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Deutsche Bahn legt neuen Wettbewerbsbericht vor

04.07.11 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Bahnchef Rüdiger Grube hat am Donnerstag den 30. Juni 2011 den zehnten Wettbewerbsbericht vorgelegt. Darin wird alljährlich die Situation und Entwicklung des Wettbewerbs auf der Deutschen Schiene aus Sicht der Deutschen Bahn beleuchtet. Das Unternehmen weist in dem Bericht eine gesunde Wettbewerbssituation aus, bei der die anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen ihren Marktanteil in den nächsten Jahren noch weiter steigern würden. Das sieht der Interessenverband der privaten Eisenbahnunternehmen, mofair, allerdings anders.

So soll der Anteil der Wettbewerber auf dem Schienengüterverkehrsmarkt bei rund 25 Prozent und im Schienenpersonennahverkehr bei rund 21,6 Prozent liegen. Selbst die Wirtschaftskrise konnte die dynamische Entwicklung der Wettbewerberbahnen nicht stoppen. Im Schienenpersonenfernverkehr liegt der Anteil der privaten Bahnen allerdings weiterhin nur bei rund einem Prozent.

Allerdings ist der Konzern kein Opfer der Liberalisierung des deutschen Schienenverkehrsmarkts, da seit der Bahnreform im Jahr 1994 die Verkehrsleistungen im Schienengüterverkehr um 52 Prozent gesteigert werden konnten und im Personenverkehr um 27 Prozent. Das heißt die Deutsche Bahn erbringt in beiden Sektoren trotz Wettbewerbs mehr Verkehrsleistungen als noch vor 17 Jahren, weil die Gesamtverkehrsleistungen auf der Schiene stärker steigen, als die Anteile die von den Wettbewerbern erbracht werden.

Der Interessenverband der privaten Schienenverkehrsunternehmen, mofair, kommt allerdings zu dem Schluss, dass der Wettbewerb auf der deutschen Schiene in den nächsten Jahren einbrechen wird. Diese Annahme wird durch den kürzlich erschienenen Wettbewerber Report unterstützt an dem der Verband mitgewirkt hat.

So soll die Deutsche Bahn die Wettbewerber weiterhin durch den integrierten Bahnkonzern diskriminieren. So unteranderem beim Bahnstrom, wo ab einer gewissen Bezugsmenge ein Nachlass von 25 Prozent gewährt werden soll, diese Schwelle ist allerdings so hoch, dass kein Wettbewerber sie erreicht. Auch die Jahr für Jahr, über der allgemeinen Inflationsrate, steigenden Trassenpreise werden als Nachteil angesehen. So soll der DB-Konzern die Infrastruktureinnahmen an die Konzernholding abführen und als Konzerngewinn verbuchen können. Auch im Vertrieb werden Nachteile angeführt, so soll die Deutsche Bahn aufgrund ihrer Monopolstellung wesentlich höhere Vertriebsprovisionen für den Verkauf von Fahrscheinen ansetzen als es die Wettbewerbe gegenüber dem DB-Konzern können.

Bahnchef Grube sieht hingegen auch Wettbewerbsnachteile für sein Unternehmen und fordert die Politik dazu auf, endlich die Wettbewerbsbedingungen der Bahn gegenüber den anderen Verkehrsträgern zu stärken. So sieht er Nachteile durch den Emissionshandel und die Energiebesteuerung. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Deutsche Bahn als größter Energieverbraucher in Deutschland eine große Verantwortung in Bezug auf die Klimaschutzziele der EU trägt. So gewinnt das Unternehmen derzeit knapp die Hälfte seines elektrischen Energiebedarfs aus Kohle, die besonders viel Kohlendioxid und andere unerwünschte Schadstoffe bei der Verbrennung absondert. Deshalb sind die Energieabgaben gerechtfertigt, um das Unternehmen zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromgewinnung zu motivieren.

Zum anderen fordert Grube weiter auf die Schienennetze auch in anderen EU-Ländern diskriminierungsfrei für andere Verkehrsunternehmen zu öffnen. Während ausländische Staatsbahnen ihre Heimatmärkte abschotten, würden sie in Deutschland bessere Wettbewerbsbedingungen fordern.

So betreibt die französische Staatsbahn (SNCF) beispielsweise über ihre Tochter Keolis unter dem Markennamen eurobahn Leistungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Deutschland. Andersherum wird allerdings der Einstieg der Deutschen Bahn in den französischen SPNV-Markt verwehrt. Das es auch anders geht zeigen die Niederlande, wo die Deutsche Bahn mit ihrer Tochter Arriva schon mehr Verkehrsleistungen im SPNV betreiben, als die Expansionstochter der Niederländischen Staatsbahn, Abellio, in Deutschland.

Ein Kommentar


  1. trainguide
    04.07.11 um 11:49

    Ein „Wettbewerbsreport“ soll das also sein, was dort vorgelegt wurde. Aber eine Frage sollte man stellen, bevor man zu lesen beginnt: Seit wann kann man glaubwürdig über Dinge urteilen, die man selber bestimmt ? Ein Marktteilnehmer, der die Regeln des Wettbewerbes mit Hilfe des integrierten Konzerns steuert, wird ein Abbild seiner wahrgenommen Realität bieten. Vollkommen unabhängig und glaubwürdig ist das wohl nicht. Eher ein Beitrag zur Konzernwerbung.

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