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Deutsche Bahn und Siemens unterzeichnen Vertrag über die Lieferung von 300 ICx

10.05.11 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Auch im Rheintal sollen die neuen Züge zukünftig verkehrenDie Deutsche Bahn und Siemens unterzeichneten gestern in der DB Akademie im ehemaligen Kaiserbahnhof in Potsdam einen Milliardenauftrag zur Lieferung von bis zu 300 neuen Triebzügen für den Fernverkehr. Dabei handelt es sich um den größten Einzelauftrag, den die Unternehmen jemals abgeschlossen haben. Die neuen Triebzüge mit dem Namen ICx sollen die veraltete Flotte auf den InterCity-Linien ablösen und zukünftig als Ersatz für die ersten ICE-Baureihen dienen.

Gemeinsam unterzeichneten die Vorstandsvorsitzenden von DB und Siemens, Dr. Rüdiger Grube und Peter Löscher, in Anwesenheit von Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der DB, Professor Dr. Dr. Utz-Hellmuth Felcht, den Vertrag zur Lieferung der neuen Züge.

Der 8.000 Seiten starke Rahmenabrufvertrag mit einer Laufzeit bis 2030 sieht einen sofortigen Abruf von 130 Zügen vor. Die Lieferung von weiteren 90 Zügen ist eingeplant. Der Auftragswert für die ersten 220 Züge beträgt rund sechs Milliarden Euro. Weitere 80 Züge kann die Deutsche Bahn jederzeit bestellen.

Bahnchef Grube möchte mit dem ICx einen Grundstein für den Fernverkehr der Zukunft und neue Maßstäbe bei Zuverlässigkeit, Umweltfreundlichkeit und Komfort setzen. Er versichert seinen Kunden, dass sie sich auf den modernsten Zug der Welt freuen können.

Siemens-Chef Löscher sagte, dass die Energieeffizienz und Modularität dieser Fahrzeuge eine nie dagewesene Wirtschaftlichkeit im Betrieb bietet und die flexible Raumgestaltung einen neuen Komfort für die Fahrgäste. Damit soll der ICx neue Standards für den Verkehr zwischen Ballungsräumen und Städten setzen.

Der ICx basiert auf einem neuen Plattformkonzept, so werden die einzelnen Antriebskomponenten jeweils auf einen Wagen sog. Powercars beschränkt. Dadurch können die einzelnen Wagen leichter voneinander getrennt und in anderer Konfiguration zusammengesetzt werden. So kann man in Zukunft unkompliziert die Züge auf das Reisendenaufkommen der einzelnen Linien abstimmen.

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Die Triebzüge werden in zwei verschiedenen Varianten ausgeliefert. Die siebenteiligen Triebzug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 Kilometern pro Stunde verfügen über drei angetriebene Wagen und bietet 499 Sitzplätze. Die zehnteilige Variante mit fünf angetriebenen Wagen erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 249 Kilometern pro Stunde und verfügt über 724 Sitzplätze. Diese Konfiguration kommt in Betracht um die ICE 1 und ICE 2-Flotte zu ersetzen.

Beide Varianten werden mit Bord-Bistros, Kleinkindabteilen und Fahrradstellplätzen ausgerüstet sein. Eine neue Sitzgeneration soll trotz größerer Sitzzahl im Innenraum, den Fahrgästen mehr Freiraum bieten. In der ersten Klasse stehen zusätzlich Leselampen und Steckdosen an jedem Sitzplatz zur Verfügung. In der zweiten Klasse wird nur jeder Doppelsitz je eine Steckdose erhalten.

Die Reisenden werden in jedem Wagen über bis zu sechs Deckenbildschirme und jeweils einem Monitor im Einstiegsbereich informiert. Für Rollstuhlfahrer steht ein Hublift bereit, der vom Bordpersonal bedient werden kann. Dieser ist in unmittelbarer Nähe zum Mehrzweckbereich und dem behindertengerechten WC an den Türen angebracht.

Gegenüber früheren ICE-Baureihen konnte das Gewicht um 20 Tonnen reduziert und die Aerodynamik deutlich verbessert werden. Der Energieverbrauch der Fahrzeuge soll um 30% gegenüber den Bestandszügen verringert werden.
Vor der Serienfertigung müssen die Züge einen 14-monatigen Probetrieb durchlaufen, davon zwölf im Fahrgastbetrieb. Mögliche Verbesserungsvorschläge sollen dann in die Serie einfließen. Die ersten Züge sollen ab 2016 im Linienbetrieb zum Einsatz kamen.

Unter folgendem Link hat die Deutsche Bahn eine ausführliche Broschüre im PDF-Format über den ICx hinterlegt: http://www.deutschebahn.com/site/shared/de/dateianhaenge/presse/daten__fakten__icx.pdf

Bild: Siemens Mobility

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3 Responses

  1. Ähm, die zehnteilige Variante kann (wenn man nur die Länge betrachtet) eigentlich nur die ICE1-Flotte ersetzen. Die erste ICE-Baureihe hatte eine maximale Länge und darf deswegen im Reisebetrieb nicht gekoppelt werden. Der ICE2 war da schon bedeutend kürzer und konnte nun gekoppelt werden. Dadurch war es erstmals möglich zwei Städte unabhängig voneinander anzufahren, aber bis zum Koppelpunkt nur einen Zug zu haben.
    Ich glaube kaum, dass das die zehnteilige Variante des ICx schaffen wird.

  2. Das wird nicht gehen, weil die zehnteilige Einheit 288 Meter lang sein wird, die maximale Bahnsteiglänge normalerweise bei ca. 400 Metern liegt.

    Interessant finde ich, dass mit deutlich kürzeren Zügen (288 statt ca. 400 m) ähnlich viele Personen (724 statt ca. 800) transportiert werden sollen. Auch auf den Fotos wird erkennbar, dass die großzügigen Platzverhältnisse im ICE 1 nach einigen Vorboten (ICE 3, ICE T, Doppelstock-IC) zukünftig der Vergangenheit angehören werden. Gleichzeitig finde ich es sehr gut, dass die Bahn hier offenbar niedrige Energie- und damit Betriebskosten im Auge hat.

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