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Stuttgart 21: Tausende versammelten sich am Freitag zu einer spontanen Großdemonstration

27.08.11 (Allgemein) Autor:Max Yang

Anlässlich des Jahrestages des Beginns der Abrissarbeiten am Stuttgarter Hauptbahnhof versammelten sich tausende Stuttgart 21-Gegner auf einer über das Internet organisierten Veranstaltung. Unter dem Motto „Viel zerstört – nichts gewonnen“ trafen sie sich auf dem Platz am ehemaligen Nordflügel. Laut Veranstalter nahmen 5500 Personen teil, die Polizei zählte zunächst 2000, nach einer Korrektur dann 4000 Teilnehmer.

Es sprachen Peter Dübbers, der Enkel von Paul Bonatz, der als Architekt für den derzeitigen Stuttgarter Hauptbahnhof (sogenannter Bonatz-Bau) verantwortlich zeichnete, Carola Eckstein von den Ingenieuren 22 für den Kopfbahnhof, und Daniel Renkonens, ein Landtagsabgeordneter der Grünen.

Dübbers forderte dazu auf, den Widerstand zu erhalten, um den Südflügel zu bewahren und erinnerte gleichzeitig an die historische Bedeutung des Hauptbahnhofs als Wahrzeichen der Stadt. Nach derzeitigen Plänen müsste der Südflügel ebenfalls mittelfristig abgerissen werden, weil die Streckenführung um 90 Grad gedreht wird. Eckstein kritisierte die Planung für den Nesenbach-Düker, für dessen Tieferlegung sich immer noch keine Firma gefunden habe, weil das zu risikoreich sei. Die Idee der Tieferlegung des Bachverlaufs unter die Erde nannte sie, so wörtlich, „ein Dokument kompletter Realitätsverweigerung“.

Reinkonens Rede stieß auf geteiltes Echo. Während sein Versprechen, dass die Regierung alles tun würde, um das „Milliardengrab“ zuzuschütten, großen Beifall erfuhr, empörten sich die Rufe bei seiner Ankündigung, dass man an der geplanten Volksabstimmung Ende November wegen der Koalitionsvereinbarung festhalten müsse. Die Volksabstimmung ist bei den Gegnern nicht unumstritten, da sie für einen rechtlich bindenden Erfolg ein Zustimmungsquorum von 33,3% – das sind aktuell ca. 2,54 Mio. Menschen – der wahlberechtigten Bürger Baden-Württembergs erfordert (das strengste Quorum deutschlandweit, das bei einer Volksabstimmung oder einen Bürgerentscheid außer bei Verfassungsfragen überhaupt existiert) und außerdem nicht über das Projekt S21 an sich abgestimmt wird, sondern lediglich über einen entschädigungspflichtigen Ausstieg des Landes an der Projektfinanzierung oder einem Verbleib. Es gibt deshalb bereits auch einzelne Boykottaufrufe.

Die Teilnehmer zogen anschließend friedlich durch die Innenstadt zum Schlossgarten, wo sie anlässlich zu Kretschmanns Aussage, nur ein Wunder könne Stuttgart 21 noch stoppen, er glaube aber bis zum Schluss an ein Wunder, viele Wunderkerzen mit der Beschriftung „Kretschmanns Wunder“ anzündeten.

Ein Kommentar

  1. Der „entschädigungspflichtigen Ausstieg des Landes“ kommt das Land immernoch günstiger, als diesem Immobilienprojekt zuzustimmen.

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