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Der Müngstener: VRR und Abellio unterzeichnen Vertrag

01.03.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Am gestrigen Montag (28. Februar) haben der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr AöR und die Abellio Rail NRW GmbH in der historischen Stadthalle Wuppertal den Verkehrsdurchführungsvertrag für den Betrieb der Regionalbahnlinie 47 unterzeichnet. Abellio ist eine Tochtergesellschaft der niederländischen Staatseisenbahn und wird den Betrieb zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 aufnehmen.

Abellio wird moderne Dieseltriebzüge vom Typ Coradia Lint des Herstellers Alstom einsetzen, die die neuesten Anforderungen sowohl im Hinblick auf Crash-Normen als auch in puncto Barrierefreiheit erfüllen. So verfügen die Fahrzeuge über rollstuhlgerechte Toiletten, Videoüberwachung und Mehrzweckbereiche mit ausreichend Abstellmöglichkeiten für Rollstühle, Rollatoren, Fahrräder und Kinderwagen.

VRR-Vorstandssprecher Martin Husmann ist zufrieden: „Die Erfolge sprechen für sich: Der Wettbewerb sorgt für mehr Qualität und weniger Ausgaben. Daher haben wir bereits zahlreiche Linien ausgeschrieben und werden auch in Zukunft Zugkilometer ausschreiben und an die leistungsstärksten Anbieter vergeben.“

Bei der Beschaffung des Rollmaterials kam erstmals ein neuartiges Finanzierungsmodell zur Anwendung, das das unternehmerische Know-How des Eisenbahnverkehrsunternehmens mit der hohen Kreditwürdigkeit der öffentlichen Hand kombinieren soll: Abellio bestellt die Fahrzeuge und tritt dem Hersteller Alstom gegenüber als Auftraggeber auf. Finanziert werden sie über Kommunalkredite des VRR, der die Fahrzeuge von Abellio kauft und an das Unternehmen vermietet.

Husmann: „Durch die Erschließung der Einsparpotenziale – günstige Kreditkonditionen, langfristig festgelegte Zinssätze und den Wegfall von Eigenkapitalkosten und Risikozuschlägen, finden gerade mittelständische Unternehmen einen Anreiz an einer Ausschreibung von SPNV-Leistungen teilzunehmen.“

Im Fall der Regionalbahn 47 liegt die Ersparnis bei etwas mehr als einem Euro pro Zugkilometer. Bei rund 1,5 Millionen Zugkilometern im Jahr macht das eine finanzielle Entlastung von 1,7 Millionen Euro per annum aus.

Für Abellio-Chef Bernard Kemper ist gerade die Linie RB 47 besonders erfreulich. Am Rande der Vertragsunterzeichnung drückte er seine Vorfreude auf das erste Bild eines Abellio-Zuges auf der weit über die Grenzen der Region hinaus bekannten Müngstener Brücke aus.

Doch ebenjene Müngstener Brücke droht zum unkalkulierbaren Risiko zu werden. Bereits seit November vergangenen Jahres ist das Bauwerk durch das Eisenbahnbundesamt gesperrt, eine Wiedereröffnung wurde in den letzten Monaten immer wieder verschoben.

Zuletzt legte DB Netz ein Plan vor, die Brücke im Rahmen von fünf Jahren zu sanieren. Danach könne sie noch einmal runde dreißig Jahre befahren werden. Inwieweit die derzeitigen Probleme bis Dezember 2013 gelöst sein werden, ist daher noch offen.

Abellio wird in Remscheid-Lennep auf dem Gelände des früheren Bundesbahn-Betriebswerkes eigene Abstell- und Serviceanlagen in Betrieb nehmen. Dort sollen die Züge betankt und gereinigt werden. Wartungsleistungen sind jedoch in der Hagener Zentralwerkstatt vorgesehen. Insgesamt wird das Unternehmen etwa achtzig bis neunzig Leute an den Standorten Remscheid-Lennep und Hagen einstellen.

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