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Auf zum letzten Gefecht?

24.06.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Nachdem die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gestern nicht nur bei der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG), sondern auch bei der AKN Eisenbahn AG und bei der Vogtlandbahn zu einem Arbeitskampf aufgerufen hat, hat sie am heutigen Freitag auch Mitglieder bei der Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt (VVSA/HEX) ab 3 Uhr und Berchtesgadener Land Bahn (BLB) und des „alex“ (Vogtlandbahn – VBG) ab 12 Uhr zum Streik aufgerufen.

In weitgehend inhaltsgleichen Erklärungen wird auf die Weigerung der Unternehmen zu einer bedingungslosen Akzeptanz des „BuRa-LfTV“ und eines „Betreiberwechselvertrages“ verwiesen.

In Teilen werden die ausländischen Gesellschafter für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht. So heißt es zum Scheitern u.a. bei der Vogtlandbahn:

Inwieweit die VBG selbst das Scheitern der Verhandlungen wollte und welchen Anteil der Gesellschafter Netinera daran hat, ist müßig, zu diskutieren.

Zum Scheitern bei Veolia Sachsen-Anhalt heißt es:

Trotz massiver Streiks der GDL verweigert das zum französischen Großkonzern Veolia gehörende Unternehmen nach wie vor Tarifverhandlungen zu inhaltsgleichen Rahmenregelungen und einem Betreiberwechseltarifvertrag.

Und auch über die Gesellschafter der BLB und des alex gibt es einen Seitenhieb auf die italienischen Gesellschafter:

Sowohl die BLB und als auch die VBG gehören zu Netinera Deutschland, dem drittgrößten Eisenbahnverkehrsunternehmen. In trauter Gemeinsamkeit verweigern sie trotz massiver Streiks die Verhandlungen zu inhaltsgleichen Rahmenreglungen und dem Betreiberwechseltarifvertrag.

Derweil soll die GDL das Streikgeld für die Mitglieder bei der Metronom Eisenbahngesellschaft erhöht haben, um die Talfahrt bei der Streikbeteiligung der Lokführer zu stoppen, teilte Metronom mit.

Das Thema wird uns sicher noch lange erhalten bleiben. Die GDL hat sich unter ihrem Vorsitzenden Claus Weselsky in eine Lage manövriert, in der sie ohne Gesichtsverlust kaum heraus kommen kann.
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19 Responses


  1. Weihnachtsmann
    24.06.11 um 20:04

    Die GDL hat sich unter ihrem Vorsitzenden Claus Weselsky in eine Lage manövriert, in der sie ohne Gesichtsverlust kaum heraus kommen kann.“

    Das sind wahre Worte, entweder die GDL setzt sich durch oder sie kann den Laden dicht machen.

    Was ich aber so unverschämt finde sind die Unternehmen aus dem Ausland. Kommen hier nach Deutschland und wollen nur profit einstreichen, normalerweise müsste man die Verträge mit diesen unternehmen kappen und tschüß!

    Drücke den Lokführern von den PrivatBahnen die Daumen. Nur nicht aufgeben! Kann mir einfach nicht vorstellen das diese ganze ablehnende Haltung der Privaten EVU’s kein nachspiel bei künftigen Ausschreibungen hat.

    Mfg

  2. Da frag ich mich, wo die DBag überall in der Welt die Hände im Spiel hat… naja…anders Thema, das sind ja Deutsche im Ausland…könnte man weiterdenken mit Daimler, VW Gruppe (usw.), Unilever, BASF, Bayer, Henkel Deutsche Bank, Siemens, ….wahrscheinlich wäre es mit der mehrzahl der deutschen großen Firmen so, das diese Ihren Sitz in Deutschland haben, aber woanders auch viele Standbeine haben, und diese ziehen ja auch das Geld aus dem Land nach Deutschland rein. Sowas ist halt in unserer globalisiereten Welt nicht mehr wegzudenken. Und wen den Firmen dann der „Nicht in deuschland produzierende Teil“ durch die anderen Staaten weggenommen würde, wäre in Deutschland wieder nen Politkrimi angestossen worden.
    Es bleibt bei mir weiterhin die Hoffnung, das sich die GDL wie erwachsene Menschen an den Tisch setzt und verhandelt.

    Den die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.


  3. Beobachter
    24.06.11 um 20:59

    @ Père Noël, Bobo Natale (das ist Weihnachtsmann auf französisch und italienisch)

    Was mir unangenehm auffällt ist, dass die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer so provokant gegen ausländische Gesellschafter von Eisenbahnunternehmen in Deutschland auftritt. Ich will hier aber beileibe nichts unterstellen, doch die Frage wird erlaubt sein, an welche Adressaten sich diese Aussagen richten.

