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Agilis bietet Schnupperfahrt am Wochenende

01.12.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Keine zwei Wochen dauert es mehr, bis Agilis den Betrieb des E-Netzes Regensburg aufnimmt. Die veralteten Silberlinge mit ihrem anrüchigen Bundesbahn-Charme werden dann endlich der Vergangenheit angehören und durch zeitgemäße, moderne Triebzüge vom Typ Alstom Coradia Continental ersetzt. Diese wurden extra im Auftrag von Agilis für die Regensburger Fahrgäste hergestellt.

Um die Wartezeit etwas zu verkürzen wird Agilis bereits am Wochenende vor der offiziellen Betriebsaufnahme, und zwar am 4. und 5. Dezember, Sonderfahrten von Regensburg nach Neumarkt, Plattling, Landshut und Ingolstadt anbieten. Die exakten Fahrzeiten gibt es ab heute auf www.agilis.de. Da es sich um Sonderzüge handelt kann es allerdings zu einigen Minuten Verzögerung kommen. Es wird an allen Unterwegsbahnhöfen gehalten.

Die Mitfahrt kostet eine Spende von mindestens zwei Euro an das Kinderweihnachtswerk, zu dessen Gunsten die Fahrten veranstaltet werden. Es hilft bereits seit 1923 Kindern aus sozial schwachen Familien und von allein erziehenden Eltern.

Agilis ist Teil des Benex-Konzerns, einem Joint-Venture der Hamburger Hochbahn und der britischen Investmentgesellschaft International Public Partnerships (IPP), vormals Babcock & Brown. Agilis wird in und um Regensburg etwa 140 neue Arbeitsplätze schaffen, viele davon gehen an frühere Langzeitarbeitslose.

13 Responses


  1. Regensburger Fahrgast
    01.12.10 um 15:42

    Ich freu mich schon sehr darauf, bald mit Agilis zu fahren. Die Silberlinge kommen dann endlich dahin, wo sie hingehören: Auf den Schrottplatz. Ich bin anderswo schon mit Privatbahnen gefahren, bislang ist mit Privaten immer besser geworden als mit der DB. Bessere Züge, höherer Komfort: ich freu mich drauf, die DB endlich los zu sein. Außerdem ist es doch gut, daß da mehrere hundert Leute neu eingestellt werden: So holt man Arbeitslose von der Straße. Bitte liebe BEG, setzt Eure Ausschreibungspolitik fort! Sorgt dafür, daß der Schienenverkehr überall so gut wird wie demnächst hier bei uns in und um Regensburg.

  2. Was viele vergessen nicht wahr haben wollen: Auch wenn die DB gewonnen hätte, hätte es Neufahrzeuge gegeben.

    Vielfach wird behauptet, durch die NE-Bahnen kämen die Neufahrzeuge, die Neufahrzeuge kommen aber viel mehr durch die Vorgaben im Verkehrsvertrag, so dass auch die DB bei einem Gewinn mitnichten mit altem Rollmaterial weiterfahren würde.

    Außerdem ist es doch gut, daß da mehrere hundert Leute neu eingestellt werden: So holt man Arbeitslose von der Straße.

    Da muss ich ganz heftig protestieren: So gut wie immer ist es so, dass unterm Strich Arbeitsplätze wegfallen. Vielleicht werden 140 Mitarbeiter bei Agilis eingestellt, dafür haben dann aber möglicherweise 200 Personen bei der DB auf dem Streckennetz gearbeitet. Das Personal der Privatbahnen wird sehr häufig durch die Arbeitsagentur finanziell gefördert (Umschulungen, Lehren), so dass dieses günstig zu bekommen ist, anders als bei der DB: Diese hat das „Problem“, dass sie bereits teures Personal hat. Von einem fairen Wettbewerb kann also kaum eine Rede sein, meines Erachtens muss es wie in den Niederlanden laufen, wo zwangsweise das alte Personal zu gleichen Konditionen übernommen werden muss.


