Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

Zwischen Bremen und Nordseeküste gilt bald der Nahverkehrstarif im Fernverkehr

05.08.11 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Ab Dezember 2013 können Reisende mit Nahverkehrsfahrscheinen auch die Fernverkehrszüge zwischen Bremen und Norddeich Mole nutzen. Auf diese Regelung haben sich die Deutsche Bahn, die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und der Bremer Verkehrssenat geeinigt. Im Rahmen der Einigung, die bis Ende 2022 läuft, verpflichtet sich DB Fernverkehr zwischen Bremen und Emden ein verlässliches und qualitativ hochwertiges Angebot im Zweistundentakt mit neun Zugpaaren täglich anzubieten.

Für Kunden, Nahverkehrsbesteller und DB Fernverkehr entstehen Vorteile die ohne Einigung in der Form nicht erzielt werden könnten. So wollte die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) im Rahmen der Neuvergabe des RE-Kreuzes Bremen die Regional-Expresslinie Hannover – Bremen – Emden – Norddeich Mole auf ganzer Länge zum Stundentakt verdichten, wodurch im heute schon mageren Fernverkehrsangebot ein sogenannter „Kannibalisierungseffekt“ eingetreten wäre und den durchgehenden Fernzügen in die Region Ostfriesland langfristig der Wegfall gedroht hätte.

Durch die Einigung kann die Anzahl der durchgehenden Fernzügen von derzeit drei auf neun Fahrten verdreifacht werden. Gleichzeitig erhalten Kunden im Nahverkehr ein Angebot im minutengenauen Stundentakt mit der gleichen Haltepolitik im Abschnitt Bremen – Emden, welches alternierend durch den RE und den IC abgedeckt wird. Der Stundentakt soll in Kombination mit der IC-Linie aus dem Ruhrgebiet bis Norddeich Mole weitergeführt werden.

Für Binnenrelationen im Abschnitt Bremen – Norddeich hat der Fernverkehrstarif keine gültig mehr und wird durch die Nahverkehrstarife abgelöst. Reisende, die über Bremen hinaus fahren zahlen weiterhin ganz normal den Fernverkehrstarif. Die IC-Linie 35 Norddeich – Luxemburg kann zwischen Norddeich und Leer ebenfalls mit Nahverkehrsfahrscheinen genutzt werden.

Für die beiden beteiligten Aufgabenträger entsteht der Vorteil, dass keine zusätzlichen Nahverkehrsleistungen bestellt werden müssen und die Züge, die derzeit nur zwischen Bremen und Emden fahren, entfallen können. Lediglich die Mindereinnahmen, die durch die Anerkennung des Nahverkehrsangebotes entstehen, müssen ersetzt werden. Doch laut Hans-Joachim Menn, Geschäftsführer der LNVG, fallen die deutlich geringer aus, als für ein vergleichbares Nahverkehrsangebot hätte aufgewendet werden müssen. Menn geht von Aufwendungen im unteren einstelligen Millionenbereich aus und weist zudem darauf hin, dass ein Höchstbetrag vereinbart wurde.

Gleichzeitig wird die Deutsche Bahn ab dem 15. Dezember 2013 ihre neuen weißen Doppelstockzüge auf der InterCity-Linie 56 von Leipzig über Hannover und Bremen nach Norddeich Mole bzw. Emden Außenhafen einsetzen. Die Fahrzeuge werden auf Basis der Doppelstockwagen im Nahverkehr gebaut und an die Anforderungen für den Fernverkehr angepasst. Die Ausstattung wird sich am ICE-Komfortstandard orientieren.

So erhalten die Wagen eine komfortable Bestuhlung mit bequemen Sitzen, die viel Beinfreiheit bieten. In den Wagen werden an jedem Platz Steckdosen, sowie Mobilfunk-Repeater vorhanden sein. Zur Abwicklung des hohen Gepäckaufkommens wird jeder Wagen mit sechs Gepäckracks ausgestattet. Insgesamt 27 dieser Zuggarnituren hat die Deutsche Bahn bestellt. Die IC-Linie 56 wird die erste sein, auf der die Wagen eingesetzt werden.

2 Responses

  1. Früher gab es bei der DB zahlreiche Züge, die sowohl dem Nah- als auch dem Fernverkehr dienten. Dies waren zunächst zahlreiche Langstrecken-Eilzüge, zahllose D-Züge und später auch IR-Züge. Als im Rahmen der Bahnreform Nah- und Fernverkehr viel strenger getrennt wurden, verloren viele Städte und Eisenbahnstrecken plötzlich sämtliche Langstrecken-Züge. So sind zum Beispiel Bremerhaven, Cuxhaven, Krefeld usw. schon längere Zeit fernverkehrsfrei. Das ist der Preis, den alle Bahnreisenden für die Bahnreform zahlen müssen.

    Eines ist sicher: Wenn es nicht zur Mitbenutzung der IC-Züge zwischen Bremen und Norddeich durch Nahverkehrsreisende kommt, dann würden zwangsweise nach und nach alle IC-Züge (Langstreckenzüge)dort wegfallen. Das würde für viele Reisende (z. B. Nordsee-Urlauber) bedeuten: Einmal mehr umsteigen, beispielsweise in Bremen!

    Wenn wir in Zukunft auch abseits der ICE-Rennstrecken noch Langstrecken-Züge haben wollen, muss es wieder verstärkt Züge geben, die Nah- und Fernverkehrsreisenden gleichermaßen zu guten Bedingungen offenstehen.

  2. Sobald die IC für den Nahverkehrstarif freigegeben werden, gibt es zu gewissen Zeiten Chaos in den Zügen. Reisende, die für gute Euros Ticket und evtl Reservierung an die Küste gebucht haben, bekommen dann ab Bremen ( Linie 56 ) und ab Leer ( Linie 35 ) überfallartig die Wochenendtickets – Gruppen und Unruhe zu spüren.
    Es ist nur zu wünschen, dass das Alkoholverbot durchgesetzt wird.
    Ob das die IC Linien aufwerten wird, ist fraglich. Ich denke, die IC Kundschaft wird abnehmen.
    Es werden nagelneue Doppelstock-Garnituren angeschafft. Wielange dauert es, bis diese durch solch planlosen Vereinbarungen verhunzt werden?
    Dann wäre es doch besser gewesen, die IC Züge zu steichen.
    Wir werden sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.