    Aber ich kann Sie beruhigen, die Aufgabenträger werden in zukünftigen Ausschreibungen nicht die ablehnende Haltung eines EVU zu einem Tarifdiktat einer Spartengewerkschaft berücksichtigen.


  4. Weihnachtsmann
    24.06.11 um 21:26

    Das hat nicht die GDL gesagt sondern die Privatbahnen selber das die Gesellschafter das nicht wollen.

    Und was ist daran unangenehm wenn man einem UN unterstellt es zieht hier nur die Kolhe ausm Land und bezahlt dem Personal schlechte Löhne.
    Wo leben wir denn??

    GDL streikt für bessere Löhne und das ist auch gut so, ich hasse Menschen wie dich die gegen die eigenen Landsleute schießen nur weil diese versuchen etwas zu erreichen.


  5. Bahnfahrer
    24.06.11 um 22:17

    Weihnachtsmann, das klingt – vorsichtig gesagt – nationalistisch. Das, was die GDL von sich gibt, überdies auch. Auch die Deutsche Bahn engagiert sich erfolgreich im Ausland und hat Arriva sicherlich nicht gekauft, um britischen, dänischen und schwedischen Öffentlichen Verkehr zu subventionieren.n.

    Die GDL ist auf dem Holzweg. Sie wird nicht erfolgreich sein. Viele Bahnen hat sie bereits aufgegeben, allen voran die Nord-West-Bahn (mehrheitlich Veolia, also im Besitz der aus GDL-Sicht geldgierigen Franzosen), immerhin eine der ganz großen unter den Privatbahnen. Aber auch bei EVB und Abellio war die GDL nicht erfolgreich. Die GDL KANN also gar keinen bundesweit einheitlichen Lokführertarif mehr durchsetzen.

    Und von den einheitlichen Tarifen ist die Gewerkschaft mittlerweile auch abgerückt. Mittlerweile verhandelt sie, wenn sie nicht mal wieder aus Trotz Verhandlungen Scheitern lässt, stets über Haustarifverträge, auch wenn sie das anders nennt.

    Schon jetzt zeigt sich, dass die EVG am Ende insgesamt erfolgreicher gewesen sein wird. Ganz ohne Kriegsrethorik und nationalistische Untertöne.


  6. Lipperland
    25.06.11 um 05:28

    Bin normalerweise für private EVU’s. Aber was sich in den letzten Wochen abspielt, ist unter nicht mehr war.
    Dieses zeigt mir hier, das Zughalt nicht neutral berichtet.
    Immer wieder ist an allem die Gdl schuld.
    Was ist den mit der EVG.
    Die unterschreiben doch alles.


  7. Jürgen Eikelberg
    25.06.11 um 09:06

    @ Lipperland

    Wenn die EVG sich so verhalten würde, wie die GDL würden wir genau so darüber berichten. Wir sind keine Gewerkschaftsportal.

  8. Vieleicht sollten die Gewerkschaften mit den Aufgabenträgern reden, dass diese einheitliche Tarifbedingungen in den Ausschreibungen vorgeben. Dann ist Lohndumping kein Wettbewerbsvorteil mehr.


  9. Metronom-Pendler
    25.06.11 um 11:34

    Ich möchte vorausschicken, dass ich ein nicht-gewerkschaftlich organisierter Bahnkunde bin, dem die aktuelle Situation zum Hals raushängt.

    Dennoch kann ich Ihre Ansicht nicht teilen, dass der GDL ein Gesichtsverlust drohe.

    Die Gewerkschaft hat bei der DB einen Abschluss erreicht und wird aller Voraussicht nach mindestens einer Handvoll privater EVUs ihren Willen aufzwingen.

    Bei Abellio hat sie zudem die Fähigkeit bewiesen, im Zweifelsfall ohne viel Federlesens den Schw*nz einzuziehen. Die nächste Tarif-/Streikrunde kommt bestimmt!

    Für mich als Pendler hat die lapidare Aussage, man solle bei Zugausfall doch auf andere Verkehrmittel ausweichen, zur Folge, dass ich mittelfristig die Anschaffung eines Zweitwagens mit einplanen muss. Ob ich mir in dem Fal zusätzlich noch eine Jahreskarte für die Bahn vorhalte (vielleicht fährt sie ja mal zuverlässig?), darf verständlicherweise bezweifelt werde.


