Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar: Keine Umfahrung Mannheims

28.01.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

In den letzten Wochen wurden Stimmen laut, bei der Neubaustrecke aus der Metropolregion Rhein/Main in die Metropolregion Rhein/Neckar solle eine Umfahrung um den Mannheimer Hauptbahnhof gebaut werden. In Baden-Württemberg wurde angesichts solcher Forderungen bereits befürchtet, dass Mannheim vom deutschen Hochgeschwindigkeitsverkehr abgehangen werden könnte.

Doch das Bundesverkehrsministerium hat in dieser Woche klargestellt, dass die Einbindung des SPFV in den Mannheimer Hauptbahnhof feste Vorgabe bei der Finanzierung sei. Die Bundesregierung plane, dieses Vorhaben vollumfänglich zu erfüllen. Das geht aus einem Schreiben an den Vorsitzenden im Verkehrsausschuss, Winfried Hermann (Bündnis 90 / Die Grünen) hervor.

4 Responses

  1. Warum muss eigentlich jeder ICE in Mannheim halten. Im SNCF-Hochgeschwindigkeitsnetz werden auch TGV-Bahnhöfe umfahren oder durchfahren.

  2. Weil Mannheim der wichtigste Umsteigeknoten im Fernverkehr im Südwesten ist?
    Die Frage ist doch: Lohnen sich neben dem (bestehenden) Grundangebot mit Anbindung Mannheims noch weitere Sprinterzüge, die dort nicht halten? Kann man durch die Fahrzeitverkürzung soviele Fahrgäste gewinnen, dass sich nicht nur die Fahrten selbst, sondern auch die Infrastruktur davon bezahlen lässt?

  3. Es muss ja nicht jeder ICE in Mannheim halten. Aber der Großteil auf jeden fall! Ich verstehe nicht wieso man Mannheim umfahren will Frankfurt und Stuttgart wegen. Der Mannheimer Hbf denkt in seiner Funktion auch beispielsweise Ludwigshafen und Heidelberg ab, quasi die gesamte Rhein-Neckar Region. Das sind zumindest 2,36 Millionen Einwohner, Tendenz steigend. Weitere Gebiete für der Mannheimer Hbf eine relevante Umsteigefunktion innehat sind zum Beispiel die Pfalz und das Saarland, die Regionen sind nur mäßig an den Fernverkehr angeschlossen.

  4. „Wir werden abgehängt!“ ist der Angstschrei den jeder Kaffbürgermeister benutzt um einen ICE-Halt zu erzwingen. Nichts gegen Mannheim, da gibt es viele Passagiere, aber warum sollte jeder ICE durch den Mannheimer Hbf gezwungen und verlangsamt werden, selbst wenn er nicht dort hält. Dadurch gehen wieder 10 Minuten verloren. Wenn keiner zumindest teilweise „abgehängt“ wird, werden alle abgehängt, weil es so langsam wird.

    Hochgeschwindigkeit (HG) heißt nicht nur hohe Maximalgeschwindigkeit sondern hohe Reisegeschwindigkeit und möglichst wenig anhalten (deshalb sind Bypasse so wichtig). Bei Mannheim besteht die Gefahr, dass man die Fehler von Kassel-Wilhelmshöhe wiederholt. Durch diesen Halt ist die Strecke Hannover-Würzburg keine richtige HG-Strecke. Kein Wunder dass das deutsche ICE-System in der durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit gerade mal so schnell wie die alte, aber optimierte, viktorianische Eisenbahn ist. Wir haben das teuerste und langsamste „HG“-Netz der Welt mit den höchsten Ticketpreisen und daher geringsten Auslastung. Dafür braucht man keine Tempo300-Züge – dann kann man’s gleich lassen. Wirtschaftlich und sinnvoll wird es erst wenn eine hohe Reisegeschwindigkeit und eine hohe Passagierzahl/Auslastung erreicht wird.

    Für einen echten HG-Verkehr müsste man zunächst dafür sorgen, dass die Langsamfahrstellen/Engpässe wegfallen und Bypasse an den richtigen Stellen bauen. Es spricht nichts dagegen, die neue Strecke durch Mannheim zu legen. Aber der Bypass gehört dazu damit es Sinn macht.

    Übrigens: Diese Diskussion über die Strecke in Darmstadt und Mannheim ist etwas unfreiwillig komisch. Wenn Stuttgart 21/Wendlingen-Ulm kommt, können wir für mindestens 10 Jahre Frankfurt-Mannheim getrost vergessen. Wendlingen-Ulm u.a. wird das ganze Geld absaugen (siehe Video „Stuttgart 21 – Verkehrspolitische Kollateralschäden“ auf Youtube).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.