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Berlin startet Intressenbekundungsverfahren zur Fahrzeugbereitstellung für die S-Bahn

11.09.11 (Berlin) Autor:Sven Steinke

Im europäischen Amtsblatt hat Berlin, vertreten durch das Center Nahverkehr Berlin (CNB), ein Interessenbekundungsverfahren zur Beschaffung, Instandhaltung und Bereitstellung von S-Bahn Fahrzeugen im Rahmen eines Fahrzeugdienstleistungsmodells bekannt gegeben. Der CNB möchte so sicherstellen, dass neue S-Bahn Fahrzeuge pünktlich zum Auslaufen des Verkehrsvertrages für die Ringlinien, unabhängig von der weiteren Vergabeentscheidung der Linien, bereitstehen.

Fahrzeughersteller, Instandhaltungsunternehmen, Banken, Leasinggeber und Verkehrsunternehmen sind aufgerufen im Rahmen des Verfahrens ein betreiberneutrales Fahrzeugbereitstellungsmodell zu entwickeln. In drei sogenannten Workshops soll den interessierten Unternehmen das Modell näher vorgestellt werden. Dabei besteht die Möglichkeit in Einzelgesprächen die Gesichtspunkte tiefer zu thematisieren. Bis zum 19. September haben Unternehmen die Möglichkeit beim CNB ihr Interesse zu bekunden. Das CNB ist eine Arbeitsgemeinschaft zwischen der Beratungsfirma KCW und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB).

Mit Auslaufen des jetzigen Verkehrsvertrages mit der Deutschen Bahn Ende 2017, sollen die Fahrzeuge auf den Ringlinien der Berliner S-Bahn zum Einsatz kommen. Da die Fahrzeuge mit Gleichspannung aus einer seitlichen Stromschiene versorgt werden, müssen die Fahrzeuge speziell für dieses Netz hergestellt werden und können auch nur dort eingesetzt werden. Mit Ende der Laufzeit sollen die Fahrzeuge an den Aufgabenträger oder an einen Dritten übergehen.

Bereits seit 2009 kann die Deutsche Bahn-Tochter S-Bahn Berlin GmbH die mit den Ländern Berlin und Brandenburg vertraglich vereinbarten Zugleistungen nicht mit den vorgesehenen Kapazitäten erbringen, da die Zahl der zur Verfügung stehenden Viertelzüge durch verkürzte Wartungsintervalle und Mängel in der Wartung nicht ausreicht um die vertraglichen Vorgaben erfüllen zu können. Im Sommer 2009 und den darauffolgenden Wintermonaten kam es zu erheblichen Einschränkungen, die zeitweise zur Einstellung ganzer Linienäste führten.

In diesem Winter droht ein erneutes Choas im S-Bahnnetz, da nach den Worten des VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz, die Umrüstungsmaßnahmen an den Fahrzeugen nur sehr schleppend voran kommen. Trotzdem debattiert der Berliner Senat schon seit Jahren über die weitere Vergabe der Verkehrsleistungen auf den Ringlinien. Noch immer hat man keine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen. Mit der Fahrzeugbeschaffung und Bereitstellung durch einen externen Dienstleister möchte man jetzt anscheinend zusätzliche Zeit gewinnen um unbequeme Entscheidungen hinauszuzögern.

Nach dem Abellio-Urteil vor dem Bundesgerichtshof (BGH) bleibt den Verantwortlichen nur noch die Wahl zwischen einer Ausschreibung oder einer In-House-Vergabe an ein landeseigenes Verkehrsunternehmen. Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat bereits mehrmals seine eher abneigende Haltung bezüglich einer Ausschreibung deutlich gemacht und darauf verwiesen, dass man den Betriebsablauf jetzt sofort stabilisieren müsse. Zu den anstehenden Senatswahlen am 18. September scheinen ihm die Stimmen der S-Bahnmitarbeiter wichtiger zu sein, als die Interessen der Fahrgäste.

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