  10. trainguide
    25.06.11 um 15:32

    Streikgeld erhöhen ? Einfach aufhören, zu streiken!

    @Weihnachtsmann
    Private EVU sollen die Bude dicht machen ? Dann kommt die Lumpenbude und bietet Monopolverträge mit fetten Renditen und wenig Leistung. NEIN DANKE !


  11. Arbeitnehmer
    25.06.11 um 15:55

    @Bahnfahrer, Metronom-Pendler

    Bei Nord-West-Bahn glaube ich auch, dass dort die GDL nichts erreichen kann und wird. Bei Abellio ist, denke ich, noch nicht das letzte Wort gesprochen. Das ist nur eine Mutmaßung in diesem Journal weil dort, zur Zeit, keine Streiks mehr stattfinden. Ich gehe mal von Gerichtlichem Geplänkel aus, das mal nicht in der Presse groß und breit getreten wird.

    @Trainguide

    Streik beenden ? Gerne. Die Fahrpersonal fahren lieber Ihre Züge als zu streiken. Aber ohne entsprechende Zustimmung der Arbeitgeber zu Rahmenregelungen wird das wohl nichts.


  12. Lokführer
    26.06.11 um 02:56

    trainguide sagt:
    Samstag 25. Juni 2011 um 15:32

    Streikgeld erhöhen ? Einfach aufhören, zu streiken!

    Ich hoffe die KollegInnen halten noch lange durch.
    Sollte das Streikgeld schwinden bin ich auch bereit einen Teil meines Einkommens zu spenden, denn es geht bei diesem Konflikt auch um meine Zukunft.

    M.f.G.
    Lokführer

  13. Ich fordere die GDL auf, dafür zu sorgen, dass alle Lokführer, die nur einen Hauptschulabschluss aufweisen können, sofort entlassen werden.Diese sind laut GDL nicht würdig, diesen verantwortungsvollen Posten auszuüben.

    Weiterhin fordere ich die GDL auf, ihren erpresserischen Kurs beizubehalten. Wo kommen wir denn hin, wenn Unternehmen nicht so wollen, wie die GDL es will und es vor allem ihren Mitgliedern großmäulig versprochen hat? Wieso soll die GDL auch nur einen Deut in ihren Forderungen zurückgehen. Das wäre ja eine der GDL unwürdige Verhandlungsbereitschaft.

    Dieser „Scheiß auf den Fahrgast“ Streikgeist ist unbedingt durchzuhalten, denn der, der uns das Geld letztendlich bringt, geht die GDL nichts an, bzw, ist ihr egal!


  14. schmalspurfan
    26.06.11 um 13:08

    Als nicht streikender Mitarbeiter der Vogtlandbahn hoffe ich nur, dass die Streithähne bald wieder ihr Gehirn einschalten und es nicht zulassen, dass die Firma an die Wand gefahren wird. Wer wie ich von Anfang an dabei ist dem fällt es zunehmend schwer Verständniss für den GDL Kurs auf zu bringen. Aber in dieser Gesellschaftsordnung bringen es die Täuscher und Blender eben am weitesten und alle blöden Schafe rennen den rhetorisch hervorragend geschulten Gewerkschaftsbossen hinterher !


  15. Zoodirektor
    26.06.11 um 15:21

    Ein Krokodil hat eine großartige Idee und sagt: : „Ich werde eine Gewerkschaft für Tiere gründen!“

    „Eine ausgezeichnete Idee!“ antwortet der Pavian und kratzt sich am Kopf und unter den Armen. Ich bin ein Affe und habe einen roten Hintern …, meine Frau ist ein Affe und hat einen roten Hintern …, meine Kinderchen sind auch alle Affen und haben einen roten Hintern, wir wären phantastische Gewerkschaftler. Aber sag einmal, Krokodil warum willst ausgerechnet Du eine Gewerkschaft gründen?“

    „Nun ja“, sagt das Krokodil. „Ich habe eine Riesenschnauze …, meine Frau …, meine Kinder …“

