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Klage der DB gegen DeinBus abgewiesen

20.04.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Am heutigen Mittwoch, den 20. April 2011, hat die elfte Kammer für Handelssachen am Frankfurter Landgericht die Klage der Deutschen Bahn gegen DeinBus.de abgewiesen. Der Jubel bei dem kleinen Start-Up hierüber ist riesengroß.Die Richter der Kammer sehen DeinBus.de im Recht und finden die vorliegende Genehmigung als ausreichend. Das Unternehmen von drei Studenten organisiert auf seiner Internetseite eine Art Mitfahrzentrale. Dort wird die Möglichkeit geboten, Fahrtwünsche einzugeben und sich damit zu Reisegruppen zusammenzufinden. Für diese Gruppen wird dann seitens DeinBus.de ein entsprechender Bus gestellt.

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Die Juristen folgten nicht der Argumentation der Bahn, die in dem Angebot einen Verstoß gegen das Personenbeförderungsgesetz sieht. Die DB sieht die organisierten Fahrten als Verstoß, da Fernbusstrecken einzeln genehmigt werden müssten und dies nur möglich wäre, wenn es keinen Bahn-Parallelverkehr gibt.

Das zuständige Landratsamt sieht allerdings die Fahrten als Privatfahrten und das Angebot als reinen Mietomnibusservice, sodass kein Verstoß gegen das Gesetz erkennbar ist. Daher hat es 2009 eine entsprechende, bundesweit gültige Genehmigung ausgestellt.

Durch die neu gewonnene Rechtssicherheit wollen die drei Gründer des kleinen Unternehmens nun ihr Angebot ausbauen und weitere Fahrtmöglichkeit anbieten. Ebenso habe man weitere Ideen im Kopf und werde nun die Verwirklichung dieser angehen. Außerdem danken die drei Studenten, die das Unternehmen gründeten, all ihren Unterstützern, die auf verschiedenen Wegen ihnen immer wieder Mut gemacht hatten.
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11 Responses

  1. Ein beklagenswerter Sieg profitgeiler Ichlinge, denen es nur darauf ankommt möglichst viel Geld zu scheffeln und denen es dabei egal ist, unsere Bahn (die uns allen immer noch gehört und deren Verluste oder verringerte Gewinne wir alle über die Staatskasse zahlen) zu schädigen. Die angeblich so soziale Ader, preisgünstigere Reisen anbieten zu können als die ach so teure Bahn ist dabei nur vorgeschoben und wird wohl auf dem Rücken der Beschäftigten ausgewalzt. Die Mär vom angeblich so umweltfreundlichen Bus basiert auf einer bewussten Verdrehung einer in sich schon halbseidenen Studie und ist schlicht und ergreifend falsch.
    Ausnutzen von Gesetzeslücken zum Schaden der Allgemeinheit – ist das Unternehmertum im 21. Jahrhundert?


  2. Clemens Kistinger
    20.04.11 um 15:40

    Hallo X73900,
    ich kann ihre Meinung da nicht so teilen.
    Ich gehe nicht davon aus, dass die drei (studentischen!) Gründer damit unbedingt Profit machen wollen. Ich gehe eher davon aus, dass diese wirklich erkannt haben, dass Studenten gerne reisen, sich dies aber bei den Preisen der DB nicht leisten können oder wollen. Natürlich verringert dies die Gewinne der DB automatisch, wenn Fahrgäste das Verkehrsmittel wechseln.
    Das Start-Up mietet meines Wissens die Busse übrigens bei lokalen Busunternehmern an und verwendet dabei auch seriöse Unternehmen, bei denen nicht der billigste Lohn zählt.
    Nur weil wir Bahnfreunde sind, müssen wir nicht automatisch gegen andere Konzepte sein. Eher im Gegenteil! Wir sollten froh sein, dass es sinnige Verkehrskonzepte gibt.

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  5. trainguide
    20.04.11 um 23:33

    Die Gegner von „DeinBus“ scheinen wohl die „Freifahrt_Experten“ der DB zu sein. Nach den massiven Preiserhöhungen des Fernverkehrs in den vergangenen 10 Jahren, weit über dem Inflationsniveau und stümperhafte Tarife bei absinkender Qualität, kann man als zahlender Fahrgast das Urteil nur begrüßen. Zusammengefasst: Im Laden DB stimmt schon lange nichts mehr.


