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Heiner Geißlers Bedingungen zum Weiterbau von Stuttgart 21 im Detail

01.12.10 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Für die Fortführung des Baues von S 21 hält der Schlichter Heiner Geißler folgende Verbesserungen für unabdingbar:

Die durch den Gleisabbau frei werdenden Grundstücke werden der Grundstücksspekulation entzogen und daher in eine Stiftung überführt, in deren Stiftungszweck folgende Ziele festgeschrieben werden müssen:

  • Erhaltung einer Frischluftschneise für die Stuttgarter Innenstadt.
  • Die übrigen Flächen müssen ökologisch, familien- und kinderfreundlich, mehrgenerationengerecht, barrierefrei und zu erschwinglichen Preisen bebaut werden.
  • Für notwendig halte ich eine offene Parkanlage mit großen Schotterflächen
  • Die Bäume im Schloßgarten bleiben erhalten. Es dürfen nur diejenigen Bäume gefällt werden, die ohnehin wegen Krankheiten, Altersschwäche in der nächsten Zeit absterben würden. Wenn Bäume durch den Neubau existentiell gefährdet sind, werden sie in eine geeignete Zone verpflanzt. Die Stadt sollte für diese Entscheidungen ein Mediationsverfahren mit Bürgerbeteiligung vorsehen.
  • Die Gäubahn bleibt aus landschaftlichen, ökologischen und verkehrlichen Gesichtspunkten erhalten und wird leistungsfähig, z.B. über den Bahnhof Feuerbach, an den Tiefbahnhof angebunden.
  • Im Bahnhof selber wird die Verkehrssicherheit entscheidend verbessert. Im Interesse von Behinderten, Familien mit Kindern, älteren und kranken Menschen müssen die Durchgänge gemessen an der bisherigen Planfeststellung verbreitert, die Fluchtwege sind barrierefrei zu machen.
  • Die bisher vorgesehenen Maßnahmen im Bahnhof und in den Tunnels zum Brandschutz und zur Entrauchung müssen verbessert werden. Die Vorschläge der Stuttgarter Feuerwehr werden berücksichtigt.

Für das Streckennetz sind folgende Verbesserungen vorzusehen:

  • Erweiterung des Tiefbahnhofs um ein 9. und 10. Gleis.
  • Zweigleisige westliche Anbindung des Flughafen Fernbahnhofs an die Neubaustrecke
  • Zweigleisige und kreuzungsfrei angebundene Wendlinger Kurve
  • Anbindung der bestehenden Ferngleise von Zuffenhausen an den neuen Tunnel von Bad Canstatt zum Hauptbahnhof.
  • Ausrüstung aller Strecken von S 21 bis Wendlingen zusätzlich mit konventioneller Leit- und Sicherungstechnik.
  • Die Deutsche Bahn AG verpflichtet sich, einen Streßtest für den geplanten Bahnknoten Stuttgart 21 anhand einer Simulation durchzuführen. Sie muß dabei den Nachweis führen, daß ein Fahrplan mit 30 Prozent Leistungszuwachs in der Spitzenstunde mit guter Betriebsqualität möglich ist. Dabei müssen anerkannte Standards des Bahnverkehrs für Zugfolgen, Haltezeiten und Fahrzeiten zur Anwendung kommen. Auch für den Fall einer Sperrung des S-Bahn-Tunnels oder des Fildertunnels muß ein funktionierendes Notfallkonzept vorgelegt werden. Die Projektträger verpflichten sich, alle Ergänzungen der Infrastruktur, die sich aus den Ergebnissen der Simulation als notwendig erweisen, bis zur Inbetriebnahme von S 21 herzustellen. Welche der von mir vorgeschlagenen Baumaßnahmen zur Verbesserung der Strecken bis zur Inbetriebnahme von S 21 realisiert werden, hängt von den Ergebnissen der Simulation ab.

4 Responses

  1. Der Erhalt und sogar Ausbau des (nur?) Stuttgarter Abschnitts der Gäubahn finde ich gut. Am besten fände ich die ausschließlich S-Bahn-Nutzung nach dem „Hamburger Modell“: Es gibt zwei S-Bahn-Stammstrecken (eine zentrale im Tunnel, eine oberirdische für den Innenstadtrand), die im Nordbahnhof als Dreiecksbahnhof und in Rohr zusammenlaufen, zusätzlich können die Züge von West über Nord nach Hbf geführt werden. Die Karte von Google Maps sieht so aus, als dass es attraktive Positionen für vier, fünf Haltestellen mit guter Erschließung für Fußgänger und Busfahrer geben würde. Das Fahrgastpotential für Linien um die Innenstadt herum ist natürlich geringer, aber dann wohl doch vorhanden. In meinen Augen vorteilhaft dürfte sein, dass die notwendigen zusätzlichen Lärmschutzmaßnahmen begrenzt sein dürfen, weil die Strecke offenbar in vielen Tunneln und Einschnitten liegt und S-Bahnen relativ leise sind und wegen des unmittelbaren Nutzens für die Anwohner gut akzeptiert werden dürften.

