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Radevormwald: Orts- statt Schulbus – Wann wird endlich gehandelt?

08.03.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Ein Gastbeitrag von Felix Staratschek

Es ist schon symptomatisch. Da hat der Stadtrat gleich auf seiner ersten Sitzung nach der Kommunalwahl beschlossen, dass Gespräche mit den Verkehrsbetrieben darüber geführt werden sollen, wie man aus dem Schülerspezialverkehr einen Linienverkehr für alle (Ortsbus) machen kann. Aber seitdem scheint in dieser Richtung nichts zu laufen.

Auch im Verkehrsausschuss wurde die Verkehrsfrage der Schülerbeförderung nie debattiert. Was spricht denn dagegen, wenn sich mehrere Ausschüsse mit diesem Thema befassen und dem Rat so Entscheidungsvorlagen zuarbeiten? Die Idee Ortbus statt Schulbus ist ein Plagiat, das ich von der CDU Hövelhof abkopiert habe. Seit 1996 kenne ich das Konzept und fordere dies auch für Radevormwald ein. Leider werden Bürgerstimmen gerne von der Politik überhört und so habe ich mich der AL angeschlossen, nachdem diese mich zu ihren Sitzungen eingeladen und meine Themen ins Wahlprogramm übernommen hat.

Ich kann es gar nicht glauben, was ich in der Presse lese. Wuppertal und Remscheid gehören für Radevormwald zum VRS- Tarif. Mit jeder für diese Tarifzonen erworbenen Fahrkarte kann ich alle Ziele in Wuppertal und Remscheid zum VRS- Tarif ansteuern. Es wäre ein Verstoß gegen diese Tarifregeln, wenn das nur für Schülertickets nicht gilt. Hier sollte man mal den Petitionsausschuss im Landtag und MdL Peter Biesenbach einschalten, falls die Mitteilung in der Presse stimmt. 740.000 Euro sind laut Haushalt für die Schülerbeförderung vorgesehen.

Heute kostet eine Monatskarte für den Ausbildungsverkehr für Radevormwald monatlich 40,6 Euro. Bezogen auf zwölf Monate und die 630 Fahrschüler entspricht das 306.936 Euro, die man für den Kauf von Fahrkarten für alle Schüler bezahlen müsste, die einen Ortsbus nutzen. Der Schülerverkehr kostet aber die Stadt laut Haushaltsentwurf 2011 gut 740.000 Euro. Das liegt ja auch daran, dass Tarife selten kostendeckend sind. Aber dies zeigt, dass man für jeden Fahrschüler ohne Probleme eine Jahreskarte für Radevormwald kaufen kann und dann halt mit den dafür nicht benötigten 433.064 Euro den Ortsbus bezuschussen kann, der ja weiterhin die Schüler befördern muss.

In Hövelhof bleibt ein Wagen nachmittags und in den Schulferien im Einsatz, um die größeren Dörfer zu bedienen. In Radevormwald wären das Honsberg, Kräwinkel, Heide und Önkfeld. Und der Bus könnte das Krankenhaus erschließen. Damit wären zum VRS- Tarif attraktive Ziele, wie die Wuppertalsperre, per Bus erreichbar. Der Sonderverkehr der Stadtwerke Remscheid nach Kräwinklerbrücke ist dort immer sehr erfolgreich. Der innerstädtische Verkehr des Bürgerbusses, der ja als Ersatz eines machbaren Linienverkehrs dienen darf, wäre davon nicht tangiert.

Über den Autor: Der 1966 geborene Felix Staratschek ist Mitglied der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) im Bergischen Land und gehört dem Fahrgastverband Pro Bahn e.V. an. Er machte sich in jüngster Vergangenheit vor allem als Befürworter im Streit um die Wiehltalbahn einen Namen.

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Ein Kommentar

  1. „Wuppertal und Remscheid gehören für Radevormwald zum VRS- Tarif. Mit jeder für diese Tarifzonen erworbenen Fahrkarte kann ich alle Ziele in Wuppertal und Remscheid zum VRS- Tarif ansteuern. Es wäre ein Verstoß gegen diese Tarifregeln, wenn das nur für Schülertickets nicht gilt.“

    Tja, so einfach ist es leider nicht… Zwischen Wuppertal und dem Radevormwald gilt eben nicht der VRS-Tarif, sondern der Übergangstarif VRR-VRS. Dieser basiert zwar darauf, dass VRS-Tickets in Teilen des VRR-Gebiets anerkannt werden, aber trotzdem ist er ein eigenständiger Tarif. Im Übergangstarif gelten auch VRS-Netzkarten nicht, das heißt auch jemand, der mit einer „normalen“ Monatskarte von Radevormwald z.B. bis Bonn pendelt (also die höchste Preisstufe 5 benötigt), darf mit seiner Monatskarte auch nicht nach Wuppertal fahren, obwohl diese im gesamten VRS-Gebiet gilt. Das JuniorTicket und das SchülerTicket werden auch als Netzkarten ausgegeben, und gelten daher ebenfalls nicht in Wuppertal (Beim SchülerTicket gibt es die Ausnahmen, wenn ein Schüler auf dem Weg vom Wohnort zur Schule die Verbundgrenze überqueren muss, also zum Beispiel für Schüler aus Radevormwald, die in Wuppertal zur Schule gehen)

    Für Remscheid dürfte dies übrigens nicht gelten, da Remscheid zum „kleinen Grenzverkehr“ gehört und dort für Fahrten in das VRS-Gebiet alle Tickets anerkannt werden (der Pendler von oben dürfte zum Beispiel mit seiner Monatskarte von Radevormwald über Remscheid nach Solingen fahren und dort in den Zug nach Bonn steigen)

    So, das ist etwas kompliziert, aber ich hoffe dass ich das einigermaßen verständlich darstellen konnte :-)
    Für die Frage warum das so kompliziert ist müssten Sie sich aber an die Verkehrsverbünde wenden… (Wahrscheinlich wird es auf finanzielle Gründe hinauslaufen…)

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