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Braunschweig: ZGB stellt Regionalbahnkonzept 2014+ vor

11.02.11 (Allgemein) Autor:Max Yang

Der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) hatte gestern auf einer Informationsveranstaltung im Congress Saal in Braunschweig das Regionalbahnkonzept 2014+ vorgestellt. Nach dem etwa einstündigen Vortrag über das Konzept und die Ziele hatten die Gäste die Möglichkeit, Fragen, Kritik und Anregungen vorzubringen, die nach Möglichkeit auch sofort beantwortet wurden.

Ausgangssituation: Der Verkehrsvertrag mit DB Regio AG im Gebiet des ZGB endet im Dezember 2014. Ab Dezember 2014 sollen alle Leistungen im Wettbewerb vergeben worden sein. Dafür muss bereits im März 2011 ein Beschluss des ZGB über grundlegende Vergabebedingungen gefasst werden, wozu etwa das Betriebskonzept, die Wettbewerbsnetze, Fahrzeugeinsatz sowie ein Stufenkonzept für Investitionen in Strecken und Stationen gehören.

Als finanzielle Ziele gelten vor allem eine realistische Betrachtung der vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten nach dem Niedersächsischen Nahverkehrsgesetz sowie eine Minimierung der Bestellerentgelte (EUR/Zugkm). Dies soll durch Wettbewerb, Senkung der Kosten und Erhöhen der Fahrgeldeinnahmen durch mehr Fahrgäste erreicht werden. Durch das daraus resultierende geringere Bestellerentgelt sollen mehr Fahrten möglich sein.

Wesentliche inhaltliche Ziele des Konzepts sind:

  • verbessertes Angebot, möglichst auf allen Strecken soll ein Stundentakt gefahren werden
  • auf aufkommensstarken Relationen sollen zusätzliche Fahrten stattfinden
  • hohe Reisegeschwindigkeiten, d.h. moderne Triebwagen mit besserer Beschleunigung, Beseitigung des Investitionsstaus vor allem auf den Dieselstrecken
  • optimierte Verknüpfung mit Bus und Bahn
  • Bedienung vor allem aufkommensstarker Halte, dies beinhaltet neue Haltepunkte (in Braunschweig und Wolfenbüttel), aber auch ggf. Schließung sehr schlecht genutzter Haltepunkte
  • neue oder neuwertige Fahrzeuge
  • punktuelle Streckenausbauten, dabei wird stufenweise vorgegangen
  • barrierefreie Gestaltung der Stationen
  • moderne Fahrgastinformationssysteme

Am Ende sollen über 7 Mio. Zugkm erbracht werden.

Das Angebot auf den Strecken soll dabei konkret wie folgt aussehen:

– Uelzen – Gifhorn – Braunschweig
* Stundentakt, dafür müssen zwei Begegnungsabschnitte (zweigleisiger Ausbau Bad Bodenteich und zweigleisiger Neubau Rötgesbüttel) ausgebaut werden
* zusätzliche Fahrten zwischen Gifhorn Stadt und Braunschweig

– Hildesheim – Braunschweig
* Stundentakt, durchgebunden mit der Strecke Braunschweig – Wolfsburg
* durchgehender zweigleisiger Ausbau
* fast Halbierung der Fahrzeit durch Wegfall der Kreuzungsaufenthalte

– Braunschweig – Wolfsburg
* Stundentakt, durchgebunden mit der Strecke Hildesheim – Braunschweig
* gewünscht ist ein Halbstundentakt, dafür bedarf es eines zweigleisigen Ausbaus der Weddeler Schleife
* wegen des Einsatzes von Elektrofahrzeugen und unterschiedlichem Kapazitätsbedarfs entfällt künftig die Durchbindung nach Stendal

– Hannover – Braunschweig – Helmstedt
* größtenteils heutiges Bedienangebot
* ergänzende zusätzliche Fahrten auf gesamter Strecke (Hannover – Helmstedt) ohne Umsteigezwang in Braunschweig