    Was denkt Ihr dazu?

  2. Den Erhalt der Gäubahn halte ich aus mehreren Gesichtspunkten sinnvoll:
    1. Man hat eine Ausweichstrecke Richtung Singen/Freudenstadt für den Regional- und Fernverkehr falls es im Fildertunnel, dem Flughafen-Bahnhof oder der Strecke Flughafen – Rohr zu Betriebsstörungen oder Streckensperrungen kommt.
    2. Es ist möglich bei Störungen oder Sperrungen der S-Bahn Stammstrecke einen Notverkehr über die Gäubahn herzustellen.
    3. Der Güterverkehr behält ab Stuttgart eine attraktive Verbindung nach Singen und ist nicht auf die dann einzige Verbindung über Renningen angewiesen.

    Eine Einbindung in das S-Bahn Netz ist nicht unbedingt sinnvoll, weil die S-Bahn Linie aus Richtung Süden kommen muss um gleichzeitig den Hauptbahnhof und die Gäubahn zu bedienen. Beim Stuttgarter S-Bahn-Netz fällt aber schon auf, dass man aus Richtung Norden zu viele Linien hat, für die man RIchtung Süden keine sinnvolle Weiterführung findet. An der Station Schwabstraße enden heute drei S-Bahnlinien am Ende der Stammstrecke Richtung Süden. Man könnte natürlich einen Pendelverkehr Schwabstraße – Hbf – Gäubahn – Stuttgart-Vaihingen einrichten, nur ob eine solche Verbindung unbedingt sinnvoll ist. Was ich für sinnvoller halte ist ein Verwurf der Planung die RegionalBahn von Ulm über Göppingen in Stuttgart als Ringzug zurück über Bad-Cannstadt nach Plochingen zu führen. Hier wäre eine Durchbindung über die Gäubahn weiter Richtung Horb möglich.

  3. Ich sehe auch das Problem, dass der Stuttgarter Süden wenig Möglichkeiten für Linienäste besitzt. Den verkehrlichen Nutzen einer Linie Vaihingen-West-Hbf-Schwabstraße sehe ich auch nicht, da ist man aus dem Stuttgarter Westen schneller per Bus oder Stadtbahn in der Innenstadt. Was ich mir gut vorstellen könnte wäre eine Linie Böblingen-Vaihingen-West-Nord-Cannstatt-Esslingen als Parallellinie zur S1 unter Umgehung des Hauptbahnhofs. Mich wundert es sowieso, dass ab 9:30 Uhr diese beiden doch wichtigen Städte nur halbstündlich per S-Bahn nur halbstündlich angebunden sind (ohne S60). Hier könnte man gut aus 30/15 einen 15/10-Takt machen (ohne Berücksigung von evtl Trassenkonflikten zw Vaihingen und Österfeld bzw Nord und Cannstatt). Besonders mit Blick auf die Pendler im Stuttgarter Westen zum Daimler wäre diese (in Anlehnung an Hamburg) „S11“ genannte Linie in meinen Augen gerechtfertigt, ebenso der 30-Minuten-Takt auf der Weststrecke, der auch für RE mit Halt in West etc genug Trassen freilassen würde.

  4. Und nicht zu vergessen: Verlängerung von Böblingen zur Schönbuchbahn. Ja, dann müssten der Fahrgäste trotzdem einmal umsteigen, um in die Innenstadt zu kommen, aber dieser Umstieg müsste erst in Vaihingen geschehen, wo alle zehn Minuten eine S-Bahn in Richtung Hbf fährt und verpasste Anschlüsse nicht so schlechte Folgen wie momentan haben. Zudem sind die weiteren Umsteigemöglichkeiten zum Flughafen/Messe und zur Stadtbahn hochattraktiv. Um den gewünschten 15-Minuten-Takt auf der Relation Böblingen-Holzgerlingen zu erreichen, wäre eine Verlängerung der S60 günstig (auch fahrplantechnisch, da zur Kreuzung mit der S1 = in den Lücken der S11). Was aber u.a. wohl dagegen sprechen dürfte ist die höhengleiche Einfädelung in Böblingen, oder?

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