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Privatbahnen: Tarifverhandlungen mit der GDL gescheitert

21.01.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Die Verhandlungen über einen Bundesrahmen-Lokomotivführertarifvertrag zwischen der GDL und den sechs großen Privatbahnen im SPNV – Abellio, Arriva Deutschland, BeNex, Hessenbahn, Keolis und Veolia Verkehr, sind von der Gewerkschaft am späten gestrigen Abend für gescheitert erklärt worden. Die GDL war nicht an der Schlichtung beteiligt, die in dieser Woche zu Ende ging.

Wie die Privatbahnen mitteilen, beharre die GDL auf Forderungen, die über die im Schlichterspruch gesetzten Rahmenbedingungen weit hinaus gehen. Zwar habe man der Gewerkschaft immer wieder Vorschläge für eine Annäherung gebracht, die Arbeitnehmervertretung habe jedoch keinerlei Kompromissbereitschaft gezeigt.

Die GDL wirft den Privatbahnen vor, gemeinsam mit der EVG Lohndumping zu unterstützen. GDL-Chef Claus Weselsky: „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Lokomotivführer, die in den vergangenen sechs Monaten geduldig darauf gehofft haben, dass das Lohndumping im deutschen Eisenbahnverkehr beendet wird, und dass der Wettbewerb im Eisenbahnverkehr künftig nicht mehr auf ihrem Rücken ausgetragen wird.“

Weselsky weiter: „Arbeitgeber, die Tarifverträge lieber mit schwachen Gewerkschaften abschließen, scheuen sich offensichtlich nicht, die GDL erneut herauszufordern. Sie nehmen dabei billigend in Kauf, dass Bahnkunden in Mitleidenschaft gezogen werden.“

Ulrike Haber-Schilling, Verhandlungsführerin für die Privatbahnen und Arbeitsdirektorin bei Veolia Verkehr: „Wir sind beim Abschluss des Branchentarifvertrags SPNV an unsere Grenzen gegangen und haben dadurch erstmals branchenweite Regelungen vereinbart und damit einheitliche Rahmenbedingungen für unsere Mitarbeiter geschaffen. Es ist unverständlich, wieso die GDL für den Schienenpersonennahverkehr die gleichen Regelungen wie für den Fern- und Güterverkehr fordert.“

Auch beim Thema Qualifikation möchte man sich nicht auf Forderungen der GDL einlassen. So fordert diese zum Beispiel, den Beruf des Lokomotivführers für Hauptschulabgänger unzugänglich zu machen. Das halten die Privatbahnen jedoch für gesellschaftspolitisch unverantwortlich. Ulrike Riedel, Arbeitsdirektorin bei BeNex: „Der Ausbildungsstand und die Qualifikation unserer Mitarbeiter ist auf einem hohen Niveau – unabhängig vom Schulabschluss.“

Aufgrund dieser jüngsten Entwicklungen sind Streiks aller Wahrscheinlichkeit nach auch kurzfristig möglich. Bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe des Schlichterspruchs hat Weselsky mit Ausständen gedroht.

3 Responses

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  3. Steuerzahler
    21.01.11 um 17:41

    So fordert diese zum Beispiel, den Beruf des Lokomotivführers für Hauptschulabgänger unzugänglich zu machen.

    Haben die noch alle Tassen im Schrank? Schon jetzt gibt es vielerorts zu wenig Lokführer und Abiturienten werden sich wohl kaum für einen solchen Job begeistern.

    Aber vielleicht gibt es in einigen Jahren genug Einheitsschulabgänger.

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