– Braunschweig – Salzgitter-Lebenstedt
* Stundentakt

– Braunschweig – Seesen – Herzberg
* Stundentakt

– Braunschweig – Bad Harzburg/Goslar
* Braunschweig – Bad Harzburg: Stundentakt
* Braunschweig – Goslar: angestrebter Stundentakt
* auf dem Abschnitt Braunschweig – Wolfenbüttel reiner Halbstundentakt zusammen mit der Strecke nach Schöppenstedt
* untersucht wird eine Flügelungsmöglichkeit in Vienenburg, so dass die Zugteile Braunschweig – Vienenburg gemeinsam und dann getrennt nach Bad Harzburg und Goslar weiterfahren könnten. Problematisch könnte die Zugvereinigung in der Gegenrichtung sein, da sich alle Bahnsteige in einer Kurve befinden und daher Probleme mit dem Kuppeln bestehen könnten. Dies wird noch untersucht.

– Braunschweig – Schöppenstedt
* Stundentakt, auch am Wochenende
* auf dem Abschnitt Braunschweig – Wolfenbüttel reiner Halbstundentakt zusammen mit der Strecke Richtung Vienenburg

– Bad Harzburg/Vienenburg – Goslar – Hildesheim – Hannover
* reiner Stundentakt Bad Harzburg – Hannover
* wegen wiederholter Neigetechnikprobleme wird der RE 4 Halle – Hannover in Goslar gebrochen, darin sind sich sämtliche niedersächsischen Aufgabenträger einig (ZGB, LNVG, RH). Dafür fährt der RE 4 wieder über die direkte Strecke Vienenburg – Goslar. Es besteht direkter Anschluss Richtung Hannover und außerdem Richtung Göttingen
* geprüft wird eine Verlängerung des HEX bis Goslar ebenfalls über die direkte Strecke. Auch hier bestünde direkter Anschluss Richtung Hannover.

– Bad Harzburg – Goslar – Seesen – Kreiensen (- Göttingen)
* heutiges Angebot (zwei zweistündliche Linien)

Neue zu prüfende und realisierende Stationen liegen in Braunschweig und Wolfenbüttel und lauten:

* Braunschweig-Bienrode auf der Strecke Braunschweig – Uelzen
* Braunschweig-Broitzem auf der Strecke Braunschweig – Hannover/Hildesheim
* Braunschweig-Leiferde auf der Strecke Braunschweig – Salzgitter/Wolfenbüttel (wird nicht von der Linie Braunschweig – Herzberg bedient)
* Wolfenbüttel-Wendessen auf der Strecke Wolfenbüttel – Schöppenstedt

Zur Vorbereitung des Regionalbahnkonzepts 2014+ sollen verschiedene Wettbewerbsnetze gebildet werden, je nach Wettbewerbsnetz werden Fahrzeuge vom Betreiber oder über einen Fahrzeugpool der LNVG gestellt:

Das Dieselnetz Süd-Ost, Teillos 1 besteht aus den Strecken Braunschweig – Salzgitter-Lebenstedt, Braunschweig – Schöppenstedt, Braunschweig – Herzberg, Bad Harzburg – Göttingen und Nordhausen – Bodenfelde. Die Dieseltriebwagen sollen über einen Fahrzeugpool der LNVG gestellt werden.
Das Dieselnetz Süd-Ost, Teillos 2 besteht aus den Strecken Braunschweig – Uelzen, Braunschweig – Bad Harzburg/Goslar und Bad Harzburg – Hannover. Die Dieseltriebwagen sollen vom Betreiber gestellt werden.
Das Emsland-Mittelland-Netz besteht aus der Strecke Hannover – Braunschweig (ohne zusätzliche Fahrten Hannover – Braunschweig – Helmstedt). Hier sollen die bewährten Doppelstockwagen eingesetzt und vom Betreiber gestellt werden. Die Federführung über diesem Netz liegt bei der LNVG.
Das Elektronetz Niedersachsen-Ost besteht aus den Strecken Hannover – Wolfsburg, Hildesheim – Braunschweig – Wolfsburg sowie die zusätzlichen Fahrten Hannover – Braunschweig – Helmstedt. Hier sollen Elektrotriebwagen eingesetzt werden, die vom Betreiber gestellt werden.

