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100 Jahre Hohenzollernbrücke

09.05.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

„Nächster Halt, Köln Hauptbahnhof“ Wer sich als Fremder mit dem Zug von der „Scheel Sick“ (scherzhafte Bezeichnung der Kölner für die rechtsrheinischen Stadtteile) dem Hauptbahnhof der rheinischen Metropole nähert, drückt das Gesicht an die Scheibe, um auf den Rhein und vor allem auf den Dom zu blicken. Zwischen dem Bahnhof Köln/Messe – Deutz und dem Hauptbahnhof liegt die Hohenzollernbrücke.

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Nicht nur die „Bahnhofskappelle“, wie einige Schandmäuler den Kölner Dom bezeichnen, sondern auch die Brücke selbst ist ein beliebtes Foto und Postkartenmotiv. Sie ist neben dem Dom und dem Rhein das Wahrzeichen der Stadt. In den Jahren 1907 bis 1911 wurde sich erbaut und feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.

Die Hohenzollernbrücke ist genau auf die Mittelachse des Kölner Doms ausgerichtet. Die drei grün gestrichenen Stahlfachwerkbögen spannen sich über die 413 Meter lange Brücke. Die drei nebeneinander liegenden Brücken sind zusammen fast dreißig Meter breit und auf diesen Verlaufen sechs Eisenbahngleise, die täglich rund 1.500 Züge aufnehmen. An beiden Seiten sind auch Fuß- und Radwege.

Im vergangenen Jahrhundert war es üblich, die Brückenrampen zu verzieren. Das Bauwerk war nicht nur ein reines Zweckobjekt, es musste ein Kunstwerk sein. Vier Reiterstandbilder der preußischen Hohenzollern-Dynastie  –  Köln gehörte damals zu preußischen Rheinprovinz  –  prägen noch heute das Stadtbild an der Hohenzollernbrücke. Der Kaiser Wilhelm II. förderte selbst den Bau der Brücke und beteiligte sich maßgeblich an der Gestaltung. Am 22. Mai 1911 kam er persönlich zur Einweihungsfeier. Sein Denkmal, das unmittelbar neben dem Museum Ludwig auf der linken Rheinseite liegt, ist für Historiker etwas besonderes.

Es ist das einzige erhaltene Reiterstandbild aus der Regierungszeit Wilhelms II. Die drei anderen Reiterstandbilder sind nicht weniger spektakulär, zumindest wenn man sich für die deutsche Geschichte interessiert. Kaiser Friedrich III. steht ebenfalls auf der linken – also „richtigen“ Rheinseite. Die beiden anderen Standbilder auf der rechten Rheinseite zeigen Kaiser Wilhelm I. Und Friedrich Wilhelm II. Diese beiden ältesten Standbilder schmückten auch die an dieser Stelle früher vorhandene „Dombrücke“.

In den letzten einhundert Jahren hat sich die Hohenzollernbrücke immer wieder verändert. Man kann dass an den unterschiedlichen Verfahren erkennen, wie die Eisenteile zusammengefügt wurden. In der Anfangszeit wurden sie verschraubt, später genietet. Bei der letzten Erweiterung wurden sie verschweißt. Das erkennt man aber nur bei genauem Hinsehen.

Bis zur Zerstörung Kölns im zweiten Weltkrieg gab es an dieser Stelle auch eine Straßenbrücke für Autos und Straßenbahnen. Noch heute befindet sich an der ehemaligen Brückenrampe in Deutz eine Relikt der Straßenbahn – ein paar Gleise. Die Dom- und die spätere Hohenzollernbrücke war zunächst die einzige feste Verbindung über den Rhein gewesen. Nach dem Krieg nahm die Deutzer Brücke, die nur ca. 500 Meter südlich liegt, den Auto und Straßenbahnverkehr auf.

Nach 1945 wurde die Hohenzollernbrücke zunächst mit zwei Gleisen wieder hergestellt, in den 1950er Jahren kamen zwei weitere Gleise hinzu. Aber erst in den Jahren von 1985 bis 1989 baute man die Nahverkehrsgleise für die S-Bahn und Regionalbahnen an der Nordseite der Brücke.

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Schon die Errichtung der Hohenzollernbrücke ist aus dem Bedürfnis entstanden, eine „Nadelöhr“ zu beseitigen. An gleicher Stelle bestand nämlich schon ein Brücke. Die zweispurige „Dombrücke“, im Volksmund wegen ihres Aussehens auch „Mausefalle“ genannt, war fast ein halbes Jahrhundert lang die einzige feste Rheinüberquerung.

Die Kölner Bahnanlagen wurden bis 1894 umgestaltet und in Folge fuhren immer mehr Züge von beiden Rheinseiten den Hauptbahnhof an. Also entsprach die alte Dombrücke nicht mehr dem gewachsenen Verkehrsaufkommen. Ein Anbau war nicht möglich, also entschied man sich für einen Neubau.

Doch wie baut man eine Brücke, wenn man die alte nicht abreißen kann, weil sie dringend benötigt wird? Der Gedanke war ganz simpel. Man errichtet rechts und links der Dombrücke jeweils einen Brückenzug, entfernte dann die alte Brücke und baut das dazwischen liegende Teil wieder auf.

Es sein ein Wunsch des preußischen Königs gewesen, die Lage der Brücke mit der Ausrichtung des Doms in seiner Mittelachse auszurichten, belegt ist das jedoch nicht. Allerdings zeigt die Brücke doch auf den Dom. Dadurch müssen alle Züge, welche die Brücke überqueren, eine für die Eisenbahn ungewöhnliche Kurve von fünfundvierzig Grad fahren. Das hat auch Einfluss auf die Weichen. Wenn jährlich über eine halbe Million Züge darüber fahren, sind sie schneller am Ende. Im Schnitt etwa alle sechs Jahre. Daher erneuert die DB Netz AG als Geschenk zum 100. Geburtstag der Hohenzollernbrücke die Weichen.

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