Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

Allianz pro Schiene kritisiert Mehrwertsteuersatz für grenzüberschreitende Bahnfahrten

09.03.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Die Allianz pro Schiene kritisiert zum Auftakt der Internationalen Tourismusbörse (ITB) die einzigartig hohen Mehrwertsteuersätze auf Bahnfahrkarten. „Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer auf jedes internationale Bahnticket sind wir traurige Spitzenreiter“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege. Mehr als drei Viertel de EU-Länder befreien internationale Bahntickets völlig von der Mehrwertsteuer.

Nur in Deutschland (19%), Griechenland (13%), Österreich (10%) sowie Belgien und die Niederlande (6%) wird überhaupt Mehrwertsteuer von internationalen Bahnreisenden erhoben. Im Vergleich dazu fällt bei internationalen Flügen keine Mehrwertsteuer an. Da helfe auch die zu niedrige Luftverkehrsabgabe nicht, bemerkt Flege. Von der Politik verlangte er eine längst überfällige Gleichbehandlung. „Wir fordern, die Mehrwertsteuerbefreiung auch auf internationale Bahntickets auszuweiten“, sagte Flege. Das Mindeste wäre ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 7%, wie er für Nahverkehrstickets erhoben wird.

Dennoch ist es den betroffenen Bahngesellschaften nach ihren eigenen Berechnungen in den letzten Jahren gelungen, auf mehreren Strecken die Marktanteile deutlich zu erhöhen. Auf der TGV-Relation Stuttgart – Paris liegt der Marktanteil nach Angaben der Bahn inzwischen bei 54% und sogar auf der Relation Frankfurt – Paris ist der Anteil auf 28% gestiegen. Das ist ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, das Frankfurt und Paris die Drehscheiben des deutsch-französischen Flugverkehrs sind, so die Bahn.

Auf der Strecke Köln – Brüssel – Paris kann der internationale Anbieter Thalys ebenfalls wachsende Passagierzahlen vermelden. Im gesamten Thalys-Netzwerk seien seit Dezember 2009 rund zehn Prozent der Neukunden vom Flugzeug auf die Bahn umgestiegen, sagte Thalys Sprecherin Patricia Baars. Die Berechnung der von Land zu Land wechschenlden Steuersätze sei inzwischen ein Wissenschaft für sich. „Für den deutschen Abschnitt des Tickets werden 19%, in Belgien sind es sechs Prozent und in Frankreich null Prozent, wenn auf derselben Strecke eine konkurrierende Flugverbindung existiert.“

Dass der Zug trotz der unfairen Wettbewerbsbedingungen Marktanteile gewinnt, liegt nach Ansicht der Allianz pro Schiene an den kürzer werdenden Reisezeiten bei gleichzeitig wachsendem Komfort. „Auch den Umweltvorteil wissen die Kunden zu schätzen“, sagte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Flege.

Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes von 2007 leiden Bahnkunden je nach Bundesland verschieden häufig unter dem Steueraufschlag auf internationale Fahrscheine. Danach hatte Baden-Württemberg die meisten Auslandsfahrgäste (4,4 Millionen), gefolgt von Bayern (2,6 Millionen) und Nordrhein-Westfalen (2,1 Millionen).

Anzeige
[ad#Content-AD]

2 Responses


  1. trainguide
    09.03.11 um 20:24

    Auch hier betreibt Dirk Flege von der Allianz pro Schiene mal wieder das Geschäft der DB AG. Diese 19 Prozent beziehen sich m.W. bei internationalen Fahrscheinen nur auf den dt. Streckenteil. Ich folgere daher, dass er generell bei FV-Tickets die Reduktion des Steuersatzes auf sieben Prozent unterstützt.

    Dazu möchte ich folgendes anmerken. Auch ihm als gebildeten Verbandsvertreter dürfte bekannt sein, dass ein Unternehmen die Preisvorteile, die sich durch eine Reduktion des Mehrwertsteuersatzes einstellen würden, überhaupt nicht langfristig und vollumfänglich an den Endkunden weitergeben können, sondern als zusätzlichen Erlös selbst einbehalten. Schon aus Gründen der Kapitalprivatisierung muss der FV die geringen Gewinne des margenschwachen Fernverkehrs steigern, und diese Absenkung des Steuersatzes wäre eine willkommener Anlass, wesentliche Anteile davon in die eigenen Kassen legal umzulenken.

    Wer mit der Reduktion der Preise argumentiert, hat den Geschäftsauftrag einer Aktiengesellschaft offenbar nicht begriffen, oder betreibt unter einem Vorwand reine Lobbyarbeit für die DB AG.

  2. Einfach keine Personen Transportieren, sondern daraus Hotels machen, dann kostet die Übernachtung nur 7%!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.