieur und Prüfdienstleister im Eisenbahnsektor, und das nicht nur in Deutschland. Ihr Leistungsportofolio bietet nationales und internationales Zulassungsmanagemet, Versuche und Prüfungen am Objekt, Gutachten und Bewertungen, EG-Prüfungen von Teilsystemen und Komponenten sowie von Vermarktung von Messmitteln und Metrologie (inkl. Kalibriertechnik und Prozesse) an.

An Anerkennungen und Akkreditierungen mangelt es der DB Systemtechnik GmbH nicht. Assoziierte Partner des EBC, zertifiziert von DQS nach DIN ISO 9001, Prüfstelle und Sachverständigenorganisation vom Eisenbahnbundesamt anerkannt, Prüfstelle akkreditiert nach DIN ISO/IEC 17 025 und nach DIN ISO/IEC 17 020. Dr. Thomas Erpenbeck leitet die Prüfstelle.

Ein Kommentar

  1. Arbeitet das Unternehmen kostendeckend? Wieviele Mitarbeiter(Wikipedia führt für München über 280 auf)?

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