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Jeder dritte Fernzug ist zu spät

29.04.11 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Besonders unpünktlich waren die Fernzüge im Knoten ErfurtWie die Stiftung Warentest in einer Auswertung von Ankunftszeiten an 20 Bahnhöfen über acht Monate herausfand, hat jeder dritte Fernzug der Deutschen Bahn eine Verspätung von über fünf Minuten. Besonders schlecht schnitten die Nachtzüge ab. Aber auch auf die anderen Fernzugprodukte wie der ICE, IC oder EC ist wenig Verlass. Wesentlich besser als der eigenwirtschaftlich betriebene Fernverkehr schnitt der von den Aufgabenträgern bestellte Nahverkehr ab.

Besonders hoch waren die Verspätungen ab sechs Minuten im Knoten Erfurt (43%) gefolgt von Leipzig (39%), Hamburg (38%), Berlin und Köln (37%). Die Stiftung Warentest fordert deshalb mehr Investitionen ins Bahnnetz, um Engpässe und die störanfällige Technik zu beseitigen.

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In der Auswertung wurde auch festgestellt, dass das Bundesverkehrsministerium nicht richtig informiert wird. Während in dessen Winterbericht von tageweisen Einbrüchen der Pünktlichkeit im Fernverkehr von unter 70 Prozent die Rede war, stellte die Stiftung fest, dass die Pünktlichkeit im Fernverkehr den ganzen Dezember über deutlich unter dieser Marke lag. Weitere Informationen erhalten Interessierte in der Maiausgabe der Stiftung Warentest.

Neben zusätzlichen Investitionen in das Schienennetz ist es nötig die Deutsche Bahn durch mehr Wettbewerb, ständige Qualitätskontrollen und entsprechende finanzielle Auswirkungen zu mehr Qualität und Pünktlichkeit im Fernverkehr zu motivieren. Während der Anteil privater Anbieter im Fernverkehr gerade mal unter einem Prozent liegt. Ist er im Nahverkehr wesentlich höher.

Das liegt daran, weil der Schienenfernverkehr mit seinem hohen Investitionsrisiko ein faktisches Monopol darstellt. Im Regionalverkehr gilt ähnliches. Hier konnte allerdings mit dem Ausschreibungswettbewerb Abhilfe geschaffen werden. Durch garantierte Vertragslaufzeiten und Bestellmengen sinkt das Investitionsrisiko beträchtlich.

Zusätzlich werden in den Verträgen bestimmte Qualitätsvorgeben festgeschrieben, die durch Profitester überprüft werden und bei Nichteinhaltung zur Entgeltminderung führen. Dieses System hat sich mittlerweile bei den Aufgabenträgern im Nahverkehr erfolgreich etabliert und zu mehr Qualität geführt.

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Ein Bestellerprinzip im Fernverkehr bietet noch weitere Vorteile, so kann diskriminierungsfrei ein gemeinsames Tarifsystem für das gesamte Bundesgebiet etabliert werden, dass alle Anbieter anerkennen müssen. Aber auch die Fahrpläne können vorgegeben werden und auf kurze Umstiege zu anderen Linien abgestimmt werden. So kann ein integraler Taktfahrplan trotz Wettbewerb eingeführt werden.

So ein Bestellerprinzip könnte ohne Zuschüsse aus kommen, da viele Fernverkehrslinien heute schon einen Gewinn aufweisen. Diese Gewinne könnten über Bruttoverträge abgeschöpft und dazu genutzt werden, um Taktfahrpläne zu verdichten und nicht gewinnbringende Fernzüge in der Fläche zu bestellen.

Bild: Sven Stei?nke

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