  3. Stefan Hennigfeld
    02.12.10 um 01:47

    Nach der Betriebsaufnahme wird (nach BEG-Angaben) das Fahrplanangebot um dreißig Prozent ausgeweitet. Es wird also wirklich signifikante Mehrleistungen geben. Wenn DB Regio bei wesentlich weniger Zugleistungen soviel mehr Personal hatte, ist das vielleicht gerade der Grund dafür, daß sie nicht zum Zuge kamen. Kann das vielleicht sein?

    Personalübernahmeregelungen wären sicherlich eine gute Lösung. Sie einzuführen ist Sache der Tarifparteien und die Gewerkschaften sind bereits dabei, über einen Branchentarif zu verhandeln, der entsprechende Klauseln haben soll. An diesen Verhandlungen nimmt auch die Agilis-Muttergesellschaft Benex teil.

  4. Wenn DB Regio bei wesentlich weniger Zugleistungen soviel mehr Personal hatte, ist das vielleicht gerade der Grund dafür, daß sie nicht zum Zuge kamen. Kann das vielleicht sein?

    Ich will für meine Zahlen der wegfallenden DB-Arbeitsplätze nicht die Hand ins Feuer legen, das war einfach nur eine aus dem Himmel gegriffene Zahl. Die Tendenz ist aber eher, dass mehr Arbeitsplätze „wegfallen“ als „neu geschaffen“ werden. Das liegt natürlich nicht zuletzt daran, dass durch modernere Technik vielfach nur ein Drittel – wenn überhaupt – der Züge mit Zugbegleitern besetzt werden und außerdem nur so viel eingestellt wird, wie unbedingt notwendig ist. – Zusammenfassend also durch Rationalisierungsmaßnahmen, die es immer und überall geben wird.
    Mitarbeiterversetzungen hätte es also bei der DB natürlich auch gut und gerne geben können, ich habe da nur immer ein ungutes Gefühl dabei, wenn angeblich xx Arbeitsplätze „neu“ geschaffen sein sollen.

    Sie einzuführen ist Sache der Tarifparteien und die Gewerkschaften sind bereits dabei, über einen Branchentarif zu verhandeln.

    Meines Erachtens sollte dies bereits in den Ausschreibungsbedingungen inkludiert sein, da die Auftraggeber nicht nur mit so und so vielen Zügen mehr, neuen Fahrzeugen und weiteren Verbesserungen werben sollten ohne die sozialen Aspekte für die Mitarbeiter zu berücksichtigen. Ein öffentlicher Auftraggeber sollte sich auch seiner sozialen Verantwortung stellen.

    Abschließend noch der Hinweis, dass gerade die Firma Benex für Lohndumping bekannt ist, wenn ich mir bspw. die ODEG anschaue, bei dem das Zugbegleitpersonal Berichten zu Folge über ein Reiniungsunternehmen(!) zu absoluten Dumpinglöhnen eingestellt worden ist.


  5. Stefan Hennigfeld
    02.12.10 um 02:01

    Gut, dann stellen wir uns mal vor, die DB hätte gewonnen und würde da mit „ihren“ 440ern fahren. Hat sie ja in Bayern schon. Die würden auch nicht mehr Zugbegleiter auf die Züge setzen als vom Aufgabenträger vorgegeben.

    Die Tarifverträge sind nicht Sache der Aufgabenträger, es fragt ja auch niemand, der bei Lidl oder Kik einkauft danach, wie es den Leuten da geht. Man könnte über gesetzliche Mindestlöhne reden, aber davon sind Eisenbahner ohnehin weit entfernt.

