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VGN- und VRR-Tarif wachsen zusammen

19.07.11 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Im Tarifraum des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und der Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN) wird am 01. Januar 2011 die erste gemeinsame Tariferhöhung durchgeführt. Der VRR-Verwaltungsrat hat heute im Essener Rathaus beschlossen, dass die Ticketpreise um durchschnittlich 3,9 Prozent steigen werden. Außerdem wird eine neue Preisstufe E eingeführt, die dann Fahrten im gesamten Tarifraum abdeckt, die Preisstufe D wird dann in die Bereiche Nord und Süd unterteilt.

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Bereits im Frühjahr wurden die Rahmenbedingungen geschaffen, um VRR- und VGN-Tarif zu vereinheitlichen. Für die Kunden entfallen damit die komplexen Übergangsregelungen, da die VRR-Tickets dann auch im VGN-Tarifraum am Niederrhein in Bussen und Bahnen gelten. Nun stehen auch die gemeinsamen Ticketangebote und Preise fest, die mit dem Jahreswechsel im Gesamtverbund gelten.

VRR-Vorstand Klaus Vorgang erklärt zu der hohen Preisanpassung, dass man bei der Preisfestsetzung immer den Spargat zwischen der Marktverträglichkeit und der Ertragsoptimierung schaffen muss. Mit der Anpassung sollen negative Ergebnisentwicklungen der Verkehrsunternehmen vermieden und die kommunalen Haushalte nicht weiter belastet werden.

Auf Relationen zwischen dem VRR- und dem VGN-Tarifraum kommt zukünftig der VRR-Tarif und nicht mehr der NRW-Tarif zu Anwendung. Auch kommt es zu Änderungen beim ZusatzTicket, dieses wird demnächst in zwei verschiedenen Varianten angeboten, die Version für 2,40 Euro ermöglicht eine Erweiterung des Geltungsbereichs aller Zeittickets der Preisstufe A in die an den Geltungsbereich direkt angrenzende Stadt. Eine Version für 3,50 Euro ermöglicht weitergehende Fahrten, die Mitnahme eines Fahrrads oder die Nutzung der 1. Wagenklasse. Das Zeitkartensortiment wird an die neue Preisstufenpolitik angepasst. Beim Schoko-Ticket ist für die Nutzung des jeweils anderen Tarifbereichs ein Aufpreis von 15 Euro zu zahlen.

Nachdem der VRR schon die Verantwortung als Aufgabenträger über das Gebiet des Nahverkehrszweckverbands Niederrhein (NVN) übernommen hat, ist mit dem Jahreswechsel auch die tarifliche Harmonisierung weitgehend abgeschlossen. Mittlerweile gehen die Bestrebungen des Landes NRW dahingehend, dass auch der Nahverkehrszweckverband Westfalen-Lippe (NWL) und der Nahverkehrsweckverband Rheinland (NVR) in ihren Verantwortungsgebieten die Tarife harmonisieren sollen.

Eine Preistafel mit den neuen Ticketpreisen ist unter folgendem Link einsehbar: VRR Preistafel 2012

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6 Responses


  1. i.heidinger
    20.07.11 um 01:31

    Ich habe das starke Gefühl, daß die werte Kundschaft vom VRR für doof verkauft werden soll. Wozu eine neue Preisstufe E? Wegen „weiter“? Die weiteste Entfernung, die ich im Alt-VRR zurücklegen konnte, war so ca. Unna Hbf — Wegberg (Dalheim), das sind nach Google-Earth ca. 122 km Luftlinie. Im VRR+VGN hätten wir als weiteste Entfernung Kranenburg — Unna Hbf (oder auch Kranenburg — Breckerfeld). Das sind ca. 124 km Luftlinie mit Google Earth (-Genauigkeit). Luftlinie als Meßlatte finde ich gerechtfertigt, da der VRR mit seinen Preisstufen letztlich auch auf die absolute Entfernung abstellt und nicht auf die Anzahl der möglichen Stadtdurchfahrten im Rhein-Ruhr-Gebiet. Und auch nicht nach erreichbarer Fläche, denn sonst müßte aus Gerechtigkeitsgründen für Dortmund, Düsseldorf oder Essen (210 km²) bereits Preisstufe B gelten und nicht bloß A2 wie für die nur 52 km² große Stadt Herne.

    Wobei man bei jeder Durchfahrt durch bestimmte augen-beleidigende städtische Weichbilder eigentlich Schmerzensgeld in bar rauskriegen müßte >;-))
    Aber das ist ein anderes Thema.

  2. Pingback: citybroker.info» Blog Archive » So teuer wird der Nahverkehr an Rhein und Ruhr – Derwesten.de


  3. Matthes Weiss
    20.07.11 um 13:20

    Wozu eine neue Preisstufe E? Wegen “weiter”?

    Aus einem üblichen – und bei Verbundgründungen bzw. -erweiterungen sehr wichtigen – Grund: möglichst geringe Einbußen bei den Fahrgeldeinnahmen gegenüber dem status quo.
    Schließlich will (oder kann) die öffentliche Hand nicht wesentlich mehr Geld für den Defizitausgleich zur Verfügung zu stellen – und für eine „erfolgreiche Verbunderweiterung“, die unmittelbar eine Einschränkung der Verkehrsleistung verursacht, will ja auch keiner politisch verantwortlich sein.

  4. Die Zusammenlegung scheint mir sinnvoll, wieviele Verkehrs(zweck)verbünde gibt es in Deutschland? Da kann man als Kunde gar nicht mehr durchblicken und auch bei den einzelnen Betreibern wird die Komplexität auf die Spitze getrieben durch die weitere Zerteilung des Tarifs in einen wahren Dschungel. Wieso braucht man 5 Zonen, dann auch noch Standard-, Junior-, Sensior-, Sozial-Ticket. Etc.

  5. Insgesamt finde ich die geplante Tarifvereinheitlichung VRR/VGN sehr gut. Es entstehen durch den Zusammenschluss tatsächlich viele Vorteile. Doch es gibt Stolpersteine (Mausefallen), auf die man achten muss. Beispiele:
    (1) Wer auf seiner jetzigen VRR-Zeitkarte der Preisstufe A, B oder C abends und am Wochenende den gesamten VRR-Raum befahren kann, wird seine Karte künftig im wesentlichen nur im Alt-VRR benutzen können, in die meisten neuen Bereiche sind Zusatztickets (Anschlusstickets)zu lösen.
    (2) Nach meinem Verständnis gelten VRR-Fahrkarten der Preisstufe E beispielsweise nicht in Unna, Kamen oder Schwerte.
    (3) Etwas unklar ist, wie weit man mit dem kleinen Zusatzticket (2,40 EUR) künftig fahren kann. Nur in die angrenzende Stadt selbst oder in das gesamte zugehörige Tarifgebiet? Von Wuppertal z. B. nur nach Schwelm oder auch nach Ennepetal/Breckerfeld?

  6. Die Infos im VRR- Fahtplan Remscheid sagen nur, dass man ein Zusatzticket braucht, wenn man über den Geltungsbereich der Zeitkarte hinaus fährt. Eine Begrenzung dieser Fahrt steht da nicht. Breckerfeld, Schwelm und Enneptal bilden zusammen eine VRR- Tarifzone. Hier ist auf jeden Fall nur ein Zusatzticket nötig.

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