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Stuttgart: SSB führt Vordereinstieg ein

28.02.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Einstieg beim Fahrer - jetzt auch in StuttgartAls letztes kommunales Verkehrsunternehmen im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) führen die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) in dieser Woche den Vordereinstieg beim Fahrer ein. Vorne rein und hinten raus, das erschwert nicht nur das Schwarzfahren massiv, sondern es beschleunigt auch den Fahrgastwechsel. Kürzere Standzeiten bedeuten einen stabilen Fahrplan – der ÖPNV wird zuverlässiger.

Die Esslinger Verkehrsunternehmen haben diese Regelung bereits im Oktober vergangenen Jahres eingeführt. VVS-Geschäftsführer Horst Stammler: „Auch in den meisten anderen großen Städten wie Berlin, Nürnberg und im Ruhrgebiet ist es inzwischen gute Praxis, die Fahrgäste zum Einsteigen nach vorne zu bitten. Der Vordereinstieg ist keine Stuttgarter Besonderheit. Deshalb gehen wir davon aus, dass sich auch die Stuttgarter Fahrgäste nach einer gewissen Anlaufzeit gut an die neue Regelung gewöhnen werden.“

Selbstverständlich werden auch weiterhin Fahrausweise beim Busfahrer und im Vorverkauf erhältlich. Darüber hinaus gibt der persönliche Kontakt mit dem Busfahrer den Fahrgästen mehr Sicherheit, weil er bei Fragen oder Schwierigkeiten direkt weiterhelfen kann. Müll und Flaschen bleiben draußen, sodass die Sitze sauber bleiben.

Bild: Ensign Joe. Lizenz: CC-by-SA 3.0

9 Responses


  1. Edmund Lauterbach
    28.02.11 um 12:10

    Ich habe den direkten Vergleich zwischen Busunternehmen mit und ohne Zwang zum Vordereinstieg. Die Einstiegsbeschränkung auf die vordere Tür behindert die Einhaltung des Fahrplans erheblich. Die Vorstellung von Herrn Stammler ist in der Praxis Quatsch. Das würde nur funktionieren, wenn in Stoßzeiten an den Haltestellen etwa gleich viele Ein- und Aussteiger wären. Das ist aber unrealistisch. Der Zwang zum Voreinstieg ist kundenunfreundlich und bzgl. Zeiten praxisfern. Da war man in den 60er- und 70er-Jahren, als die Einstiege frei gegeben wurden, wesentlich weniger reaktionär als heutige Vorstände von Verkehrsunternehmen.

  2. Ich halte das auch für Quatsch, so bilden sich eher Schlangen vor dem Busfahrer, weil einzelne noch einen Fahrschein kaufen müssen und die anderen dahinter oft behindern.


  3. Florian S.
    28.02.11 um 17:20

    Im Ruhrgebiet klappt das problemlos und mir war nicht bekannt, dass man nicht überall beim Fahrer einsteigen draf.
    Links vorne steigt man ein, rechts vorne holt man die Fahrkarte, das klappt ohne Probleme.
    Problematischer wird es, wenn man seine Chipkarte wie im VRR an ein Lesegerät halten muss und dieses auch noch an der Kasse angebracht ist, dann werden die Haltezeiten an großen Haltestellen doch verlängert, aber selbst das hat hier zu keiner größeren Störanfälligkeit geführt.
    Wichtig ist, dass das Schwarzfahren nahezu unmöglich gemacht wird! Und mit dem Vordereinstieg klappt das!


  4. Edmund Lauterbach
    28.02.11 um 17:35

    Einsteigen „dürfen“ sollte man natürlich an allen Türen. Nur so erreicht man kurze Haltestellenzeiten und attraktive Reisezeiten. (Zu letzterem gehören natürlich auch Maßnahmen wie Ampelvorrangschaltungen etc.).