Terminplan:

  • März 2011: Verbandsversammlungsbeschluss zum Betriebskonzept und wettbewerblichen Vergaben
  • ab März 2011: Abschluss von Bau- und Finanzierungsverträgen mit DB, LNVG, ZGB; Vorbereitung der Ausschreibung des Betriebs; Vorbereitung der Ausschreibung der Fahrzeuge
  • 2011-2012: Vorbereitung der Infrastrukturmaßnahmen
  • 2012-2014: Bau und Inbetriebnahme der Fahrzeuge
  • 2013-2014: Bau der notwendigen Infrastruktur (Bad Bodenteich, Rötgesbüttel)
  • Dezember 2014: Betriebsaufnahme des Regionalbahnkonzepts 2014+
  • 2014-2016: weitere Infrastukturmaßnahmen

Hauptanmerkungen und Kritik von den Gästen waren vor allem, dass der Haltepunkt Isenbüttel (vorerst) nicht kommt, obwohl die Gemeinde u.a. durch den Bau eines P+R-Platzes am vorgesehenen Haltepunkt für die RegioStadtBahn (RSB) ihre Hausaufgaben dafür schon gemacht habe. Der BUND kritisierte die sehr späte Einbeziehung der Öffentlichkeit und äußerte den Wunsch nach zusätzlichen Haltepunkten für Wolfsburg auf der Strecke zwischen Fallersleben und Wolfsburg Hbf. Die Anmerkung eines Vertreters der Grünen nach der Vorankündigung der Ausschreibung im EU-TED von lediglich 1,7 Mio. Zugkm – was ungefähr das derzeitige Angebot darstelle – wurde dahingehend beantwortet, dass dieser Wert über spätere Änderungsanzeigen angepasst werde, man aber das Projekt erstmal so schnell wie möglich in die Vorankündigung stellen musste.

3 Responses

  1. Nach der Trauer um die Regiostadtbahn echt ein gutes Stück Hoffnung und längst überfällig. Für die kurze Zeit echt gute Arbeit! Leider vermisse ich in meiner Heimat besonders zwei Haltepunkte: 1. Wolfenbüttel-Linden vor der Okertalsiedlung, dieser HP war bei der RSB noch geplant und würde auch Sinn machen wegen der hohen Einwohnerzahl in WF-Linden und dem Gewerbegebiet mit Jägermeister, Lehnkering, Stadtwerke… .
    2. Der Haltepunkt Ohrum/Hedwigsburg wurde vor etwa 30 Jahren geschlossen, würde aber heute Sinn machen, da für zahlreiche Orte die Lücke zwischen Börssum und Wolfenbüttel sehr gross ist. Eine grosse freihe Fläche auf der ehemaligen Rübenverladestelle direkt an der Bahn würde sich hervorragend als Park&Ride Fläche eignen.
    Aber das ist ja auch noch nachrüstbar.
    Des weiteren bleibt noch anzumerken, nicht gleich alle alten 628 Triebwagen zu verschrotten, sondern eine Reserve zu halten. Diese Fahrzeuge haben diesen Winter des öfteren die Ausfälle der Lint auf der Strecke nach Herzberg abgepuffert!
    Kurz gesagt, alte Technik aber zuverlässig!
    Ansonsten ein gutes Stück Hoffnung für unseren Nahverkehr!


  2. Niklas Luerßen
    14.02.11 um 23:04

    Hallo Peter,

    bezüglich Punkt 2 würde ich mir nicht allzuviele Hoffnungen machen, da ein Haltepunkt Ohrum-Hedwigsburg auch in den RSB-Planungen nicht enthalten war. Nichtsdestotrotz hätte man bei mir bis vor ein paar Wochen damit offene Türen eingerannt, da ich eine Bekannte in Ohrum hatte und der Busverkehr dort mehr schlecht als recht ist.

    Ich nehme auch nicht an, daß gleich sämtliche 628 „verbendert“ werden. Allerdings wird man mit diesem Fahrzeug die geplanten kürzeren Fahrzeiten aufgrund der ‚wahnsinnigen‘ Beschleunigung wohl nicht erreichen können (u.a. die geplanten Zusatzhaltepunkte, auch „Umsteigeterminals“ genannt). Deshalb nur in Notfällen zu empfehlen.

    Gruß,
    Nik

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