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Mofair: Vertrag über Strom aus Wasserkraft reicht nicht aus

27.07.11 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Der Privatbahnverband Mofair e.V. kritisiert den am vergangenen Montag (25. Juli) zwischen DB Energie und RWE abgeschlossenen Vertrag über die Lieferung von aus Wasserkraft erzeugtem Bahnstrom als nicht ausreichend. Die Deutsche Bahn versuche, sich einen grünen Anstrich zu geben, den sie in dieser Form nicht verdient habe. Zwar brauche man einen starken Verkehrsträger Schiene für die Energie- und Verkehrswende, jedoch dürfe das nicht über vorhandene Missstände hinwegtäuschen.

So benachteilige das Unternehmen noch immer Verkehrsbetriebe mit umweltfreundlichen Lokomotiven, die überschüssige Energie in die Oberleitung zurückspeisen, indem die Kilowattstunde rückgespeister Strom nur ein Bruchteil dessen kostet, was für die Kilowattstunde an herausgezogenem Strom berechnet werde. Dies müsse vor dem Hintergrund der Tatsache gesehen werden, dass die DB-eigenen Verkehrsunternehmen übermäßig viele Altfahrzeuge besitzen, die keine Energie zurückspeisen. Dadurch würden Investitionen in effizientere Fahrzeuge unattraktiver.

Hans Leister, Geschäftsführer von Keolis Deutschland und Vizepräsident bei Mofair: „Natürlich ist es sinnvoll, den Bahnstrom schrittweise auf regenerative Energiequellen umzustellen. Genauso wichtig ist es aber, die sauberste Bahnstrom-Energiequelle überhaupt, die Einsparung durch Wiedergewinnung der Energie beim Bremsen, nicht aus niederen Wettbewerbsmotiven diskriminierend schlecht zu vergüten.“

Für einen „weiteren offenkundigen Skandal“ hält man die fünf Prozent Extrarabatt für konzerneigene Eisenbahnverkehrsunternehmen. Dies sei zwar europarechtlich untersagt, die Deutsche Bahn nutze hier jedoch eine Regulierungslücke des deutschen Eisenbahnrechtes. Hintergrund ist, dass DB Energie Rabatte für Großabnehmer gewährt. Diese erhalten zwar die DB-eigenen EVU, die Privatbahnen jedoch nicht, selbst dann nicht, wenn alle in Deutschland zugelassenen Privatbahnen als Einkaufsgenossenschaft auftreten würden.

Für den früheren Abellio-Chef und heutigen Mofair-Präsidenten Wolfgang Meyer ist das nicht hinnehmbar: „Statt das Bahnstromnetz als wichtige nationale Energieinfrastruktur zur Lösung des Stromtransportes zu begreifen, feilscht die DB mit dem Bund um die Konditionen für die Nutzung, weil sie möglichst viel Geld mit dem DB-Stromnetz verdienen will. Wann endlich sichert sich die Politik das Primat gegenüber dem Bundesunternehmen Deutsche Bahn?“

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