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VCD kritisiert mangelnde Qualität und Preiserhöhungen

12.12.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Fernverkehr auf der Mitte-Deutschland-Strecke wird immer seltenerZum heutigen Fahrplanwechsel verzichtet die Deutsche Bahn erstmals seit 2003 auf die jährlichen Preiserhöhungen im Fernverkehr. Diese Maßnahme begrüßt der Verkehrsclub Deutschland e.V. ausdrücklich, kritisiert aber die Preissteigerungen im Nahverkehr um durchschnittlich 1,9%. Statt dessen solle aufgrund mangelhafter Angebotsqualität im SPNV auch dort von höheren Preisen abgesehen werden.

VCD-Bahnreferentin Heidi Tischmann: „Mehr als neunzig Prozent aller Bahnreisenden sind im Nahverkehr unterwegs, aber hier hat sich das Angebot nicht verbessert. Das umweltfreundliche Verkehrsverhalten darf nicht durch Anhebung der Fahrpreise bestraft werden. Die DB Regio ist die Sparte mit den höchsten Gewinnen innerhalb des Konzerns. Preiserhöhungen in diesem Bereich sind daher nicht gerechtfertigt.“

Im Fernverkehr wird es jedoch konstante Fahrpreise geben. VCD-Chef Michael Ziesak: „Alles andere wäre schlichtweg nicht zu vermitteln – nicht zuletzt angesichts der auch weiterhin mangelhaften Qualität des Bahnverkehrs. Denn trotz Qualitätsoffensive und speziell für diesen Winter angekündigter besonderer Vorkehrungen wie Enteisungsanlagen für Weichen und Schutz vor Schotterflug gab es beim ersten Schnee wieder Probleme im Bahnverkehr: Streckensperrungen, Zugausfälle, Verspätungen – das Bild der Bahn im Winter hat sich nicht geändert.“

Statt dessen forderte er ein Fahrpreis-Moratorium. Höhere Fahrpreise dürfe es nur geben, wenn sich das Angebot verbessert. Routinemäßige Verteuerungen, in der Regel auch weit höher als die Inflationsrate, dürfe es nicht mehr geben.

Statt Verbesserungen stehen ab heute weitere Verschlechterungen an. So wird es zwischen Berlin und Stralsund nur noch zwei statt bislang fünf InterCity-Zugpaare am Tag geben und auch auf der Mitte-Deutschland-Verbindung zieht sich der Fernverkehr weiter zurück: Zwischen Erfurt, Kassel und dem Ruhrgebiet wird es statt eines Zweistundentaktes nur noch einzelne InterCity-Leistungen geben.

Dafür haben die Aufgabenträger, finanziert aus einem Budget, dessen Zweck eigentlich die Flächenerschließung ist, den Eurobahn-Sprinter zwischen Dortmund und Kassel eingeführt, um die Hellwegregion nicht vollständig vom Fernverkehr abzukoppeln. Ein Nahverkehrszug, den NWL-Verbandsvorsteher Winfried Stork mit den Worten „schneller als der Fernverkehr je war“ gelobt hat. Dieser wird wochentags noch vor sieben Uhr in Kassel sein und dort erst nach 21 Uhr wieder abfahren, so dass der Umstieg aus Früh- und Spätzügen ermöglicht werden soll.

Nichtsdestotrotz hat gerade auch der NWL mit den Linien RE 11 und RE 16 – und jetzt noch mit dem Eurobahn-Sprinter – Zugleistungen in seinem Portfolio, für die die Regionalisierungsgelder eigentlich nicht gedacht sind. Das Grundgesetz sieht den Bund in der Pflicht, den überregionalen Personenverkehr zu finanzieren. Dabei stehen gerade dort jede Menge Reaktivierungen und Angebotsverbesserungen in der Fläche an, die auch wegen Fernzug-Äquivalenzien nicht finanzierbar sind.

Bild: Deutsche Bahn AG

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