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Fahren demnächst Doppelstockwaggons als InterCity?

19.12.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Im Frühling könnte es eine Entscheidung gebenWie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, will die Deutsche Bahn in den nächsten Jahren möglicherweise Doppelstockwaggons der Herstellers Bombardier im Fernverkehr einsetzen. Die Bahn wollte den Vorgang jedoch nicht kommentieren. Ob es sich dabei um ernsthafte Überlegungen handelt oder ob es lediglich eine Taktik ist, die ins Stocken gekommenden Verhandlungen mit Siemens über den ICx voranzubringen, ist fraglich.

Möglich wäre es aber natürlich: Die Deutsche Bahn hat mit Bombardier einen Rahmenvertrag über die Lieferung von bis zu achthundert dieser Waggons abgeschlossen. Aus diesem Auftrag könnten problemlos einige an DB Fernverkehr gehen – vorausgesetzt, die Ausstattung ist entsprechend. Ab Dezember 2013 könnten dabei zunächst drei Linien mit 27 Zügen und bis zu zweihundert Waggons mit den neuesten Doppeldeckern fahren.

Ursprünglich sollten sowohl der klassische InterCity, dessen Rollmaterial noch (nahezu) vollständig von der Deutschen Bundesbahn beschafft worden ist, ebenso wie die ICE-Züge der ersten beiden Generationen von einem neuen Triebzug abgelöst werden, dessen Arbeitstitel „ICx“ lautet. Weil sich keine anderen Hersteller gefunden haben, müssten diese Züge bei Siemens gebaut werden, die bereits – allerdings in einem Herstellerkonsortium – an der Produktion der ICE beteiligt waren.

Doch zuletzt gab es immer wieder Streitigkeiten um den Preis für die neuen Züge. Bahnchef Grube sprach sogar schon offen davon, weniger zu bestellen. Denn eins steht fest: Je teurer der einzelne ICx wird, desto stärker würde die Zuggattung InterCity darunter leiden – so es sie in einigen Jahren überhaupt noch geben sollte und sie nicht, wie der InterRegio, von der Schiene verschwinden wird.

Mit an den Fernverkehr angepassten Doppelstockwaggons könnten denn auch wieder Fahrräder transportiert werden, möglicherweise würden sogar Abteilwagen eingerichtet werden und die noch gar nicht so alten Lokomotiven der Baureihen 101 und 120 würden weiter im Fernverkehr tätig bleiben. Das kann alles eine Drohkulisse sein – sollte es so kommen, würde der ICx in weite Ferne rücken.

Es gibt aber auch ein anderes Szenario: Die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet, dass die Bahn den Fernverkehr sogar ausweiten will, und zwar überall dort, wo die Aufgabenträger bei DB Regio Zubringerzüge zum Fernverkehr bestellen. So könnte sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits verhindern, dass immer mehr (I)RE-Leistungen den Fernverkehr verdrängen und andererseits dafür sorgen, dass der Marktanteil im Nahverkehr nicht zu sehr sinkt.

Für die Aufgabenträger wäre das durchaus lohnenswert: Sie hätten mehr Geld zur Verfügung, wenn sie bestimmte hochwertige Züge nicht mehr vollständig finanzieren müssten. Und die Bahn spekuliert ohnehin schon seit längerem drauf, dass Fernzüge vermehrt mit Verbundfahrscheinen genutzt werden können, während im Gegenzug finanzielle Zuwendungen der Aufgabenträger dazu kämen. Und das ganz ohne ICx.

Bild: Deutsche Bahn AG

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