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Nach Zugunglück: GDL erhebt schwere Vorwürfe

01.02.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Nachdem es in der Nacht zum vergangenen Samstag in Hordorf bei Oschersleben zum schlimmsten Eisenbahnunglück in Deutschland seit Eschede 1998 gekommen ist, erhebt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) schwere Anschuldigungen gegen die Deutsche Bahn. Sie habe es unterlassen, in die notwendige technische Zugsicherung zu investieren, die den Unfall hätte verhindern können.

Wäre die Strecke mit punktförmiger Zugbeeinflussung (PZB) ausgestattet gewesen, hätte der Zug nach Überfahren eines Halt zeigenden Signals automatisch angehalten. Derzeit laufen Ermittlungen in genau diese Richtung: Der Triebfahrzeugführer könnte ein Halt zeigendes Signal überfahren haben. Die Technologie der PZB existiert bereits seit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

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Die GDL wirft der Deutschen Bahn vor, den Fokus zu stark auf Hochgeschwindigkeitsstrecken und Prestigeprojekte zu legen und die Sicherheit des Bestandsnetzes dabei außen vor zu lassen. GDL-Chef Claus Weselsky: „Die Politik muss deshalb als Eigentümer die Verantwortung für die bestehende Eisenbahninfrastruktur viel stärker wahrnehmen als bisher. Und die Politik muss bestimmen, welche Eisenbahninfrastruktur in unserem Lande benötigt wird. Diese ist dann mit allen gängigen und modernen Sicherungssystemen auszurüsten.“

Auf Bestandsstrecken, deren Höchstgeschwindigkeit nicht höher als 100km/h liegt, ist die Vorhaltung einer technischen Zugsicherung in Form der PZB derzeit nicht zwingend vorgeschrieben. Selbst wenn der Lokführer des Güterzüges ein Halt zeigendes Signal überfahren haben sollte und eine PZB den Unfall hätte verhindern können, wäre die entsprechende Ausstattung durch DB Netz keine Pflicht gewesen. Es ist jedoch gut möglich, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen nach diesem Unfall ändern werden.

Darüber hinaus sieht die Gewerkschaft die hohe Arbeitsbelastung der Triebfahrzeugführer als eine Ursache. Weselsky weist darauf hin, dass sie allein bei der Deutschen Bahn derzeit 1,5 Millionen Überstunden und 70.000 noch nicht genommene Urlaubstage vor sich her schieben. „Nur ein ausgeruhter Lokomotivführer ist aber in der Lage, seine verantwortungsvolle Tätigkeit in hoher Qualität auszuüben“, so Weselsky.

Die Deutsche Bahn weist diese Vorwürfe zurück. Zusätzliche Sicherungssysteme wie beispielsweise die PZB, die Züge beim Überfahren eines Halt zeigenden Signals automatisch bremsen, entbinden den Lokführer nicht von der Verpflichtung zur Beachtung der Signale. Auf der fraglichen Strecke sind alle Anforderungen der Bau- und Betriebsordnung für Eisenbahnen (EBO) eingehalten,.

Dennoch rüstet die Deutsche Bahn seit Jahren – auf freiwilliger Basis – vorhandene Strecken mit PZB aus. Zwischen 2008 und 2010 erhielten mehr als 600 Streckenkilometer eine entsprechende Ausstattung. Dieses Programm wird auch 2011 fortgesetzt.

Im Rahmen dieser Programme hat die DB auch begonnen, die Strecke Halberstadt–Magdeburg mit PZB auszustatten. So sind die Betriebsstellen Großquenstedt, Nienhagen, Hadmersleben, Blumenberg und Dodendorf bereits mit dieser zusätzlichen Sicherungstechnik ausgestattet. In Horsdorf und Oschersleben wird die PZB schrittweise nachgerüstet.

Statt dessen wirft die Bahn der GDL vor, den Unfall von Hordorf für ihre eigenen Zwecke in der aktuellen Tarifrunde zu missbrauchen. Das Unternehmen weist darauf hin, dass allein auf der Unglücksstrecke in den nächsten Jahren eine Investition in Höhe von fünfzig Millionen Euro geplant war. Diese Pläne bleiben auch weiter bestehen.

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Ein Kommentar

  1. Die GDL sollte mal entscheiden,ob sie viel Geld für die große Verantwortung der Lockführer fordert,oder diese auf Andere(pzb)abschieben will. Keine Frage,Siecherugnssysteme sind wichtieg,aber wer stellt dem Busfahrer die Fahrstraße,welche autom.Sicherungsysteme stoppen ihn bei individuellen Fehlern?

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