Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

Deutsche Bahn sagt Buntmetalldieben den Kampf an

13.07.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Die Deutsche Bahn hat einen starken Anstieg von Buntmetalldiebstählen zu verzeichnen. Im Jahresvergleich 2009 zu 2010 wurden 40% Prozent mehr Taten registriert (2009: rund 1.900 Fälle, 2010: rund 2.500 Fälle). Besonders betroffen ist der Osten Deutschlands: Berlin (128 zu 157 Fälle), Brandenburg (290 zu 380 Fälle), Sachsen-Anhalt (221 zu 410 Fälle), Sachsen (169 zu 257 Fälle) sowie Mecklenburg-Vorpommern (85 zu 165 Fälle) zählen zu den Schwerpunkten. 

Thüringen hat einen prozentual hohen Anstieg, jedoch nur absolut 59 Fälle in 2010 (2009: 45) zu verzeichnen. Der hohe Anstieg in den neuen Bundesländern wird auf die einerseits geringer ausgelastete Verkehrsinfrastruktur und andererseits auf die Nähe zu Osteuropa zurückgeführt.

Mit neuen Konzepten geht die DB jetzt gegen die Metalldiebstähle vor. „Wir haben ein ganzes Maßnahmenbündel geschnürt, um den Kriminellen die Arbeit schwieriger zu machen“, sagte Prof. Gerd Neubeck, Leiter der Konzernsicherheit der DB. Zu den Maßnahmen gehören der verstärkte Einsatz von Sicherheitspersonal in Uniform und zivil. Zusätzlich ist auch eine Kennzeichnung von Kabeln zum Beispiel in Form von sogenannter „künstlicher DNA“ angedacht sowie der Einsatz anderer für Täter unsichtbarer Markierungsmethoden von Kabeln und Buntmetallen. „In den Schwerpunktregionen werden wir unsere Buntmetalle zurückverfolgbar machen. Auf dem Schrottplatz werden wir also jederzeit die Täter ermitteln können“, so Neubeck weiter. Zusätzlich werden technische Maßnahmen ergriffen, um die Strecken zu sichern und den Diebstahl von Kabeln zu erschweren.

[ad#Content-AD]

Buntmetalldiebstahl ist für die Täter mit hohem Risiko verbunden. Von den Oberleitungen der Bahn geht eine lebensgefährliche Spannung von 15.000 Volt aus. Zudem ist das Risiko überführt zu werden statistisch sehr groß. „Im Jahr 2010 wurden 500 Täter ermittelt oder auf frischer Tat ertappt. Jeder fünfte Täter geht also ins Netz“, so Neubeck weiter.

Gegen die Täter geht die DB auch zivilrechtlich vor. „Wir fordern konsequent Schadensersatz ein. Bei Buntmetall im Wert von 100 Euro können schnell mehrere hunderttausend Euro Schadenersatz zusammenkommen“, so Neubeck. Es würden nicht nur der Materialschaden, sondern auch die Kosten der Auswirkungen auf den Zugverkehr in Rechnung gestellt.

Bundesweit waren im Jahr 2010 8.000 Züge von Buntmetalldiebstählen beeinträchtigt, zehn Millionen Euro Schaden sind der Bahn entstanden. Neben dem materiellen Schaden, der der Bahn durch die Metalldiebstähle entsteht, haben diese oftmals gravierende Auswirkungen auf den Betriebsablauf. So muss beispielsweise eine Strecke vorübergehend gesperrt werden, wenn die Erdungskabel der Oberleitung oder Telekommunikationskabel für die Leit- und Sicherungstechnik gestohlen werden. Dies kann Zugausfälle oder Verspätungen zur Folge haben.

Bild: Claus Weber, Deutsche Bahn AG
[ad#Bigsize-Artikel]

3 Responses

  1. Sollte die Bahn denn Diebstahl nicht mitbekommen, wenn keine Signale mehr durch die Kabel fließen können? Vergleichbar zu den Bremsen welche sich schließen falls was defekt ist? Technisch müsste sich das doch gut überwachen lassen?!


  2. Matthes Weiss
    14.07.11 um 08:17

    Sollte die Bahn denn Diebstahl nicht mitbekommen, wenn keine Signale mehr durch die Kabel fließen können? Vergleichbar zu den Bremsen welche sich schließen falls was defekt ist? Technisch müsste sich das doch gut überwachen lassen?!

    Klar, aber dann ist:
    1. der Schaden schon da
    2. noch keiner – und schon gar nicht die Polizei – vor Ort, wo die Diebe sind.

    Ersteres ist den Dieben egal – richtige Amateure erwischen dann womöglich auch noch „wertlose“ Glasfaserkabel.
    Und zweiteres wird von den „Profis“ in diesem Gewerbe konsequent genutzt. Da wird im Vorfeld mit „kleinen Manipulationen“ ausgetestet, wieviel Zeit man hat, bis Polizei oder Mitarbeiter der DB vor Ort sind. Und erst Tage oder Wochen später wird „richtig“ zugeschlagen.

  3. Warum sind die wertvollen und betriebswichtigen Kabel so leicht zugänglich? Die Bahn ist doch für Diebe der ideale Selbstbedienungsladen! Denn wenn das Kabel durchtrennt ist und die Störung gemerkt ist, weiß ja keiner, wo diese genau ist. Und die Polizei muss ja auch noch zum Einsatzort! da können sich die Diebe ausrechnen, wieviele Zeit die haben, zu klauen, ohne dass jemand kommt. Und wenn doch mal jemand kommt, kann man in die Dunkelheit fliehen! Schließlich sieht man ja die Lichter herannahender Fahrzeuge und lässt bestimmt noch jemand Wache stehen oder hört den Polizeifunk ab.
    Da auf die Dauer die Rohstoffpreise steigen werden, kann die Bahn davon ausgehen, dass sich der Diebstahl immer mehr lohnen wird. Die Bahn wird nicht umhinkommen, die Kabel richtig zu vergraben und Alarmsysteme zu entwickeln, die punktgenau den Ort des Schadens anzeigen, damit man schnell genug da ist.
    Wenn möglich sollte die Polizei mit einer Lok ohne eingeschaltete Beleuchtung zur Schadensstelle eilen. Ein Nachtsichtgerät für Polizeieinsätze oder Infrarotgeräte auf den Lokomotiven, die nachts Aktivitäten an Bahnstrecken bemerkbar machen, könnten sinnvoll sein, falls es da geeignete Technik gibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.