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Unionsfraktion fordert Neuregelung für Sicherheit auf der Schiene

11.02.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

In der letzten Sitzung des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages hat Ulrich Lange vom Bundesverkehrsministerium über den Zugunfall bei Hordorf in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar berichtet. Zu diesem Anlass forderte Dirk Fischer, verkehrspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, die Sicherheit auf der Schiene so schnell wie möglich zu erhöhen.

Fischer: „Dafür brauchen wir eine verschärfte Regelung. Zustände, wie sie derzeit vor allem noch auf Strecken in Ostdeutschland herrschen, sind nicht hinnehmbar. Die Koalitionsfraktionen aus CDU/CSU und FDP fordern daher: Alle eingleisigen Strecken mit Personenverkehr müssen umgehend mit Signalsicherungssystem (Zugbeeinflussungsanlagen – PZB) ausgestattet werden.“

Die Regierungsfraktion hat daher angekündigt, einen Antrag im Deutschen Bundestag einzubringen, der die Bundesregierung zur Änderung der Verordnung über den Bau und Betrieb von Eisenbahnen (EBO) auffordert. Darüber hinaus solle eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Bund und Bahn überprüfen, inwieweit weitere Sicherheitslücken im Schienennetz bestehen.

Mehr als zwanzig Jahre nach der deutschen Einheit und mehr als 17 Jahre nach der Bahnreform scheint die Politik in Aktionismus zu verfallen. Es mussten erst Menschen sterben, bis ihnen klar wurde, in was für einem schlechten Zustand die Eisenbahninfrastruktur, insbesondere in Ostdeutschland, stellenweise noch ist.

Retrospektiv klingt es wie Hohn, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zum zwanzigsten Jahrestag der Deutschen Einheit im letzten Jahr verkündeten, man habe alle „investiven Altlasten“ der Deutschen Reichsbahn der DDR abgearbeitet. Das ist juristisch nicht einmal falsch, denn bis heute ist PZB auf Bestandsstrecken, deren Höchstgeschwindigkeit nicht höher als 100km/h liegt, keine Pflicht.

7 Responses


  1. trainguide
    11.02.11 um 09:32

    Dass die PZB auf Strecken unter 100km/h keine Pflicht sein soll, ist so nicht richtig. Aus den Kommentaren zur bestehenden EBO §15(4) ist zu entnehmen, dass die PZB an solchen Gefahrenpunkten, wie in Hordorf, einzubauen sei.

  2. Die Ursache für den Unfall wird damit nicht beseitigt. Die Kosten für den Einbau der PZB sind pro Strekenkilometer 10000 Euro, die Folgekosten sind 10-20% der Erstinvestition.

    Dieses Geld wird nachher für die Erneuerung der Strecken sowie für Geschwindigkeits- und Käpazitätserhöhungen fehlen. Ein bisschen mehr Investitionen in die Lokführer würde die Sicherheit der Bahn auch erhöhen und hätten noch ganz andere positive Effekte auf die Bahn. Falsche Rückschlüsse schädigen die Bahn enorm und die Konkurrenz (Strasse) freuts.


  3. Steuerzahler
    11.02.11 um 15:27

    Die Ursache für den Unfall wird damit nicht beseitigt.

    Die Ursache ist ist die Nichtbeachtung eines Vor- und eines Hauptsignals. Mit einer Zugbeeinflussung werden die Folgen solchen menschlichen Versagens verhindert!

    Es ist an dieser Stelle unangebracht, höhere „Investitionen“ (was wohl höhere Löhne bedeuten soll) in die Lokführer zu fordern, denn die (höheren Löhne) bringen keinen Deut mehr Sicherheit.

    Wenn dem nämlich so wäre, hätte die Schweiz mit ihren angeblich so hohen Lokführerlöhnen weder eine Interga-Signum noch eine (auch in Spanien und Dänemark üblichen) ZUB nötig.

  4. Falsch, die Ursache war wahrscheinlich das der Lokführer nur das Vorsignal verpasst hat. Ein typischer Konzentrationsfehler des Lokführers. Wie hoch die geistige Leistungsfähigkeit eines Angestellten ist hängt vom Lohn ab, je höher der Lohn desto Leistungsfähigeres Personal bekommt man auf dem Arbeitsmarkt.

    Das ist, glaube ich, der Grund wieso Lotsen und Piloten so hohe Löhne bekommen.

    Die Arbeitszeiten spielen sicher auch eine Rolle, kann es sein das deswegen die Piloen per Gesetzt nur 900 Stunden/Jahr fliegen dürfen? Sie können ja weiterhin behaupten Lohn hätte nichts mit der Leistungsfähigkeit des Angestellten zu tun, nur wird es deswegen nicht wahr.

