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Ist die Bahn beim Energieverbrauch wirklich umweltfreundlich?

27.05.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Das fragte sich auch die Magazinsendung „Plus-Minus“ der ARD. Was bedeutet der Atomausstieg für die Deutsche Bahn, dem größten Stromverbraucher der Republik? Bislang hat das Thema kaum Beachtung gefunden, und vermutlich war es der Bahn ganz recht. Die Diskrepanz zwischen Öko-Image und Realität könnte nicht größer sein.

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In der Werbung gibt sich die Bahn gerne als Vorreiter in Sachen Öko. Wer in der Fahrplanauskunft der Bahn den UmweltMobilCheck unter den vorgeschlagenen Verbindungen aufruft, wird in schönen Grafiken davon überzeugt, dass die Bahn bei dem Verbrauch von Energieressourcenverbrauch, beim Kohlendioxid und beim Feinstaub um Längen besser abschneidet, als das Auto oder das Flugzeug.

Weniger bekannt ist aber, dass jeder vierte Zug mit Atomstrom fährt. Das Atomkraftwerk Neckarwestheim (an dem die Deutsche Bahn beteiligt ist) liefert den Bahnstrom. Nach einem Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit soll es zu den am wenigsten gegen einen terroristischen Flugzeugangriff geschützten Anlagen in Deutschland gehören. Die Umweltorganisation Greenpeace hat errechnet, dass allein für die Deutsche Bahn in den mehr als dreißig Jahren 110 Tonnen hochradioaktiver Müll entstanden sind.

Dennoch setzt die Deutsche Bahn weiterhin auf Atomstrom. So errichtet sie unmittelbar neben Neckarwestheim für 46 Millionen ein neues Umrichterwerk, wo ab 2012 der Atomstrom direkt in 15 kV 16,6 Hz Bahn-Strom umgewandelt werden kann.

Als sich die Industrie 2010 in großformatigen Anzeigen einen energiepolitischen Appell an die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, war Rüdiger Grube einer der ersten, die den Füllfederhalter gezückt und unterschrieben hat. Das war vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Einem Interview gegenüber Plus-Minus, wie es nun mit der Energiewende bestellt sei, wich er aber aus. Schriftlich ließ er erklären: „Ein einseitiger sofortiger Ausstieg aus der Kernenergie ist derzeit nicht möglich (…) für eine Übergangszeit wird es ganz ohne Kernenergie nicht gehen, bis sie von erneuerbaren Energien abgelöst wird.“

Auf einen Atomausstieg ist die Deutsche Bahn überhaupt nicht vorbereitet. Durch langfristige Lieferverträge muss sie den Strom abnehmen, so lange der Meiler läuft. Wenn wegen der „Energiewende“ die Meiler in Neckarwestheim früher vom Netz gehen, steht die Bahn vor einem Dilemma. Man bräuchte 270 Windparks, um den gesamten Strombedarf der DB zu decken, wie Experten errechneten. Bisher hat die DB mit sag und schreibe ZWEI (!) Windparks Lieferverträge abgeschlossen.

Hingegen hat die Schweizer Bahn den Ausstieg aus dem Atomstrom beschlossen. Allerdings hat die Schweiz es etwas leichter, weil rund 75 Prozent des Stroms schon heute aus Wasserkraft gewonnen werden.[ad#Bigsize-Artikel]

2 Responses

  1. Das Umrichterwerk und sein Standort sind absolut sinnvoll: Unabhängig vom Betrieb der KKW ist der Standort ideal für ein Kraftwerk, z.B. GuD als Folgekraftwerk, geeignet: gute Kühlmöglichkeit, hohe regionale Lasten, kaum optische Beeinträchtigung der Landschaft. Und selbst wenn zukünftig kein Kraftwerk an dieser Stelle im Betrieb sein sollte: Der Netzknoten ist außerordentlich leistungsfähig. Also liebe DB Energie: Alles richtig gemacht!

  2. Es sind 16,7 Hertz, wobei ich gerade nicht sicher bin, ob in Neckarwestheim nicht noch ein alter, synchron laufender Umrichter mit der alten Frequenz von 16,6(6) Hertz im Betrieb ist. 16,6 Hertz hatten wir in Deutschland allerdings nie.

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