    Die ODEG ist ein Joint Venture aus Arriva und Benex. Ich könnte jetzt was ganz plakatives sagen, in Form von „Wenn ich sehe, wie schlecht die Zugbegleiter bei der ODEG bezahlt werden, dann geht mir der Hut hoch.“ Ich sage Dir, wann mir der Hut wirklich hochgeht: Wenn ich sehe, daß es Gewerkschaften gibt, die solche Tarifverträge unterschreiben und sich damit einverstanden erklären, daß ein Zugbegleiter 7,44 Euro die Stunde verdient. Solche Gewerkschaften sind das Problem der betroffenen Arbeitnehmer, nicht irgendwelche Ausschreibungen.

  6. Es ist durch EU-Regelungen bereits jetzt möglich, Dinge wie Mitarbeiterübernahmen in die Ausschreibungsunterlagen zu schreiben. Wird in den Niederlanden im Bus- und Bahnbereich stets so gemacht. Auf Tarifverträge kommt es da ja nur mittelbar an, sondern einfach um die Überlassung zu gleichen Konditionen (=Tarife).

    Für die ODEG-Zugbegleiter dürfte dann Verdi zuständig sein. Reinigungspersonal fällt übrigens unter das Entsendegesetz, welche minimal 7,50 EUR pro Stunde vorschreibt, wenn bei der ODEG nur 7,44 EUR pro Stunde verdient werden, läuft dar was falsch.


  7. Stefan Hennigfeld
    02.12.10 um 11:49

    Die Aufgabenträger können es machen, die LNVG hat es bei der S-Bahn Bremen auch gemacht und hinterher hat die DB gegen geklagt mit der Argumentation, es sei ihr nicht zuzumuten, Tariflohn zu zahlen. Außerdem sind die Aufgabenträger für die Daseinsvorsorge der Allgemeinheit zuständig, nicht für das Wohl der DB-Mitarbeiter. Die Eisenbahn ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Die Interessen der Arbeitnehmer sind daher von untergeordneter Natur.

  8. Welcher Eisenbahner wird denn mit mir solidarisch, wenn ich arbeitslos werde?


  9. Regensburger Fahrgast
    02.12.10 um 12:28

    Man könnte sich ja als Betroffener auch mal bei Agilis bewerben. Die würden ausgebildete Leute bestimmt gerne nehmen. Und wenn die weniger zahlen müssen die sich an ihre Gewerkschaften wenden, das ist für uns Fahrgäste wirklich nicht relevant. Oder wie einer gesagt hat: Wenn ich arbeitslos werde, werden die mit mir auch nicht solidarisch.

  10. Wenn ich das schon immer höre mit den Dumpinglöhnen, das ist doch grober Unfug. Ob es Mindestlöhne gibt oder nicht kann einem Eisenbahner völlig egal sein, der verdient sowieso signifikant mehr.

    Obwohl: Spätestens wenn Frau Eisenbahner sich nicht mehr für fünf Euro ihre Dauerwelle machen lassen kann, sieht die Welt ganz anders aus …


  11. Regensburger Fahrgast
    02.12.10 um 19:04

    Es wird für die Allgemeinheit soviel wirtschaftlicher, daß für uns Fahrgäste mehr Züge bestellt werden können. Das ist gut, das freut mich und wenn das auf Kosten der Privilegien einer kleinen Minderheit geht, dann ist das eben so.


  12. Stefan Hennigfeld
    02.12.10 um 19:09

    Ich denke eher, daß sich die Stellung der Eisenbahner auf dem Arbeitsmarkt verbessern wird, wenn so viele zusätzliche Zugleistungen bestellt werden können. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß die DB wirklich für 30% weniger Zugleistungen 40% mehr Personal hatte. Und falls doch ist es kein Wunder, daß sie in Ausschreibungen keine Chance hat.


  13. x-Wagen Hasser
    02.12.10 um 21:02

    Ich kann das Gejammer der DB-Mitarbeiter bei jeder verlorenen Ausschreibung nicht mehr hören. Und wenn schon Personalübernahme durch den neuen Betreiber, dann zu dessen Bedingungen und nur in der notwendigen Anzahl.

    Warum soll sich der neue Betreiber die Probleme der DB AG einhandeln?

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