  6. MrBusrider
    21.04.11 um 09:10

    Ich stimme Trainguide zu. Wettbewerb ist gut für die Bahn! :-)
    Wie ich höre ist die beliebteste Strecke bei DeinBus Köln-Frankfurt. Kein Wunder denn diese Strecke hat (im Standardpreis der DB) pro Kilometer die mitunter höchsten Ticketpreise der Welt. Auch kein Wunder dass die Strecke bis heute unwirtschaftlich ist.
    Bravo DeinBus!

  7. Meine Studienzeit ist nun noch nicht soo lange her, aber ich hatte nie den Eindruck, dass angeblich überhöhte Bahnpreise zu nennenswerten Einschränkungen bei mir oder meinen Bekannten geführt hatten. Viele kamen ohnehin aus der näheren und mittleren Umgebung, was mit dem Semesterticket abgedeckt war. Eine Situation, die sich an vielen deutschen Hochschulen ähnlich darstellt.
    Wer heute billig mit der Bahn fahren will, hat mit SWT und QDL-Ticket, sowie Sparpreisen genügend Möglichkeiten.
    Ich glaube nicht, dass Fernbusse nennenswert Fahrgäste von Auto/Mitfahrzentralen wegholen. Dafür ist die Barriere zwischen Individual- und Öffentlichem Verkehr zu hoch. Stattdessen wird ein Großteil der Klientel von besagten SWT/QDL-Nutzern von der Bahn kommen. Wir können nur hoffen, dass diese Verluste für die Bahn nicht zu groß werden, dass sie Angebotseinschränkungen nach sich ziehen.

  8. PS: Firmengründer wollen per Definition Profit bzw. Gewinn machen. DeinBus ist keine gemeinnützige Studi-Selbshilfegruppe sondern ein gewinnorientiertes Unternehmen. Auch wenn sie augenscheinlich sehr viel vom Marketing verstehen und die „Arme kleine Studis gegen die große böse DB“-Karte sehr gekonnt zu spielen verstehen.


  9. Beobachter
    21.04.11 um 11:38

    @ X73900

    Ich verstehe nicht so recht, was Sie mit dem Verweis auf „Profitgier“ von „DeinBus“ meinen. Ist es verwerflich, ein Unternehmen zu gründen? Wenn der Fernbusverkehr liberalisiert wird, und davon ist auszugehen, wir die DB in den Markt einsteigen, und zwar kräftig.

  10. @Beobachter. Von „Profitgier“ hatte bislang niemand gesprochen. Damit hattest du angefangen. Ich hatte lediglich auf die Profitorientierung von DeinBus als Unternehmen hingewiesen, nachdem Clemens Kistinger diese verneint hatte in Kommentar 2.


  11. trainguide
    21.04.11 um 13:50

    Zunächst ist die Deutsche Bahn, folgt man den Einträgen in Eisenbahnforen oder in Zeitungen, ein vielfach sehr unsympathisches Unternehmen. Das hat wohl weniger mit einzelnen Verspätungen zu tun und den einzelnen negativen Erfahrungen, wie z. B. bei Ausfällen, sondern mit einem Gesamteindruck im Allgemeinen. Und der Gesamteindruck fügt sich nach und nach im Bewusstsein als Meinung. Dieser schlechte Gesamteindruck ist schädlich für das Unternehmen. Dazu gehört auch diese Klage, die vollkommen überflüssig war, weil es ohnehin zu einem liberalisierten Busfernverkehr kommen wird.

    Auch diese Entscheidung der Politik hat wiederum mit der Deutschen Bahn zu tun. Es ist die Reaktion auf ihre Fahrpreis- und Angebotspolitik, die nicht überzeugt. Solange der Fernverkehr Verluste machte, schützte die Politik die Bahn. Mit steigenden Gewinnerwartungen schrumpft dieses Schutzbedürfnis und wird noch geringer, wenn die Qualität für den Preis abnimmt.

    Mir ist es vollkommen gleichgültig, ob Dein Bus „profit“ macht. Die DB hat ihrerseits in den letzten Jahren alles über den Profit gestellt – zu Lasten des Nutzers, ohne dass es Alternativen gab mit Ausnahme der „Prekariatsfahrkarten“, SWT oder sonstwas !!!

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