    Die Signum hätte diesen Unfall auch nicht verhindert. Signum bremst erst beim Hauptsignal, wahrscheinlich hat der Lokführer in Hordorf auch erst beim Hauptsignal gebremst, was bei einem Bremsweg von 800 Metern aber zu spät ist. Die Sicherheitssysteme bei der Bahn (ausser ETCS Lvl 2 und 3, LZB) sind nicht redundant und nicht ausfallssicher, zu dem können sie falsch bedient und falsch programiert werden.

    Es gibt Gründe wieso die SBB pünktlicher, zuverlässiger und weniger gefährlich ist und teurer als die Bahnen in Deutschland ist die SBB auch nicht. Die einen sehen den Zusammenhang von gutem Personal und gut funktionierender Firma, die anderen wollen in nicht sehen.

  5. Die PZB-Pflicht wäre Wahnsinn! Schon jetzt werden Nebenstrecken stillgelegt und durch miese Busse ersetzt statt stillgelegte Strecken zu reaktivieren. Mit einer PZB-Pflicht würden Reaktivierungen noch unwahrscheinlicher werden, und manche Strecke im Osten würde aufgegeben, weil die Nachrüstung nicht lohnt. Schon das Bahnübergangsverbot für Neustrecken verhindert sinnvolle Lückenschlüsse zwischen Stichstrecken.

    Es soll auch mal vorkommen, dass Autofahrer beim Linksabbiegen von einer Landstraße mit dem Gegenverkehr zusammenstoßen. Die Fälle, die ich aus der Zeitung kenne, waren meist mit Toten verbunden. Die Politiker, die jetzt PZB-Pflicht auf allen Strecken fordern, müssten hier auch flächendeckende niveaufreie Ausfädelungen fordern, also in vielen Fällen Kleeblätter oder Vergleichbares. Dass dies Wahnsinn wäre, würde jeder Politiker erkennen, schließlich sind ihnen die Kosten hierfür viel präsenter.

    Wenn die Anforderungen an Schieneninfrastruktur eines Tages wirklich zu teuer sind, gibt es noch eine Lösung: Umstellung der Nebenbahnen auf BOStrab!


  6. Beobachter
    11.02.11 um 17:30

    @ Martin

    Wie hoch die geistige Leistungsfähigkeit eines Angestellten ist hängt vom Lohn ab…

    Ich habe selten eine dümmere Aussage gelesen, als diese und sie hat einzig den Zweck, die absurden Forderungen der GDL in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Sie sollten sich schämen, den Tod von Menschen für Ihre Forderung zu missbrauchen!


  7. Stefan Hennigfeld
    11.02.11 um 23:30

    Ich möchte, nachdem ich meine Verwunderung über den groben Unfug kundgetan habe, der hier geäußert wird, an einem wichtigen Punkt einhaken: Die Umstellung bestimmter Nebenbahnstrecken von EBO auf BOStrab.

    Diese Idee ist nun nicht neu und sie wird, gerade im Rahmen von Diskussionen über Reaktivierungen und den Neubau von Regionalstrecken, immer mal wieder geführt. Bei einer BOStrab-Strecke könnte man auf einmal wieder Bahnübergänge bauen, man könnte ein „einfacheres“ Zugsicherungssystem verwenden. Natürlich könnten Güterzüge mit einem Gewicht von mehreren tausend Tonnen nicht mehr auf solchen Strecken fahren. Aber bei reinen Personenverkehrsstrecken wäre eine Zulassung nach BOStrab sicher nicht grundsätzlich falsch.

    Vor allem auch deshalb nicht, weil man damit kommunal / regional geprägte Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen wieder fördern könnte. Die Verantwortung für Infrastruktur und Verkehr würde vor Ort liegen. Aufgabenträger, Kreise und kreisfreie Städte, Infrastruktur- und Verkehrsbetreiber würden sich besser kennen und die Zusammenarbeit wäre enger.

    Das von vielen Leuten als positiv genannte Beispiel Schweiz macht das übrigens vor: Nicht die Zulassung nach Straßenbahnrecht, aber die Regionalisierungs von Betrieb und Infrastruktur. Während die Schweizer Bundesbahnen den überregionalen Verkehr betreiben, gibt es zahlreiche kleinere Unternehmen, die meistens in regionalem Eigentum sind, oft kommunal oder kantonal, mit denen der Bund nichts zu tun hat. So wird die Schweiz dann tatsächlich zum erfolgreichen Bahnland. Nicht durch die eine zentralistische Staatseisenbahn, sondern durch die Kombination aus bundes-, kantonaler und kommunaler Eisenbahn – im Infrastruktur- wie im Verkehrsbereich.

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