  16. Die Frage ist doch, können die Bahnen die GDL- Forderungen bezahlen? Sind die GDL- Forderungen der Arbeit angemessen? wenn ja, ist streiken berechtigt. Mit der Bahnreform wurde auch das Streikrecht eingeführt. Früher waren die Eisenbahner meist Beamte, ohne Streikrecht, aber mit einer Garantie, ihr Leben lang einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Statt zu reformieren und dezentralisieren stand und steht die Politik auf Privatisierung! Es wäre besser gewesen vollkommen transparente öffentliche Bahnen zu schaffen, die in öffentlicher Hand der Daseinsgrundversorgung dienen. ich sehe bis heute nicht, wo die Einsparung liegen soll, die es im Bahnbereich durch die neue private Rechtsform geben sollte. Eher ist die Intransparenz gestiegen und die Kunden dürfen es vielfältig ausbaden. Eine im Sinne des Subsidiaritätsprinzipes dezentral organisierte öffentliche Bahn die transparent dem Gemeinwohl dient, wäre der bessere Weg. Jetzt müssen die Eisenbahner von Ausschreibung zu Ausschreibung um ihre Jobs fürchten. Beispiel Dortmund- Lüdenscheid. nach wenigen Jahren NE- Bahn – Betrieb viel die Strecke zurück an die DB. Und zur nächsten Ausschreibung?
    Wenn durch Transparenz Kontrolle und Vergleichbarkeit gegeben ist, braucht man im Bahnverkehr keine Ausschreibungen. Es muss nur die demokratische Kontrolle verbessert werden und der direktdemokratische Einfluss, damit eine Bahn entsteht, die optimal den Menschen dient.
    Vielleicht sollte Lokführer auch wieder ein richtiger Ausbildungsberuf werden. Früher mussten Lokführer in der Lage sein, einfache Reparaturen an den Fahrzeugen selber vorzunehmen. Sie konnten daher auch, wenn sie nicht mehr für den Fahrdienst tauglich waren, in den technischen Service wechseln.
    Aber das ist Geschichte. Jetzt dürfen Lokführer streicken und bleibt nur die Frage, sind deren Forderungen berechtigt?


  17. Beobachter
    26.06.11 um 19:59

    @ Felix Staratschek

    Ob die Bahnen die Forderungen der GDL bezahlen können, hängt davon ab, wie sie die Lohnkosten in ihr Angebot eingepreist haben. Dazu werden sie aber bestimmt nichts sagen. Auf jeden Fall vermindern sie die Gewinnmarge. Aber die Lohnhöhe ist nicht der entscheidende Faktor bei der Ablehnung. Der Widerstand richtet sich in erster Linie gegen den Betreiberwechseltraifvertrag, der die unternehmerische Freiheit beschneidet. „Unternehmer“ hat es in einem anderen Beitrag schon auf den Punkt gebracht, das hätte keinen Bestand vor dem BGH, wenn es vom Gesetzgeber käme.

    In einen Tarifvertrag gegossen besteht aber kaum die Möglichkeit, diesen vor dem BGH anfechten zu lassen, wenn die eigene Unterschrift darauf steht. Für die Deutsche Bahn spielt dass allerdings keine Rolle, der Laden ist zu groß, dass dort ein paar Lokführer mehr oder weniger gar nicht auffallen. Sie wird sogar froh sein, wenn sie überschüssiges Personal auf diese Weise „entsorgen“ kann.

    Für ein kleineres Unternehmen spielt es aber eine große Rolle, ob sie statt der benötigten 20 nun 35 Lokführer übernehmen müssen. Und der ständige Verweis der GDL, das die Nord-Ostsee-Bahn oder der HEX zur französischen Veolia-Gruppe gehört oder das die italienische Nentinera an der BLB beteiligt ist, macht es nicht richtiger. Das sind kleine Bahnunternehmen, die ihre eigene Bilanz erstellen.

    Wie war es vor der Bahnreform? Die Beamtenbahn wurstelte vor sich hin, hat Steuergelder verbraten und kilometerweise Strecken stillgelegt. Ein Bahnbeamter war nicht kunden-, sondern vorschriftenorientiert. Und (nicht nur) deshalb sind die Menschen auf das Auto umgestiegen. Mit der Bahnreform und den Regionalisierungsgeldern wurde nicht nur eine Kostenbremse eingeführt, sondern auch schrittweise eine Verbesserung des Angebotes, die zu steigenden Fahrgastzahlen führte.

    Eine „vollkommen transparente öffentliche Bahn“, wie Sie es sich vorstellen, kann es nicht geben.
    Jedes Unternehmen braucht eine Rechtsform. Zu Auswahl stehen u.a. GmbH und AG. In keiner Gesellschaftsform ist aber die von Ihnen geforderte Transparenz im Tagesgeschäft gegeben, lediglich am Ende eines Geschäftsjahres ist das Ergebnis abzulesen. Bei einer AöR gibt es zwar einen Geschäftsbericht, aber den kann man nur zu Kenntnis nehmen und bei einer Behörde gibt es so gut wie gar keine Verpflichtungen, außer dem Haushaltsabschlussbericht. Eine „direktdemokratische“ Bahn ist eine Illusion.

