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150 Jahre Nahverkehr in München

10.06.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Im Oktober will die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit allen Münchnerinnen und Münchnern 150 Jahre Nahverkehr in München feiern. Dabei stehen sogar drei Jubiläen in diesem Jahr an: 150 Jahre „Busverkehr“, 135 Jahre Straßenbahn und 40 Jahre U-Bahn.

Am 16. Juni 1861 nahm der Fuhrunternehmer Michael Zechmeister mit einer eisenbereiften Großraumkutsche in München einen Linienbetrieb auf. Dies war die Geburtsstunde des öffentlichen Nahverkehrs in München. Die von Pferden gezogenen „Groschenwagen“ fuhren nach Fahrplan und auf einer festen Route. Die erste Linie führte vom Central-Bahnof, Marienplatz und Mariahilfkirche. Zwar musste Zechmeister wegen zu geringer Nachfrage den Betrieb zwei Jahre später einstellen, doch 1868 wagte er einen neuen Versuch.

Diese „Pferde-Omnibusse“ verkehrten dann 14 Jahre bis in das Jahr 1882. Zechmeister stellte den Betrieb zu Gunsten der neuen Pferde-Straßenbahn ein und kassierte die damals hohe Summe von 13.000 Mark von der Trambahn-Direktion.

Die erste Pferdetram auf Schienen fuhr allerdings schon am 21. Oktober 1876. Die private „Münchner Tramway Ed. Otlet“ nimmt auf der Strecke Promenadeplatz – Hauptbahnhof – Maillingerstraße ihren Betrieb auf. Otlets Kapital reicht aber auf Dauer nicht aus. Deshalb gründet der aus Belgien stammende Ingenieur bereits 1878 mit einer französischen Finanzgruppe die „Sociéte Anonyme des Tramways de Munich“. Bis 1879 wächst das Pferdebahn-Netz auf 13,5 km Streckenlänge.

Eben im oben erwähnten Jahr 1882 wird die Pferdetram bayrisch. Otlet war bei den Stadtvätern in Ungnde gefallen und der Betrieb wird auf die neu gegründete Münchner Trambahn-Aktiengesllschaft (MTAG) übertragen. Die Stadt verpflichtete die MTAG zu umfangreichen Ausbauprogrammen.

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Eine Dampftrambahn vom Stiglmaierplatz zur Notburgastraße (1883 bis 1895) und die so genannte „Ungererbahn“ vom Feilitzschplatz zum Ungererbad (1886 bis 1895) – ein Vorläufer der elektrischen Straßenbahn – bleiben Randerscheinungen.

Auf Beschluß des Magistrats kommt es ab 1894 zur Umstellung aller Trambahnlinien auf elektrische Traktion. Zum 23. Juni 1895 wird die Strecke Färbergraben – Isartalbahnhof als erste probeweise auf Oberleitungsbetrieb umgestellt . In den nächsten fünf Jahren folgen die übrigen Linien. 1903 befördern 1.142 Mitarbeiter mit 281 elektrischen Triebwagen und 312 Beiwagen auf fast 58 km Schienenstrecke über 40 Millionen Fahrgäste.

Die private MTAG konnte die gewaltigen Kosten nicht stemmen. Daher übernahm die Stadt München Mitte 1907 die Trambahn als kommunalen Eigenbetrieb und führte sie als „Sädtische Straßenbahnen“ weiter. Neubaustrecken und neue Wagen verhalfen der Tram in den folgenden Jahren zu einer Blütezeit. Das um die Jahrhundertwende gegründete private Omnibusunternehmen von Josef Petuel, das mit motorgetriebenen Bussen einen privaten Verkehr betreiben wollte, konnte sich nicht durchsetzen.

Die beiden Weltkriege haben auch bei der Tram ihre Spuren hinterlassen und die strengen Auflagen der amerikanischen Militärregierung machen den Wiederaufbau schwierig. Hinzu kam, das bereits ab 1925 sich der Omnibus mehr und mehr durchsetzte. Dennoch war der Wiederaufbau bis 1952 abgeschlossen und ab 1956 entstanden auch Neubaustrecken.

Nachdem der Stadtrat sich im Jahre 1964 in einer Grundsatzentscheidung für den Bau einer U-Bahn entschlossen hatte, verfiel die Tram in Ungnade. Und das, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt mit 135 Km Streckenlänge die größte Ausdehnung ihrer Geschichte hatte. In den folgenden knapp 30 Jahren folgte Stilllegung auf Stilllegung.

Am 1. Februar 1965 beginnt der U-Bahnbau am heutigen U-Bahnhof Nordfriedhof nach den Maßgaben eines ersten „Gesamtverkehrsplans“. Der Olympia-Zuschlag beschleunigt 1966 den S- und U-Bahnbau. Am 19. Oktober 1971 eröffnet die 12 Kilometer lange U6 Kieferngarten – Goetheplatz als erste U-Bahn-Linie, am 8. Mai 1972 folgt die „Olympialinie“ U3. Etwa zeitgleich beginnt der S-Bahnbetrieb (28. April 1972). Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) wird am 5. April 1971 ins Leben gerufen. 1981 befördert die U-Bahn erstmals mehr Fahrgäste als die Tram, 1984 sind es bereits 200 Millionen Menschen. Die Stadt Garching sorgt dafür, dass die U-Bahn 1995 erstmals die Münchner Grenzen überschreitet. Seit 1999 wird auch die Messestadt Ost angefahren.

Im Jahre 1993 ist das Trambahn-Netz um die Hälfte, nämlich auf 65 Kilometer geschrumpft, die von acht Linien befahren werden. Doch die Münchnerinen und Münchner wollten ihr Tram erhalten und 1986 beschloss der Stadtrat einstimmig die Erhaltung und Modernisierung der Trambahn. Seit 1991 ist sie fester Bestandteil der integrierten ÖPNV-Planung. Es werden neue niederflurige Fahrzeuge beschafft und seit 1996 wird das Netz auch wieder ausgebaut.

Bild: Wolfgang Wellige, MVG
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