    Natürlich ist die Vermeidung von Schwarzfahren wichtig. Aber dazu gehören Kontrollteams, wie auch in S- und U-Bahn. Und es ist nicht einzusehen, dass Probleme der Unternehmen auf die Kunden verlagert werden.

  5. Wichtig ist, dass das Schwarzfahren nahezu unmöglich gemacht wird! Und mit dem Vordereinstieg klappt das!

    In Berlin gibt es diese Regelung schon länger und die Fahrer schauen, besonders beim Andrang bei den von vielen Fahrgästen benutzten Metrobussen meistens gar nicht genau hin, ob die Karte gültig (z.B. richtig entwertet) ist oder nicht, wenn sie es überhaupt tun. Schwarzfahren wird also nur nur scheinbar unmöglich. Außerdem dauern die Aufenthalte sehr lange, weil alle Fahrgäste sich im vorderen Busteil stauen und so die Türen beim Schließen blockieren. Für unwichtige Buslinien mag der Vordereinstieg funktionieren, für wichtigere ist er jedoch vollkommen kontraproduktiv.

  6. Lieber Herr Hennigfeld,

    würden sie mir einen Gefallen tun und ein Foto aus der selben Perspektive zwischen 7 und 8 Uhr am HBf aufnehmen? Was dort heute morgen zu sehen war, ist genau um 180° gedreht als das, was sie mit ihrer Lobhudelei auf den „Vordereinstieg“ kundtun.

    Es gibt genügend Beispiele von Verkehrsunternehmen (wie z.B. Üstra), die genau aus Gründen der Pünktlichkeit und Umsteigegarantie auf den „Vordereinstieg“ auch weiterhin verzichten.

    Im Berufsverkehr ist diese Regelung jedenfalls absurd. Siehe hier: http://stuttgarter-zeitung.de/media_fast/1203/bus2.811441.jpg


  7. F.Bachmann
    01.03.11 um 08:07

    Ich habe gelesen, dass es verbundweit jetzt den Vordereinstieg geben wird.(VVS)
    Scheint wohl in Deutschland große Mode zu werden. In Nordrhein-Westfalen hat man schon den kontrollierten Vordereinstieg per Chiplesegerät eingeführt (EKS). Ich denke, dass das bundesweit bald Schule machen wird.

    Natürlich hat der Vordereinstieg seine negativen Einwirkungen auf die pünktlichkeit etc.


  8. Florian S.
    02.03.11 um 08:37

    Ich kann nur sagen, dass der Vordereinstieg auf hochbelasteten Buslinien wie der Linie 383 in Gelsenkirchen gut funktioniert, diese Buslinie fährt immerhin alle 10 Minuten.
    Die Buslinie ist trotzdem sehr pünktlich!
    Es stimmt aber auch das manche Fahrer nicht auf die Tickets achten.
    Manche versuchen in Gelsenkirchen am Hbf hinten einzusteigen, werden dann aber manchmal aufgehalten von Kontrolleuren.
    Ich denke, dass dieses Prinzip dem VRR schon einigen Schaden durch Swarzfahrer genommen hat.

    Ein Elektronisches Kontrollsystem halte ich aber an großen Haltestellen für Unsinn.

  9. Es ist wirklich vollkommen absurd. Erst werden Millionen für Busbeschleunigungsmaßnahmen ausgegeben um dann anschließend die eingesparte Zeit durch diesen Unsinn an den Haltestellen zu verballern. Es isst immer wieder erschreckend, wie blöd viele Verantwortliche in dieser Branche sind. Wahrscheinlich werden die Kontrollen in den Bussen anschließend weitgehend auf Null gefahren, obwohl in jeder Stadt in der dieser Unsinn bisher eingeführt wurde zu beobachten ist, dass den meisten Fahrern das ganze Theater ziemlich egal ist und sie absolut keine Lust haben näher hinzusehen. Traurig, mit was für Management-Koriphäen diese Branche durchsetzt ist.

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