    Die Transparenz ist durch die Bahnreform, entgegen Ihrer Meinung, sogar gestiegen. Jeder interessierte Bürger kann die Zahlen einsehen, welche für den öffentlichen Verkehr bereit gestellt werden und jeder kann in die Bilanzen der Eisenbahnunternehmen schauen.

    Es ist aber der Lauf der Marktwirtschaft, das ein Unternehmen verliert, das andere gewinnt. Sie kaufen heute bei Lidl und morgen bei Aldi. Verlangen Sie dann auch, dass die Kassiererin von Lidl morgen bei Aldi an der Kasse sitzt? Gut, Lokführer mögen diesen Vergleich als „nicht passend“ bezeichnen, weil Lidl direkt neben Aldi gebaut hat, aber im Kern trifft er die Wahrheit.

    „Früher“, also zu Zeiten der alten Deutschen Bundesbahn und der DDR-Reichsbahn war der Lokführerschein eine Zusatzqualifikation für Lokschlosser und andere technische Berufe bei der Bahn. Wenn damals ein Lokführer nicht mehr für den Fahrdienst tauglich war, ging er zurück an seinen alten Arbeitsplatz und wurde u.U. Ausbilder.

    Auf Grund moderner(er) Loks und Triebwagen ist diese Voraussetzung in der Ausbildung allerdings nicht mehr erforderlich. Dennoch ist es sicher erforderlich, die Ausbildung von Lokführern in zertifizierte Hände zu legen und mit einer staatlichen Prüfung (EBA) abzuschließen.

  18. Grundsätzlich ist es ja sinnvoll, wenn bei einem Betreiberwechsel die Lokführer vor Ort übernommen werden. In vielen Fällen dürfte das auch kein Problem sein, solange sich im Zugangebot nichts ändert. es wären aber Klauseln sinnvoll, wann nicht alle Lokführer übernommen werden müssen, wenn z.B. das Angebot eingeschränkt wird.

    Es ist auch verständlich, wenn Mitarbeiter nicht bei jedem Arbeitgeberwechsel wieder als Probearbeiter anfangen müssen, auch hier kann ich eine Regelung im Tarifvertrag verstehen.

    Was die öffentliche Bahn angeht, wenn es die Rechtsform dafür nicht gibt, muss die geschaffen werden. Die Bahn ist ein natürliches Monopol. zumindest im Personenverkehr kann 100% Transparenz herrschen. Denn hier zählt alleine das gute abgestimmte Angebot, welches es nur einmal ohne jeden weiteren Wettbewerb gibt. Deswegen ist vielen Marktideologen die Bahn auch suspekt.

    Was die Bahnbeamten anging, waren die oft kreativer, als es die Behörde verlangte. Die alten Behördenregeln legten vielen motivierten Leuten Fesseln an. Aber ich kann trotz allem die vielen kleineren Stationen nicht vergessen, wo die Eisenbahner mit viel liebe zu ihrem Arbeitsplatz alles in Ordnung hielten und darüber hinaus noch für Blumenschmuck sorgten.

    Eine Kostenbremse kann ich durch die Bahnreform nicht sehen, weil die Bahn AG weiter stillgelegt hat, was im Prinzip ja Kosten senken müsste und weil diese viel mehr Geld bekommt, als früher die DB und DR und weil ihr alle Schulden und Zinszahlungen genommen wurden. Gemessen daran ist das Wirtschaftsergebnis der Bahn erschreckend schwach und die bereits wieder erreichte Verschuldung erschreckend hoch.


  19. Beobachter
    26.06.11 um 22:56

    @ Felix Staratschek

    Sicher ist es sinnvoll, das Personal je nach Qualifikation und Motivation zu übernehmen. Doch einen Zwang hierzu darf es nicht geben. Schon in einem anderen Beitrag habe ich angeführt, dass sich die Lokführer bewerben und eine Probezeit durchlaufen müssen. Das ist in Ihrem Beruf sicher nicht anders ;)

    Aber bitte schön, wie soll die zu schaffende Rechtsform einer öffentlichen Bahn aussehen, wenn die gängigen Rechtsformen unzureichend sind?

    Ach ja, der Blumenschmuck an kleineren Stationen wurde von den Bediensteten auf eigene Kosten beschafft. Sie dürften froh gewesen sein, wenn das Gießwasser ihnen nicht noch zur Last gelegt wurde.

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