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Baureihe 422: Aussetzer der PZB wegen Erschütterungen

06.05.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Die Baureihe 422 verkehrt zurzeit mit Geschwindigkeitsbeschränkungen und einem zweiten Mann als Ersatz für die gestörte Zugbeeinflussung PZB. Diese Maßnahmen waren Anfang April nötig geworden, als bekannt wurde, dass sich die PZB gelegentlich selbsttätig abschaltete. Eigentlich soll das System überwachen, dass der Lokomotivführer jede (Halte-)Signal zur Kenntnis nimmt.

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Für die DB sei das Bekanntwerden dieses Problems eine Hiobsbotschaft gewesen, wie DB Regio NRW-Geschäftsführer Michael Fassel sagte. Beim Hersteller Bombardier hingegen sieht man den Fehler nicht so kritisch, da er nur sporadisch aufgetreten sei und die Fahrzeuge ansonsten zuverlässig seien.

Seit Anfang April liefen nun die Untersuchungen der Ursachen dieser Störung. Jetzt endlich konnte Bombardier feststellen, dass die Technik zu empfindlich auf Erschütterungen reagiert. Eigentlich sollte man dies ja nicht erwarten, denn Erschütterungen im Bahnbetrieb gehören ja zur Tagesordnung. Nun werde die Soft- und Hardware entsprechend nachgerüstet, sodass sie seltener ausfalle und außerdem den Ausfall melde.

Doch die Umstellung aller 84 Fahrzeuge wird noch einige Zeit dauern, da die Umstellung zuerst vom Eisenbahnbundesamt (EBA) genehmigt werden muss. Die Änderungen sind zu gravierend, um ohne diese Genehmigung auszukommen. Erst wenn das EBA nach einigen Wochen die Maßnahme erlaubt hat, kann der Umbau aller Triebwagen der Baureihe 422 starten, der dann auch wieder einige Wochen dauern wird.

Bis dahin werden weiterhin 150 Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen des Konzerns bei den Triebfahrzeugführern auf der Strecke mitfahren und die Beachtung der Signale überwachen müssen. Ebenso werden die Züge weiterhin mit nur 100 km/h verkehren, wodurch Verspätungen nicht zu vermeiden sind.
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7 Responses

  1. Wieso dürfen die weiterhin nur mit 100km/h fahren?
    Wird dem PZB mehr zugetraut als der zweiten Person im Führerstand?

  2. Das ist Vorschrift. Mit gestörter oder abgeschalteter PZB Vmax = 100km/h!

  3. Und der Triebfahrzeugbegleiter (richtige Bezeichnung fuer den „zweiten Mann“ (m/w)) muss eine betriebliche Ausbildung haben. Also, ist nicht so wie man’s hier evtl. verstehen koennte, dass beliebige Mitarbeiter in Frage kommen.


  4. Clemens Kistinger
    06.05.11 um 16:24

    Aber ein Triebfahrzeugbegleiter kann recht schnell ausgebildet werden ;)

  5. Na ja, was verstehst Du unter recht schnell? Man darf Tfzb und Tfzb nicht verwechseln ;)

    Die einen sind bei Ausfall Sifa. Da kann man sich eine beliebige Person krallen und sagen: „Wenn ich auf dem Boden liege, dann ziehst Du diesen Hebel“ und fertig.

    Die anderen sind bei Ausfall PZB, also die die hier benoetigt werden. Die muessen erheblich mehr wissen. Signale, anschliessender Weichenbereich… In der Praxis sind nur ein anderer Tf sowie Zub mit Zf-Berechtigung geeignet; selbst Fahrdienstleiter sind in der Regel nicht geeignet.

  6. Also wenn die Sifa ausfällt fahre ich mit Vmax 50km/h, mit Vmax kann ich weiter fahren wenn ich einen ausgebildeten Betriebseisenbahner mit habe und nicht irgend jemanden. Und den muß ich einweisen wie er das Tfz zum stehen bringt und wie er einen Notruf abzusetzen hat. Bei PZB-Ausfall muß ich laut Vorschrift niemanden mitnehmen sondern nur die Vmax von 100km/h beachten. Das liegt im ermessen des Unternehmens. Im Normalfall fährt auch kein Mensch planmäßig ohne oder mit defekter PZB…das ist schon extrem grenzwertig!

  7. Na ja, ich meinte schon Betriebseisenbahner mit „beliebige Person“, dass ich keinen Fahrgast nehmen kann ist ja wohl selbstredend ;-) Aber es ist halt jede Person zugelassen, die Taetigkeiten im Bahnbetrieb verrichten darf (408.0301 2 2), das umfasst doch schon einige Leute.

    Hingegen das mit dem Triebfahrzeugbegleiter… Hab ich die falschen Regeln angefuehrt, das mit der besonderen Ausbildung gilt bei Fahrzeugen, die ueber 140 km/h fahren und keine Zugbeeinflussung haben; nicht bei gestoerter Zugbeeinflussung, da isses 408.0651 2 1. Stimmt also… Da braucht man keinen richtigen Tfzb.

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